Voigtsberger Bastionen wieder aufgebaut

Oelsnitz - Eines der vorläufig letzten Bauvorhaben auf Schloss Voigtsberg geht seinem Ende entgegen. Drei von ursprünglich fünf Schlossbastionen - sie dienten im Mittelalter der Befestigung und Verteidigung der Burg - sind wieder hergestellt.

 

Im Mai hatte die Firma Lugert Hoch- und Tiefbau GmbH den Auftrag für den dritten und letzten Bauabschnitt an den Bastionsmauern mit einer Bausumme von rund 60000 Euro erhalten. Die Oelsnitzer hatten bereits im vergangenen Herbst die eingestürzte Eckbastion neu aufgemauert. Mitarbeiter des Natursteinwerks Theuma hatten zuvor die Stützmauer unterhalb der Kapelle saniert.

Das vorhandene, etwa einen Meter dicke Natursteinmauerwerk besaß keine Bindung mehr. Das brüchige Material bildete eine ständige Gefahr. Die Mauern wurden vollständig abgetragen und mit farblich passendem Theumaer Stein neu aufgeführt, gab Ulrich Apitz vom Oelsnitzer Bauamt Auskunft - seit Mitte der neunziger Jahre ist er der städtische Ansprechpartner für die Bauarbeiten auf dem Schloss.

Nur bei der mittleren Bastion wurde Originalmaterial zusammengetragen, um den historischen Eindruck zu bewahren. Heimatautor Edwin Schmidt datiert "die Zwingermauer mit fünf Bastionen" in die Bauzeit nach 1356. Ihre Form ist auch durch die Zeichnung von Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1628 überliefert. Moderne Zutat nach der Sanierung sind die Scheinwerfer, die mittig in die Süd- und Westbastion eingebaut sind und das Bauwerk nachts anstrahlen. Weitere fünf Strahler reihen sich am Fuß der Burg.

Arbeiten, die Ende August zum Abschluss kommen sollen, laufen zur Zeit noch auf dem Rundweg um das Schloss. Hier werden Drainage und Leitungen gelegt. Der Weg, der reizvolle Ausblicke auf die Stadt ermöglicht, erhält Kies als Belag. Er wird nach Bauende wieder vollständig rund um das Schloss begehbar sein. Auch die Pforte am Hintergang des Landkreisarchivs wird geöffnet - sie diente lediglich der Sicherheit während der Bauarbeiten. Insgesamt kostet die Herstellung von Stützmauer, Rundweg und Bastionen rund 330 000 Euro. Es bleiben Wünsche, die vorerst nicht finanzierbar sind, so Stadtbaumeisterin Karin Schuberth.

Optionen sind der Wiederaufbau einer verschwundenen Bastion unterhalb der Zwingermauer und der ebenfalls verlorenen äußeren Zwingermauer. Auch der Burggraben, der vor Jahren aus Sicherheitsgründen zugeschüttet wurde, könnte wieder freigelegt werden. All das würde die Attraktivität von Schloss Voigtsberg steigern. Doch die Stadtbaumeisterin lässt keinen Zweifel, dass erst mal andere Vorhaben wie der Straßenbau Vorrang haben. Aussichtsreichster Kandidat für eine Erneuerungskur innerhalb der nächsten fünf Jahre dürfte der Bergfried sein.

Kurz nach der Wende entschloss sich die Stadt, die erste Investpauschale von rund einer Million Deutscher Mark in Sicherungsarbeiten für Schloss Voigtsberg zu stecken. In fast 20 Jahren sind an die 13 Millionen Euro in die Sanierung geflossen. Schritt für Schritt mauserte sich das herunter gekommene, teilweise ruinöse Bauwerk zu dem repräsentativen Ensemble von heute. "Wir werden am Schloss immer weiter arbeiten, im Rahmen unserer Möglichkeiten forschen wir, was noch möglich ist", blickt Karin Schuberth in die Zukunft. va