Vom Traumschiff an den Kiosk

Was tun, wenn es auf einmal nichts mehr zu tun gibt und auch die Zukunft still zu stehen scheint? Die Plauenerin Köchin Stefanie Ludwig war viel beschäftigt auf einem Traumschiff. Dann musste sie eine lange Quarantäne wegen Corona ertragen. Nun kocht sie wieder in Plauen - zwei Mal die Woche Mittagessen zum Mitnehmen.

Von Frank Blenz

Plauen - Bei einem Spaziergang ist es zu dieser Entdeckung gekommen: in der unteren Goethestraße in Preißelpöhl steht in einem Grundstück zwischen Garagen und Lagerplätzen eng eingerahmt in einem Einfahrtsbereich ein unscheinbar wirkender Verkaufswagen - eine Imbissbude auf Rädern. Zwei Mal in der Woche ist die Bude mit dem Namen "EssErlebnIss" geöffnet. Ein, zwei exklusive Gerichte werden neben einer Mini-Tages-Karte plus kleiner Getränkeauswahl angeboten. Und all das gibt es nur zum Mitnehmen wegen des Lockdowns. Die Imbiss-Idee sei eine Reaktion auf Corona, ist von der Betreiberin zu erfahren. "Es muss ja weitergehen", so Imbiss-Chefin Stefanie Ludwig.
Die kleine Bude ist das erste eigene Unternehmen von Stefanie Ludwig, einer jungen Plauenerin, die ihr Leben die vergangenen Jahre vorwiegend in der Fremde gelebt hat. Stefanie hat Köchin gelernt im Best Western Hotel, um sich dann mit einer Menge Fernweh, Neugier und Tatendrang ausgestattet, in die Welt hinaus zu wagen. "Ich habe auf der "Aida" angefangen und bin dort sehr froh gewesen", erzählt die 24-Jährige, die immer Köchin werden wollte, weil Kochen und Küche "ihres" ist. Bis vor knapp einem Jahr war sie noch auf den Seychellen oder Südafrika unterwegs. Viel zu tun gab es.
Wettlächeln mit
Udo Lindenberg

"Das ist nicht jedem sein Ding, teils 14 Stunden Dienste zu schieben, mitsamt der hohen Anforderungen. Ich kam aber gut zurecht, wir waren eine schöne Truppe und wir hatten ein dankbares Publikum, einfache Leute, aber auch Prominente." Sie zeigt ein Foto, auf dem sie und Udo Lindenberg um die Wette lächeln.
Dann kam Corona und die Vollbremsung im Frühjahr 2020. "Das war schlimm, alles aus, mit einem Mal. Wir von der Besatzung waren gefangen", erzählt die Plauenerin. Was besonders hart war: 60 Tage wurden Stefanie und ihre Kollegen in Dubai im Hafen an Bord ihrer "Aida" quarantänebedingt festgehalten. Inkompetenz der Verantwortlichen, schimpft die Köchin kopfschüttelnd: "Keiner kam auf das Schiff, keiner durfte von Bord." Dann endlich durften alle nach Hause. "Ich wollte nur noch heim. Wir kamen in Hamburg an und dann endlich: Plauen", sagt sie erleichtert, während sie die letzten Monate schildert.
Ihr sonniges Lächeln ist ansteckend, Stefanie Ludwig schaut aus erhobener Position aus dem Imbisswagen freundlich auf die Kunden und nimmt die Bestellungen zum Abholen an. Der Wagen samt der flexiblen Verkaufsstrategie ist ein Projekt von Vater und Tochter. Sie und ihr Papa Achim Ludwig haben das gebrauchte Stück - sie hatten es im Internet entdeckt - in den schlichten Imbiss-Wagen für Mittagessen zum Mitnehmen verwandelt.
Essens-Angebot auf
kleinen Papptellern

Zugegeben, der Wagen sieht immer noch gebraucht aus und wirkt doch richtig schön im Stil Marke Eigenausbau. Der Stand hat alles was es braucht inklusive Coronaschutz und Hinweisschilder und einem Guckkasten, in welchem das Essenangebot sichtbar auf kleinen Tellern präsentiert wird. Neben dem einen Hauptgericht, bietet die Plauenerin auch den klassischen Imbiss an wie Wiener, Tagessuppe und "Omas Kuchen".
Was sie zum Handeln bewegte: "Überall ist alles geschlossen, ich als Köchin kann gerade nirgends anfangen. Das geht schon seit dem vergangenen Jahr so. Darum habe ich mir das mit dem Imbiss überlegt. Das ist ja möglich. Noch. Wer weiß wie lang." Dienstags und donnerstags lädt Stefanie jeweils zwischen 11 und 13.30 Uhr wieder zu ihrem Abhol-Imbiss-Wagen in der Goethestraße 53. Dann sind Rouladen und Kassler die Renner für "Take away".
Zwei Tage hat Köchin Ludwig zunächst ihren Wagen geöffnet, die weitere Zeit der Woche braucht es für die Vo- und Nachbereitung, sie stemmt alles allein. "Mal sehen, wie sich alles entwickelt. Ich bin gespannt."