Vogtlands bekanntester Ukrainer fiebert bei Heim-EM mit

Was hat die Fußball-Europameisterschaft mit dem Vogtland zu tun? Der Vogtland- Anzeiger präsentiert Leute - mit Blick auf die Teilnehmerländer. Heute geht es um das Veranstalterland Ukraine.

Plauen - Er ist ganz ohne Zweifel der bekannteste Ukrainer in Plauen: Andriy Zapyshnyi. Bereits seit 18 Jahren lebt er hier, spielte zunächst ein Jahr in Weida, ehe er im Jahre 1995 zum Oberligateam des VFC Plauen kam. Hier waren es auch seine Tore, die den Verein 1996 unter Trainer Frank Papritz zum ersten Regionalligaaufstieg verhalfen. Dort ging es mit dem Toreschießen munter weiter.

Viele erinnern sich gern, dass "Zapy" mit seinem "goldenen" Tor am letzten Hinrundenspieltag beim Spandauer SV den allerersten Auswärtssieg in der Regionalliga sicherte. Auch im Rückspiel schoss er eines beim 4:2 gegen den SSV, vor heutzutage undenkbaren 2700 Zuschauern.

Eindrucksvolle Tore gelangen ihm auch beim 3:0 gegen den damaligen Bundesligisten 1860 München, oder auch beim 2:0 im türkischen Trainingslager gegen den russischen Erstligisten Torpedo Moskau. Nahezu alle Topvereine des Nordostens kassierten Tore von ihm: Dynamo Dresden (im Sachsenpokal-Halbfinale 1999), Union Berlin, Carl Zeiss Jena, Rot-Weiß Erfurt, Erzgebirge Aue, FSV Zwickau, FC Berlin und viele mehr.

Als es der VFC verpasste, sich für die neue Regionalliga Nord zu qualifizieren, ging Zapyshnyi den bitteren Gang in die Oberliga mit. In vielen Spielzeiten war er unter den Top- 10-Torschützen zu finden, aber ein Mal stand er an der Spitze. Nach der Saison 2003/04, der VFC Plauen wurde Staffelsieger, war er mit 18 Treffern Torschützenkönig der NOFVOberliga Süd.

Nachdem er nochmals zwölf Tore zum zweiten Regionalligaaufstieg 2008 beigesteuert hatte, wechselte er nach Pößneck, von wo er aber nach einem halben Jahr wieder nach Plauen zurückkehrte. Nun schnürte er seine Fußballstiefel allerdings für den Bezirksligisten 1. FC Wacker Plauen. Als dort das Geld immer knapper wurde, ging Zapyshnyi wieder zurück zu "seinem" VFC. Dort gibt er seinen reichen Erfahrungsschatz an den VFC-Nachwuchs der zweiten Mannschaft weiter. Auf immerhin 18 Einsätze brachte er es in der Sachsenliga bisher.

Am 8. April dieses Jahres feierte Andriy Zapyshnyi seinen 40. Geburtstag. Doch noch immer gibt es Dinge im Fußball, die ihn einfach mitreißen. Im Jahr 2012 ist dies natürlich "seine Heim-EM". Leider hat er keine Gelegenheit, sein Heimatland während der Europameisterschaft zu besuchen. Doch wenn er von diesem Großereignis spricht, ist ihm die Begeisterung anzumerken. Er, der in Nikolaev und Odessa spielte, hätte gern auch Spiele in der Schwarzmeerstadt gesehen. Doch Odessa ist nur als Ersatzspielort vorgesehen.

Wer will es ihm verdenken, dass er in erster Linie der Ukraine die Daumen drückt. Und gerne würde er sein Heimatland auch im Finale erleben. Doch sollte es nicht so weit reichen, wird er mit Sicherheit auch ein wenig mit der deutschen Mannschaft mitfiebern. M.Koch