Vollbad mit Hemd und Hose

Muldenberg - Was im Verlauf von über 280 Jahren aus den vogtländischen Wäldern um Muldenberg an Holz herausgeholt wurde, lässt heute noch erstaunen. Der Holzverkauf war für die sächsischen Kurfürsten nämlich ein äußerst einträgliches Geschäft.

Auf Anordnung des Kurfürsten August I. wurde daher zwischen 1579 und 1632 das aus vier Floßgräben und neun Floßteichen bestehende Muldenberger Floßgrabensystem geschaffen, das noch heute als technische Meisterleistung des mittelalterlichen Kunstgrabenbaus gilt. Interessant ist zudem die Tatsache, dass es das 1592 gegründete Muldenberg ohne die Flößerei gar nicht gäbe, denn die ersten Siedler hier waren Flößer und Holzhauer. Für die allerdings war das gute Geschäft der Kurfürsten vor allem Schwerstarbeit mit einem Hungerlohn von sechs Groschen pro Woche. Das geschlagene Holz musste zu den Floßplätzen geschafft werden, wo es entrindet, auf ungefähr einen Meter Länge gesägt und gespalten wurde, bevor es im Wasser auf die Reise gen Norden ging. Da die Arbeitskräfte vor Ort oft nicht ausreichten, wies die kursächsische Floßanstalt "Weißelsterflöße" als Betreiber des Grabensystems Frondienste an, sogar für Kinder, die selbst nach Einführung der Schulpflicht im Jahre 1720 von dieser befreit wurden.

All dies und noch vieles mehr konnte man zum Flößerfest zu Himmelfahrt in Muldenberg erfahren, Deutschlands erstem Flößerdorf. An diesem Tag ist Muldenberg schon seit Jahren ein wahres Sammelbecken für Ausflügler, die sich auf dem Festplatz vergnügen und sich bei den zwei Flößervorführungen dicht an dicht um den Floßplatz drängeln.

Bernd Kramer, Vorsitzender des Vogtländischen Flößervereins, erklärte hierbei ausführlich die Arbeitsgänge, die von den Vereinsmitgliedern demonstriert wurden und dabei die Schwere der Arbeit erahnen ließen. Was heute der Holzspaltautomat "Knick-Knack" mit einem Griff macht, war früher mühsamste Handarbeit. So waren Freiwillige aufgerufen, doch einmal mit dem Spaltkeil und der Axt einen Stamm zu spalten, was sich schwieriger als gedacht erwies.

Auch zum "Flößersprung", dem Überspringen des Floßgrabens mit der Stange, wurden Freiwillige gesucht. Mit dem Sprung gelangten die Flößer von einer auf die andere Seite des Grabens, um das Holz in der Spur zu halten. Bei einer Grabenbreite von etwa vier Metern nahmen zwei Jungen ein Vollbad, und auch Sven Vierk aus Grünbach hatte hierbei seine Probleme. Alle drei bekamen aber als Lohn für ihren Mut das Flößerdiplom, letzterer als Extra für diesen Tag noch ein Bierchen.

 Bier spielte übrigens bei den Flößern eine überaus wichtige Rolle, denn als Zugabe zur schweißtreibenden Arbeit gab es ein Deputat von fünf Litern Bier pro Tag. Dies war allerdings nur ein Dünnbier mit geringem Alkoholgehalt. Als dieses allerdings gekürzt werden sollte, gab es Aufruhr, und so blieb es bei der bisherigen Menge.

Für alle, dies am Donnerstag verpasst haben: Am heutigen Samstag findet um 13.30 und 15.30 Uhr nochmals ein Schauflößen statt.  H. S.