Volkssolidarität: Kita-Leiterin fristlos gekündigt

Plauen - Der Leiterin der Kita "Sonnenschein" wurde seitens des Trägers, der Volkssolidarität, fristlos gekündigt. Nun hat die Angelegenheit ein gerichtliches Nachspiel.

 

Es sei an der Zeit, in der Presse einiges klarzustellen, leitet die Geschäftsführerin der Volkssolidarität (VS) Plauen/Oelsnitz, Sabine Schwarz, ein Gespräch ein. Und in der Tat: Über die fristlose Kündigung der Leiterin der Kita "Sonnenschein" erfuhr die Presse bisher nur von der Betroffenen selbst, von Doritta Korte. Die VS-Geschäftsführung hielt sich bisher auch auf Nachfrage bedeckt.

 

Nun geht man in die Offensive, offenbar auch darüber verärgert, dass es die Ex-Leiterin versteht, immer neue Behauptungen "in die Welt" zu setzen, deren Wahrheitsgehalt gen Null tendiere. Jursitisch vertreten wird die VS von Rechtsanwalt Martin Treek, der auch den Vorwurf an Korte konkretisiert: sie habe nachhaltig den Betriebsfrieden gestört. Eine Basis für eine gedeihliche Zusammenarbeit ist aus seiner Sicht nicht mehr gegeben. "Diese Ehe ist gescheitert."

Der am 23. November ausgesprochenen fristlosen Kündigung seien zweieinhalb Jahre lang schwelende Konflikte vorausgegangen, skizziert Schwarz die Situation. Lange habe man hinter der Kita-Leiterin gestanden, ihr mehrfach deutlich nahegelegt, ihren Führungsstil zu ändern; auch weil es immer wieder Beschwerden von Eltern und Erzieherinnen gegeben habe. In dieser Zeit hätten mehrere Erzieherinnen um Versetzung gebeten. Aus Sicht Kortes sei dies eine normale Fluktuation gewesen. Allein dieser Aspekt ist Inhalt eines bereits "anhängigen Prozesses", wie es Treek formuliert.

An besagtem 23. November, so die VS-Chefin, habe man in der Kita eine Mitarbeiterversammlung einberufen, die Erzieherinnen informiert und alle Vorkehrungen getroffen, damit im Interesse der Kinder wieder Ruhe einkehre. Der Betriebsrat habe der Kündigung Kortes übrigens zugestimmt, ergänzt Schwarz.

 

Besonders betroffen zeigt sich die Geschäftsführerin über die Unterstellung der Ausländerfeindlichkeit. Hier werde der Ruf der VS maßgeblich geschädigt. Hintergrund ist das Gerücht, es sei geplant, Kinder mit Migrationshintergrund in einer speziellen Gruppe zu betreuen. "Das ist absolut unwahr", stellt Schwarz fest und vermutet, dass derartige schwerwiegenden Behauptungen bewusst gestreut würden. "Elternbriefe, in denen uns vorgeworfen wird, Mitarbeiter unter Druck zu setzen, erreichen uns zuallerletzt", fügt der Vorstandsvorsitzende der Plauener VS, Andreas Wolf an. Schreiben, die offenbar von einigen wenigen Vertretern des Elternrates initiiert werden, von denen der Elternratsvorsitzende aber keine Kenntnis hat. "Uns liegen aber auch ganz andere Schreiben vor, in denen sich Eltern und Erzieherinnen über den Führungsstil von Frau Korte beschweren, über ihr Verhalten gegenüber Betriebsrats-Mitgliedern", macht Schwarz deutlich. Weshalb aber dauerte es dann zweieinhalb Jahre um Konsequenzen zu ziehen?

 

Dem widerspricht Treek. Es seien Mahnungen ausgesprochen worden, später Abmahnungen, schließlich habe man Kortes Versetzung angestrebt, was aber auf Widerspruch des Betriebsrates stieß. Was momentan seitens der Ex-Leiterin laufe, bezeichnet der Anwalt als "Medienexzess, um Stimmung zu machen". Dies müsse ein Ende finden. "Die Kinder haben ein Recht darauf, in Ruhe betreut zu werden". Es könne nicht, wie in der Vergangenheit, angehen, Auseinandersetzungen vor den Kindern auszuleben. Kritik übt Schwarz auch an der Tatsache, dass einige Eltern offenbar über interne Informationen verfügen, die sie gar nicht haben dürften, beispielsweise über Erzieherinnen. Und sie spricht auch diesbezüglich von bewusster Steuerung. Derzeit leitet Saskia Seeling die Kita kommissarisch. Die Stelle sei bis 1. Januar 2011 ausgeschrieben und werde danach neu besetzt, avisiert Schwarz.

Diplomsozialpädagogin Doritta Korte war vier Jahre Leiterin der Kita. "Fachlich gesehen bin ich sehr traurig über die notwendige Entscheidung" sagt die VS-Chefin am Schluss. "Es war die erste derartige Kündigung in meiner Amtszeit", fügt sie an. Nun übernehmen die Juristen. T. Piontkowski