Vogtlandkreis: Ist das Jugendamt überlastet?

Arme Familien sind die Gelackmeierten, wenn es um Kita-Plätze geht. Das vermutet eine Leserin des Vogtland-Anzeigers und schildert ihre Beobachtung.

Plauen - "Im Vogtlandkreis haben es Kinder von sozial schwachen Familien schwer, die ersten Monate in Kinderkrippe/ Kindergarten durchzuhalten. Ab diesem Jahr haben Kinder ab 1. Geburtstag zwar Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, nur erschwert das Jugendamt finanziell schlecht gestellten Familien, den Anspruch wahrzunehmen. Es geht um die Übernahme des Elternbeitrags. Und genau damit tut sich das Amt schwer: Nach Auskunft einer Bearbeiterin ist mit Bearbeitungszeiten von mindestens 3 Monaten zu Rechnen.

Was heißt das für die Eltern? Anträge auf Übernahme des Elternbeitrages kann erst mit Erhalt des Kita-Vertrages gestellt werden, so ist die Antragstellung oft erst kurz vor Beginn des Vertrags möglich. Das bedeutet das Eltern in dieser Bearbeitungszeit selbst für die Kosten, welche gerade bei einem Krippenplatz schnell die 100 Euro übersteigt, tragen müssen. Doch was ist mit Familien die dieses Geld nicht haben? In vielen Kita-Verträgen ist vermerkt, dass bei einem dreimonatigen Zahlungsverzug der Platz gekündigt wird.

Den Gemeinden, die den Elternbeitag einziehen, ist eine Stundung bis zur Bearbeitung des Jugendamtes nicht möglich. Dazu kommt, dass gerade im ländlichen Raum die Eltern oft mehrere Kilometer Fahrt bis zur nächsten Kita in Kauf nehmen müssen und so schnell einige hundert Kilometer im Monat zusammen kommen. Wir als Familie sind genau davon betroffen und wir wissen noch nicht, wie wir diese Zeit überbrücken sollen. Doch eins ist klar, Kitaplätze sind wichtig für unsere Kinder, denn nur so lernen sie von einander und bekommen ein Gespür für ihres Gleichen", schreibt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte - aus Angst vor Nachteilen.

Der Vogtland-Anzeiger erkundigte sich bei Dr. Berthold Geier, Amtsleiter des Jugendamtes: "Die Anzahl der in Kindertageseinrichtungen betreuten Kinder ist im Vogtlandkreis in den letzten Jahren stark angestiegen. 2008 gab es 12 899 betreute Kinder, 2012 waren es 13 743. Dadurch hat sich auch der Bearbeitungsaufwand bezüglich der Erstattung von Elternbeiträgen vergrößert. Waren 2010 für die Erstattung von Elternbeiträgen 29 192 Bearbeitungsvorgänge nötig, stieg diese Zahl 2012 auf 40 819. Im Jugendamt stieg die Bearbeitungsfrequenz im Monatsdurchschnitt von 2457 auf etwa 3402 Bearbeitungsvorgänge.

Dieser Trend wird sich 2013 fortsetzen. Grund sind u. a. die wechselnden Familienverhältnisse, Leistungsträger, Kita-Gebühren, Betreuungsstunden, die stets geändert neu zu berechnen sind. Daher wurde eine zusätzliche Stelle ausgeschrieben. Eine Anstellung ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt geplant. Generell sind die Mitarbeiter fleißig und engagiert und arbeiten bürgernah. Im Einzelfall gab es immer wieder Rücksprachen zwischen den Kindertageseinrichtungen, den betroffenen Eltern und den zuständigen Mitarbeitern im Jugendamt, so dass Härten vermieden werden konnten. Auch weiterhin engagiert sich das Jugendamt des Vogtlandkreises, Lösungen in Härtefallsituationen zu finden." Geier empfiehlt rechtzeitige und vollständige Beantragung. va