Vom Ebersbacher Dinkel übers Korn zum Brot

Bauer Hans-Jochen Knoll aus Ebersbach hat Freude an herkömmlicher und moderner Landwirtschaft. Schöne Rinder im Stall, ein gesunder Pfanzenbestand auf vogtländischer Scholle und neueste Technik für Aussaat, Pflege, Ernte und Konservierung.

 

Mit Weizen, Gerste, Triticale . . . hat der Ebersbacher seit Jahren und Jahrzehnten viel Erfahrung. Sein landwirtschaftliches Wissen hat der 57-Jährige jetzt um das Kapitel Dinkel erweitert. Zum ersten Mal hat der passionierte Landwirt auf einem kleinen Schlag dieses uralte Getreide angebaut. Und jetzt war Erntetag. Der Ertrag: mäßig, etwa 30 Doppelzentner pro Hektar. Trotzdem ist Hans-Jochen Knoll von A bis Z zufrieden. Für ihn ist Dinkel "ein Urgetreide" und er weiß von der ernährungsphysiologischen Bedeutung von Dinkel. Der Eichigter Grundschule wird er demnächst ein Säckchen Körner zur Verfügung stellen, wenn es am Backtag heißt: "Vom Dinkel übers Korn zum Brot."

 ,,Altherkömmlich - aber mit neuesten Erkenntnissen"?, so der Dinkel-Bauer, sei der Schlag bewirtschaftet worden. Das heißt auch: Keinerlei Kunstdünger, keine chemischen Keulen bei der Unkrautbekämpfung, sondern ,,im Januar gut verteilter Mist und mechanische Unkrautbekämpfung durch anerkanntes Striegeln"?. Nach der Ernte folge das Reinigen und maschinelle Entspelzen, erklärt Hans-Jochen Knoll.

 In neuerer Zeit erlebt dieses Getreide wieder eine gewisse Renaissance, insbesondere im Biobereich, wohl auch, weil es von vielen Allergikern geschätzt wird. Insbesondere bei Baby- und Kindernahrung bildet Dinkel mittlerweile eine beliebte Alternative zu Weizen. Dinkel ist außerdem fester Bestandteil der modernen Hildegard-Medizin, die sich auf die mittelalterliche Mystikerin Hildegard von Bingen beruft.

 Zur Geschichte: Dinkel war schon vor 15 000 Jahren als Kulturpflanze im südwestlichen Teil Asiens bekannt. Im Neolithikum wurde Dinkel vor allem im Alpenraum angebaut, was archäologische Funde beweisen. Im 18. Jahrhundert war Dinkel ein wichtiges Handelsgetreide.

 

Er erscheint in den Ortsnamen Dinkelsbühl und Dinkelscherben sowie deren Wappen (jeweils drei Ähren). Aus früheren Zeiten stammt die Tradition - wohl ausgelöst durch mehrere Missernten hintereinander -, dass ein Teil des Dinkels schon vor der eigentlichen Reife - noch grün - geerntet wurde, um wenigstens über den Winter zu kommen.

Dieses unreife Getreide war aber nicht lagerfähig, weshalb es getrocknet wurde. Dieses als Grünkern bekannte Getreide ist aber nicht backfähig. Es wird zu Suppen oder Grünkernküchle verarbeitet. Im 20. Jahrhundert verringerte sich der Anbau, da Dinkel wesentlich schlechtere Ernteerträge brachte als Weizen. All das - und noch viel mehr - werden Eichigts Grundschüler innerhalb eines Projekttages lernen.  C.S.