Volles Rohr

Der SuedOstLink soll das Vogtland queren: Die unterirdische Gleichstromtrasse transportiert in wenigen Jahren Windstrom aus dem Norden in Richtung München, weil die Kernkraftwerke abgeschaltet werden.

Plauen/Mehltheuer -  Bis jetzt wusste man, dass die 21 Meter breite Trasse aus zwei Kabelgräben besteht - in einem liegen zwei oberschenkeldicke Kabel in Schutzrohren, im anderen zwei leere Rohre für spätere Füllung. "Jetzt steht fest, welche Leitung die zusätzlichen Rohre nutzt", sagt Axel Happe, Projektsprecher "SuedOstLink". Der Vogtland-Anzeiger sprach mit dem 45-Jährigen.

Herr Happe, erst zwei Kabel - plötzlich vier. Wie kommt‘s?
Anfänglich war geplant, nur den Strom der Windräder von Wolmirstedt bei Magdeburg nach Isar bei München zu transportieren. Jetzt kommt der Windstrom von Klein Rogahn bei Schwerin dazu, die Menge verdoppelt sich also. Die Übertragungsleistung beider Leitungen entspricht der von vier großen Kernkraftwerksblöcken oder rund 1300 Windkraftanlagen. Beide Leitungen werden zusammen, so die Rechnungen für 2035, so viel Strom transportieren, wie knapp 6 Millionen Haushalte jährlich verbrauchen - bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 3200 kWh/Jahr.

Wie verläuft die Trasse im Vogtland?
Das ist noch nicht klar, nur der Verlauf des knapp 20 Kilometer langen und 1000 Meter breiten Vogtland-Korridors, in dem die Trasse liegt: Der Korridor erreicht von Norden kommend das Vogtland bei Bernsgrün/Unterpirk, geht an Drochaus vorbei, passiert Rodau östlich, verläuft zwischen Reuth und Grobau und verlässt das Vogtland beim Drei-Länder-Eck.

Wann steht der metergenaue Trassenverlauf fest?
Darüber entscheidet die Bundesnetzagentur frühestens im Jahr 2022. Wenn es dann Rechtssicherheit gibt, kann der Bau 2023 beginnen. Klappt alles, geht die Trasse 2025 in Betrieb.
Eigentlich könnte das Prozedere doch schon in diesem Jahr weitergehen, oder?
Geht es auch - aber erstmal mit dem Antrag, die anfänglich geplanten Leerrohre mit richtigen Kabeln zu ersetzen. Dieser Antrag soll im zweiten Quartal dieses Jahres gestellt werden. Zudem arbeiten wir derzeit an der metergenauen Feintrassierung. Liegt die vor, werden die vollständigen Unterlagen öffentlich ausgelegt, wo jeder nochmals die Möglichkeit hat, Einspruch einzulegen.

Am Ende entsteht eine Trasse, die nicht überbaut werden darf. Wie viel Platz braucht es zum Bauen?
Dafür wird ein 40 bis 45 Meter breiter Streifen für die Baumaschinen gebraucht, um zum Beispiel den Erdaushub für die Gräben abzulagern. Der rund 21 Meter breite Schutzstreifen am Ende, der nicht bebaut werden darf, wird ins Grundbuch eingetragen. ufa