Vogtlandnetz neu geknüpft

Der Plauener Omnibusbetrieb bedient ab Oktober alle Buslinien im Vogtland. Bereits jetzt fahren seine 50 Busse jährlich über 2,2 Millionen Linien-Kilometer, ab Herbst werden es mehr als doppelt so viele sein. Nicht nur Fahrzeuge und Fahrer werden gebraucht, sondern auch eine gute Vorbereitung für das "Vogtlandnetz 2019+"

Von Marjon Thümmel

Plauen - Das neue Busangebot fürs Vogtland, das am 13. Oktober starten soll, ist derzeit mitten in der Vorbereitung. Am 3. Dezember 2018 wurde der Vertrag darüber mit der Plauener Omnibusbetrieb GmbH (POB) sowie der Verkehrsgesellschaft Vogtland mbH unterzeichnet. Beide Schwesternfirmen hatten sich bei der europaweiten Ausschreibung gegen sieben weitere Bewerber durchgesetzt. "Wir haben uns gefreut, dass unser Angebot den Zuschlag erhielt. Nun heißt es für uns, alles ordentlich vorzubereiten, damit der Start gelingt", sagte POB-Geschäftsführer Thomas Schwui und rechnet zugleich vor, was er an Personal und Fahrzeugen bis dahin braucht. Immerhin werden aus den derzeit 46 Buslinien ab Oktober 122, aus den zu fahrenden Kilometern mit 5,8 Millionen mehr als doppelt so viele. Größte Herausforderung für den Plauener Omnibusbetrieb ist die notwendige Vergrößerung der Mitarbeiter. "Derzeit haben wir 65 Beschäftigte, vom Busfahrer bis zum Schlosser, künftig werden es 210 sein", sagt Schwui und fügt gleich hinzu: "Wir suchen händeringend Busfahrer. Dazu versuchen wir auch, mit den vogtländischen Busbetrieben Partnerschaften einzugehen."

Erstmals Ausschreibung

Während in der Vergangenheit eine Genehmigung durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, die normalerweise alle acht Jahre wieder erteilt wurde, ausreichte, musste nach EU-Recht nun eine europaweite Ausschreibung für den Busverkehr stattfinden, erläuterte Schwui. "Die EU hatte aus Wettbewerbssicht festgelegt, dass der Markt auch für andere Anbieter offen sein muss. Es hätte auch gut sein können, dass ein Unternehmen aus einem europäischen Nachbarland den Busverkehr im Vogtland übernommen hätte. Da aber die Ausschreibung geheim blieb, weiß ich nicht, wer mit bot." 

Partnerschaften

 Auf der Strecke geblieben sind aber die drei vogtländischen Busunternehmen in Rodewisch, Reichenbach und Klingenthal, die bislang den Linienverkehr mit bedienen. "Für die Mitarbeiter dort keine einfache Sache. Wir können aber jedem eine Perspektive anbieten. Wir hoffen, das wir von den Busunternehmen, die nicht mehr tätig sein werden, Fahrer gewinnen können und werden dabei auch Überleitungsverträge anbieten. Bisher haben wir schon Listen bekommen von wechselwilligen Busfahrern. Unabhängig davon brauchen wir aber noch 20 bis 30 zusätzliche Busfahrer", sagt Schwui und freut sich über die rund 30 Bewerber allein im Januar. "Allerdings suchen wir verstärkt im Raum Auerbach, Rodewisch und Reichenbach. Immerhin sollen unsere Busse nicht allein von Plauen aus starten. Schon jetzt haben wir eine Außenstelle in Bad Elster und suchen weitere Stellflächen im Göltzschtal", so Schwui. Bewerber müssen mindestens 21 Jahre alt sein und den Führerschein Klasse B (Pkw) besitzen. Die Kosten für die Ausbildung, die drei Monate dauert, übernimmt das Unternehmen. "Das sind etwa 17 000 Euro. Dafür wollen wir eine dreijährige Bindung ans Unternehmen", sagt Schwui. Übrigens liegt der Frauenanteil bei den Busfahrern der POB bei 20 Prozent.
 Der POB-Geschäftsführer spricht zugleich von Partnerschaften mit den Altbetreibern, die als Subunternehmer Leistungen für den Plauener Busbetrieb erbringen könnten. "Wir glauben, dass es sinnvoll ist, weil sie nicht nur an ihrem Betriebsitz Fahrzeuge und Personal haben, sondern sich in ihrem angestammten Gebiet bestens auskenne. In der Ausschreibung war bereits festgeschrieben, dass der neue Betreiber bis zu 49 Prozent der zu erbringenden Leistungen an Subunternehmen vergeben kann", erklärt Schwui.

