Vogtlandmuseum: Auf der Spur von Margarete

Das Vogtlandmuseum Plauen besitzt den größten bekannten Bestand an Arbeiten in Margaretentechnik. Eine Knüpftechnik, die vor 100 Jahren von Margarete Naumann entwickelt wurde. Dieses Jubiläum würdigt das Museum mit einer Ausstellung bis zum 28. April.

Plauen - Kuratorin Katrin Färber sprach über das Entstehen der Ausstellung. Sie dankte Lotte Heinemann. "Die Ausstellung würde nicht stattfinden, wenn nicht Lotte Heinemann aus Peine begonnen hätte das Leben und Wirken der Margarete Naumann zu erforschen." 1993 hatte die Pensionärin nach Schriften von ihr nachgefragt. Im Museum gab es außer den Schülerinnenarbeiten nichts, kein Bild und keine Informationen über Nachkommen. Lotte Heinemann schrieb Einwohnermeldeämter an und erhielt den Hinweis zu einem Großneffen. Im März 1994 schrieb Katrin Färber an Albrecht Hartung, den Großneffen von Margarete Naumann. Nach einer Anfrage erhielt sie Antwort. Mit seiner Hilfe schloss sich die Lücke im Lebenslauf und das Museum erhielt auch ein Foto von Margarete.

Katrin Färber sprach zum Konzept der Ausstellung. Sie habe sich bewusst dafür entschieden, mit einem kleinen Einblick in die Textilgeschichte der Region zu beginnen. In Plauen lagern rund 400 Schülerinnenarbeiten, die von 1914 bis 1917 an der Kunstschule für Textilindustrie entstanden. In dieser Zeit unterrichtete Margarete Naumann. In der Aussstellung werden neben den Arbeiten der Kursteilnehmerinnen von Lotte Heinemann auch die Arbeiten in Margaretentechnik von Heike Becker gezeigt, die sich auf ganz eigene Weise diese Handarbeitstechnik erschlossen hat.

Lotte Heinemann berichtete über ihre Forschungsarbeiten. Die Klöpplerin aus Peine fuhr quer durch Deutschland und suchte Nachkommen von Schülern der Margarete Naumann auf. Sie traf die letzte noch lebende Künstlerin, die das Handwerk bei Naumann persönlich erlernt hat. "Die heute 104-jährige nahm nach 30 Jahren das erste Mal Garn in die Hand und zeigte uns das Knüpfen der Spitze."

Von den wenigen Augenzeugen wurde Naumann als "groß, stattlich mit Bubikopf und bekleidet mit weißer Kittelschürze und immer beide Hände in den Taschen" beschrieben. Mit viel Übung erarbeitete sich Lotte Heinemann die Knüpftechnik der Margaretenspitze. Typisch für die Technik seien die Rippenknoten und das Aneinanderreihen der Fadenbündel. "Es wird nicht in einer festgelegten Richtung geknüpft. Der Fantasie werden keine Grenzen gesetzt."

Zur Eröffnung der Ausstellung war Großneffe Albrecht Hartung angereist. Er berichtete über seine Erinnerungen an die 1881 geborenen "Tante Gretel". Er und seine Schwester haben bei ihr den Umgang mit Pinsel und Farbe sowie mit Nadel und Faden gelernt. Sie habe nie kritisiert, sondern immer Hilfe gegeben. Während des 2. Weltkrieges wurde ihr Atelier in Hannover zerstört und damit auch das Konzept für ein Buch zu ihrer mehrfach patentierten Technik. Margarete Naumann wurde ein Zimmer zugewiesen, indem sie auch noch die vierköpfige Familie von Albrecht Hartung aufnahm. "In der Familie hieß Margarete "Tante Hilfreich". Ein Jahr nach dem Krieg verstarb sie an Krebs. va