Vom Entlein zum Schwan

Ein Vogtländer motzt historische Motorräder auf. Gerade hat er den 1. Preis auf einer Schau erhalten - für eine Maschine aus Suhl, die mehr als 70 Jahre auf dem Buckel hat.

Bochum/Auerbach Die Veränderung des Motorrades erinnert an die Verwandlung eines Penners in den Designer Harald Glööckler: Es geht um ein Motorrad der Marke Simson AWO 425T von 1957, hergestellt im thüringischen Suhl. "Ich habe einen Haufen Schrott bekommen, gefunden in einer bayrischen Scheune", sagt Swen Weber, der im Januar begonnen hat, der Maschine ein zweites Leben einzuhauchen. Der 41-Jährige stammt aus der Nähe von Auerbach; seit 1992 wohnt er in Bochum. Im Vogtland sei er häufig zu Gast: Der Bruder wohnt bis heute in Falkenstein.
In sieben Monaten (und 600 Arbeitsstunden) verwandelte der Gas-/Wasserinstallateur die Awo in seiner Freizeit in ein aufregendes Teil: So gut wie nichts stammt von einem Serienmotorrad: Die Räder - neu eingespeicht, Trommeln und Motor graviert, die Trapezgabel kommt aus dem Hause DKW, Baujahr 1935, der Rahmen wurde geteilt und seiner Federung beraubt, der Lenker ist breit, Griffe und Armaturen Eigenbau; alle Hebel sind gefräst und poliert: Alles, was goldig glänzt, ist 24 Karat vergoldet oder aus Messing.
"Solche Motorräder nennt man Custom-Bikes, Fantasie-Maschinen - gefertigt nach besonderen Wünschen", erklärt Weber, der seit frühester Jugend eine Leidenschaft für Ost-Motorräder und -Mopeds hat. "Mit zehn hat mir mein Vater das Mopedfahren beigebracht und wir sind durch den Wald geheizt."
Weber nennt seine Maschine "Simson Icarus" - nach der Sagengestalt Ikarus, der abgestürzt ist, weil er nicht auf seinen Vater hören wollte: Die Sonne ließ die Wachsverbindungen der Flügel schmelzen: Ikarus stürzte in den Tod.
Webers "Simson Icarus" dagegen ist auf Höhenflug: "Auf zwei Motorradschauen im Ruhrgebiet hat die Maschine Erste Preise abgeräumt", berichtet er. "Auf dem Jokerfest, einer Harley-Davidson-Veranstaltung im Hamminkeln, und dem Harley-Meeting Ruhrpott in Hattingen."
Nach eigenen Worten hat er etwa 17.000 Euro in die "Simson Icarus" investiert. "Ich will damit fahren und das Gefühl der Freiheit genießen. An einen Verkauf ist im Moment nicht gedacht."
Die "Icarus" ist Webers dritte Schöpfung: Zuvor hat er zwei andere hässliche "Entlein" in "Schwäne" verwandelt - ebenfalls Produkte aus Suhl: Der umgebaute Spatz R70 ging an einen Millionär ins Sauerland "Die preisgekrönte Schwalbe Phantom 3 steht jetzt in Suhl im Museum." ufa