Vogtlands Badegewässer sind top

Die Urlaubssaison läuft - nach dem Beginn der Schulferien - auf Hochtouren. Die EU-Badegewässer im Vogtland locken mit sehr guter Wasserqualität. Das muss nichts heißen für die ökologische Vielfalt.

Der Meeresstrand liegt für manchen zu fern. Das Freibad ist um die 35 Grad schnell überfüllt - also ab an die Talsperren Pirk, Falkenstein und Pöhl - das Vogtlandmeer.

Die ersten Überprüfungen der EU-Badegewässer Anfang und Ende Mai ergaben eine sehr gute Wasserqualität, informiert Anika Mehlis, die Leiterin des Sachgebiets Hygiene im Landratsamt auf Anfrage. Die Sichttiefe betrug überall mindestens 1,50 Meter, die bakteriologischen Tests verliefen ohne Beanstandungen. Weitere Probenahmen sollen in den nächsten Tagen und Wochen erfolgen.

Über die Ergebnisse werde auf der Website des Vogtlandkreises stets aktuell berichtet. Gute Bedingungen also für die Menschen. Ihnen sind Sauberkeit und Hygiene wichtig, welche von der Badegewässerverordnung bewertet werden.

Laut einem Bericht der Europäischen Umweltagentur weisen 91 Prozent der deutschen Badegewässer eine ausgezeichnete Wasserqualität auf. Aber ob ein Gewässer wirklich gesund ist, sagen die im Wasser lebenden Tiere und Pflanzen.

Hier greift bei der weitaus komplexeren Bewertung die Wasserrahmenrichtlinie mit der in nationales Recht umgesetzten Oberflächengewässerverordnung und ihrer Gewässer- Typisierung, informiert Christoph Großer, Sachgebietsleiter Wasserwirtschaft/Wasserrecht. Nach einem Bericht der Bundesregierung schneidet Sachsen beim Gewässerschutz schwach ab - an drittletzter Stelle der Bundesländer mit nur fünf Prozent Gewässern in ökologisch gutem Zustand - gegenüber Rheinland-Pfalz und Bayern mit 30 beziehungsweise 17 Prozent.

In knapp 92 Prozent der Gewässer kommen weniger Lebewesen vor, als intakte Natur es erwarten lässt. Wo liegt hier der Vogtlandkreis? "Im Hinblick auf den ökologischen Zustand werden bei den Wasserkörpern Teilkomponenten bewertet. Das sind bei den Standgewässern das Phytoplankton und bei den Fließgewässern die Makrophyten, die wirbellose Fauna und die Fische", erklärt Umweltamtsleiter Dr. Tobias Pohl. Bei den Standgewässern seien die Talsperren Dröda und Muldenberg in gutem ökologischen Zustand.

Diese Qualität werde bei der Talsperre Pöhl mit mäßig und bei der Talsperre Pirk mit befriedigend eingeschätzt. Bei den Fließgewässern weise nur der Geigenbach (Wasserkörper Trieb-1) oberhalb der Talsperre Werda einen guten ökologischen Zustand auf. "Alle anderen Fließgewässer verfehlen das gesteckte Bewirtschaftungsziel derzeit leider noch", gibt Pohl Auskunft.

Würde man jedoch nur die Fische betrachten, hätten schon 18 der 56 Fließgewässer ein "gut" verdient. Bis 2021 sollen weitere 26 Fließgewässer und die Talsperre Pöhl in den guten ökologischen Zustand gebracht werden - laut Bewirtschaftungsplänen der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Daten dazu sind über den Internetauftritt des Landesamtes für Umweltschutz, Landwirtschaft und Geologie www.umwelt.sachsen.de/umwelt/wasser/5682.htmzugänglich.

Als Problem für den natürlichen Lebensraum der Gewässer sieht zum Beispiel der Bund Naturschutz Deutschland (BUND) die in der Landwirtschaft verwendeten Dünge- und Pflanzenschutzmittel, welche das Wasser verunreinigen und damit Schaden an Pflanzen und Tieren verursachen. Auch der Mensch greift beim Baden in den Gewässerzustand ein und denkt häufig nicht an den Schutz der Uferlandschaften, wenn er seinen Müll hinterlässt. R.W.