"Voll normal"(es) Miteinander

Ein tolles Fest unter dem Titel "Voll normal" hat die Diakonie Auerbach mit mehr als zwanzig Partnern und 1000 Besuchern auf dem Theaterplatz gefeiert.

Von Ingo Eckardt und Torsten Piontkowski

Plauen - Man wolle den Zusammenhalt von Menschen zeigen, egal ob mit Behinderung oder altersbedingten Handicaps oder eben total gesund. Diese Thematik nahm auch Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch auf und freute sich, dass so viele Vogtänder den Weg zu dem großen Fest auf dem Theaterplatz gefunden hatten. "Man muss heutzutage Gesicht zeigen und den gesellschaftlichen Schulterschluss üben", sagte sie auch mit Blick auf eine gegenüber am Postplatz stattfindende Aktion der rechtsextremen Kleinstpartei III. Weg. "Wir sind alle gleich und haben die gleichen Möglichkeiten. Man wolle ein friedliches Land, in dem niemand Angst haben muss und in dem ein vertrauensvolles Miteinander dominiert. Gemeinsam fröhlich, freundlich zusammenzuhalten, sei heutzutage wichtiger als je zuvor, rief sie den zahlreichen Beuchern des Inklusionsfest von der Bühne auf dem Theaterplatz zu und erhielt dafür "Szenenapplaus". Dann ging es für die Ministerin zu einer der Niederflur-Straßenbahnen, denn auch die Plauener Straßenbahn brachte sich mit ihren barrierefreien Mitfahrangeboten ein. Fahrer Heiko Puchta erläuterte dem Gast aus Dresden, wie auch Rollifahrer und Muttis mit Kindern die Tram ganz ohne Schleppen und großen Aufwand nutzen können. Die junge Mama Yvonne Magwas, CDU-Bundestagsmitglied, war mit dem Kinderwagen dabei, in dem der friedlich schlummernde, kleine Jakob die freundlichen Blicke der Besucher auf sich zog.
Auch die lokale Politprominenz war mit vor Ort. Landrat Rolf Keil freute sich über den guten Zulauf des integratives Festes. Es sei ein schönes Zeichen, dass die Zivilgesellschaft sich in Gänze hier zeige, wo die Rechtsextremen in direkter Nachbarschaft versuchen würde, ihre menschenverachtende Ideologie ins Volk zu streuen. "Dass das Gericht unser Verbot von Hüpfburg und anderen Dingen einkassiert hat, zeigt, dass es nicht einfach ist, politische Veranstaltungen derartiger Gruppen gänzlich zu verhindern - umso wichtiger ist es, dass Gesicht gezeigt wird", so Keil und damit erntete er nicht nur beim Plauener OB Ralf Oberdorfer Zustimmung. Der hatte sich gleich zum Auftakt unter die rund 1000 Besucher gemischt und bekannte mit seinem Sticker "Demokratie leben" wie viele andere im Wortsinne Farbe. Am Ende zeigte er sich zufrieden mit "seinen Plauenern", die den Theaterplatz bevölkerten und von dem sie auch der eine oder andere Schauer nicht vertreiben konnte. CDU-Kreischef Sören Voigt freute sich ebenfalls über die gute Resonanz und auch SPD-Kreisrat Bernd Stubenrauch war sichtlich froh, dass so viele Bürger zum Integrativfest gekommen waren, um den Rechten damit die Rote Karte zeigten - unter anderen auch ausländische Mitbürger.
Auf der Bühne moderierte der Plauener CDU-Stadtrat Tobias Kämpf ein kleines Programm. Er dankte allen Mitwirkenden - dem Jobcenter, der Arbeitsagentur, der Lebenshilfe Plauen, dem Fanprojekt Plauen-Vogtland, der Plauener Straßenbahn, dem Auerbacher Tanzstudio 1-2-Step, dem Behindertenbeirat des Vogtlandkreises, der Wohnstätte Syratal, dem Vital-Verein, der Jugendherberge, dem Jugendzentrum Oase, dem Schlossverein Leubnitz, dem VdK Sachsen, der ausrichtenden Diakonie Auerbach, dem Gehörlosenzentrum Zwickau, dem Vogtlandkonservatorium Plauen, dem Pflegenetzwerk Vogtland, der Elterninitiative für behinderte Kinder und deren Familien, dem Radkulturzentrum, dem Natur- und Umweltzentrum sowie dem Vogtlandkreis und der Stadt Plauen. 
An verschiedenen Stationen konnten Menschen ohne Handicap sich in die Lage versetzen, wie es sich mit einer Behinderung lebt - unter anderem, in dem ihnen Gewichte angelegt wurden, oder Brillen, die eine starke Sehschwäche simulierten. Besonderen Applaus heimsten die Trommelwirbler Vogtland ein, die beeindruckend demonstrierten, dass Trommeln nicht nur dumpf bei Neonazi-Aufmärschen zum Einsatz kommen, sondern auch ein tolles Lebensgefühl vermitteln können. Im Februar 2016 gegründet, umfassen die Trommelwirbler 15 Mitglieder und absolvierten seither schon zwei Dutzend Auftritte. Zuvor hatte bereits die Trommelgruppe der Lebenshilfe ihr Können demonstriert. Einen dicken Applaus holten sich auch die Mitglieder des Tanzstudios 1-2-Step ab - Menschen mit Handicap, denen die Freude an Bewegung buchstäblich ins Gesicht geschrieben stand. 
Ach ja, und "linke Äpfel" aus großen Körben wurden ebenfalls noch von Mitgliedern und Sympathisanten der Partei die Linke verteilt - die parteiübergreifend als recht wohlschmeckend beschrieben wurden und auch noch "Bio" waren.