Vom Lesen in Corona-Zeiten

Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf die Lesegewohnheiten - und auf Buchhändler, die derzeit keine Kunden empfangen dürfen.

Von Mario Wild

Ein Bücherladen ohne Kunden - wie ist das? "Bedrückend", antwortet Steffi Korndörfer postwendend. "Vor allem in der Vorweihnachtszeit", fügt sie hinzu. Die 52-Jährige ist Filialleiterin der Thalia-Filiale in der Plauener Stadt-Galerie. Seit 14. Dezember sind die Ladentüren zu - dem Corona-Lockdown sei "Dank". "Was uns Weihnachten an Umsatz fehlt, holen wir nie wieder auf", so die Fachfrau. Nahezu 40 Prozent Umsatz mache das Geschäft  im letzten Quartal des Jahres. Zum Glück waren wohl viele Kunden auf eine Schließung eingestellt und hätten sich bereits im November und Oktober mit Lektüre eingedeckt - in weiser Voraussicht.


Der jetzige Lockdown wurde schneller angenommen als der im Frühjahr. "Die Leute haben eine Routine entwickelt", so Korndörfer. Etwa zehn telefonische Bestellungen gehen täglich ein. Bei der "Premiere" im Frühjahr seien es noch doppelt so viele gewesen. Täglich werden die Bücher - meist gegen Mittag - im Stadtgebiet Plauen und Umgebung ausgeliefert, beziehungsweise im ganzen Vogtland verschickt.


Die Filialschließung hat natürlich Auswirkungen auf die acht Mitarbeiter - diese befinden sich in Kurzarbeit mit Ausnahme der beiden Auszubildenden. Trotz Corona: Die 20 Prozent-Azubi-Quote soll auch künftig erfüllt, sprich ab August weiterhin ausgebildet werden. Entsprechende Gespräche mit Bewerbern habe es bereits gegeben. Lediglich das obligatorische kurze Probe-Arbeiten im Februar wird vermutlich ausfallen.


Gravierend sei die Pandemie vor allem für kleinere Verlage oder Autoren, denen fehle schlicht und einfach die Bühne. Bei kurzfristigen Einkäufen warten auch Steffi Korndörfer und ihre Kollegen erst mal ab - oder nehmen geringere Mengen ab. Schließlich ist auch die Verkaufsfläche in der Filiale in der Stadt-Galerie begrenzt.


Trotzdem bietet die Corona-Krise auch Chancen, sagt die Expertin. Die Leute haben mehr Zeit, lesen wieder mehr - auch Kinder und Jugendliche. Gut laufen vor allem Krimis oder historische Romane. Ein Renner sind die Thriller des Bestseller-Autoren Sebastian Fitzek. Bücher aus dem Bereich "Beschäftigung" gingen ebenfalls mehr als sonst über den Ladentisch. Gleiches gilt für Gesellschaftsspiele.


Der negative Umkehrschluss - auch das eine Folge von Corona: "Internationale Reiseführer, aber auch Bildbände sind praktisch tot", redet die Filialleiterin Klartext. Auf diese Art und Weise Fernweh wecken, ist augenscheinlich nicht en vogue. Andererseits finde regionale Literatur verstärkt Abnehmer.


Nach der Arbeit hat Steffi Korndörfer natürlich noch nicht genug von Büchern, wenn es um die Privat-Lektüre geht. Zuletzt waren ein Roman von Anne Freytag "fällig" oder die aktuelle Werk von Campino - dem Sänger der "Toten Hosen. Titel: "Hope Street: Wie ich einmal englischer Meister wurde". Dabei geht es allerdings weniger um die Biografie des Sänger als vielmehr um dessen Liebe zum Fußball und zum FC Liverpool. Also nicht zuletzt für Sportfans eine Empfehlung für das Lesen in Corona-Zeiten.