Vertrag für zehn Jahre

Der neue Vertrag gilt für zehn Jahre und endet am 12. Oktober 2029. "Es könnte dann theoretisch wieder eine Ausschreibung geben und alles fing wieder bei Null an", so Schwui. Mit der Ausschreibung wurden auch qualitativ neue Anforderungen an die Fahrzeuge gestellt. "Das bedeutet, dass in den vogtlandweiten Fuhrparks viele Busse nicht mehr lange fahren dürfen und wir neue anschaffen müssen. Wir gehen von etwa 40 Neufahrzeugen aus. Immerhin dürfen die Busse im normalen Linienverkehr nur maximal 16 und die im Premiumbereich Plus-Bus nur zwölf Jahre alt sein. Die ältesten Fahrzeuge im Vogtland sind aber bereits 18 Jahre unterwegs", erzählt der POB-Geschäftsführer. Die neuen würden alles Niederflurbusse sein, die auch Rolli-Fahrern ein problemloses Ein- und Aussteigen ermöglichen. "Sie können dazu eine Klapprampe benutzen", sagt Schwui. Die Plus-Busse würden alle ein einheitliches Erscheinungsbild haben, für das die Marke bereits rechtlich geschützt ist. "Mit dem Logo sind die Busse von jedermann gut als Plus-Busse zu erkennen. Außerdem sollen sie für die Sehenswürdigkeiten des Vogtlandes werben", schildert Schwui und fügt hinzu, dass für die Fahrgäste auch neuer Service geboten werde. Zum einen sei kostenfreies WLAN geplant, zum anderen gebe es zwei Monitore, mit verbesserten Informationen über den Streckenverlauf und die Haltestellen sowie gezeigten Präsentationsfilmen. 

Plus-Busse auf acht Linien
 

Die Plus-Busse fahren auf acht Linien: Falkenstein-Rodewisch-Reichenbach; Klingenthal-Rodewisch; Adorf-Klingenthal; Plauen-Jößnitz-Steinsdorf; Rodewisch-Treuen; Plauen-Falkenstein-Rodewisch; Reichenbach-Treuen sowie Plauen-Oelsnitz-Schöneck. "Die Busse werden von morgens bis abends zur gleichen Minute im Stundentakt fahren. Und auch, wenn sie besser ausgestattet sind, hat das keine Auswirkung auf den Fahrpreis. Das Ticket im Plus-Bus kostet genauso viel wie auf einer anderen Linie", verspricht Schwui. Nach wie vor gelte der Verbundtarif Vogtland, wobei ein Ticket für die Fahrt im Zug, der Straßenbahn und dem Bus berechtigt. 
 "Wir sind als Plauener Omnibusbetrieb Dienstleister für den Verkehrsverbund Vogtland in Auerbach, von dem auch die Fahrpläne erstellt wurden und werden", sagt Schwui. Zu den insgesamt 120 Linien, die ab Oktober bedient werden, gehören auch die Ruf-Busse. Auf 38 Linien gibt es ein solches Angebot. Das bedeutet, anders als beim Ruf-Taxi, dass es zwischen 6 und 18 Uhr einen Fahrplan gibt, aber die Haltestelle nur angefahren wird, wenn ein Bus von einem Fahrgast bis zwei Stunden vor Abfahrt bestellt wurde.
 Für den Plauener Omnibusbetrieb ändert sich auch ab Herbst die Anzahl der Schulbuslinien. "Derzeit befördern wir die Schüler im Stadtgebiet und im Umland auf zwölf Linien, künftig werden es 50 sein", sagt der POB-Geschäftsführer. 
 Seit 1991 gibt es den Plauener Omnibusbetrieb, der aus dem Kraftverkehrsbetrieb an der Dammstraße hervorgegangen ist. Seit 1995 ist der POB am Standort Friedrich-Eckardt-Straße zu finden. Und Thomas Schwui, der 1980 beim Kraftverkehr Kfz-Schlosser gelernt, nach der Wende selbst Bus gefahren ist, bevor er als Dispatcher, Verkehrsleiter und später als Technischer Geschäftsführer die Geschicke lenkte, ist seit 2017 der alleinige Geschäftsführer. "Von der Grube bis zum Chefsessel", lacht der 55-Jährige über seinen Berufsweg im Busbetrieb. Und weil ihm seine Arbeit täglich noch immer viel Freude mache wird er mit dem POB auch die nächste Herausforderung meistern.