Vogtland-Wälder leiden unter Hitze und Borkenkäfern

Im Vogtland herrscht die Waldbrandwarnstufe 4 - hohe Gefahr. Während Mensch und Wald unter der Hitzewelle leiden, freut sich der Borkenkäfer und richtet Schäden an, die noch gar nicht sichtbar sind.

Plauen -"Die Situation ist äußerst angespannt", sagt Bert Schmieder, Leiter des Forstbezirks Plauen. Bisher kam das Vogtland allerdings glimpflich davon, blieb von Waldbränden verschont. Lediglich in einem Privatwald bei Weischlitz hat es vor einigen Tagen kurz gelodert. "Zum Glück bekam die Feuerwehr die Lage schnell in den Griff", sagt Schmieder.

"Entwarnung ist in den nächsten 14 Tagen leider nicht in Sicht", so Schmieder mit Hinblick auf die Wettervorhersagen. Auch wenn es den einen oder anderen Gewitterguss geben sollte - die hiesigen Wälder hätten davon nichts. "Der Boden und die Wege sind knochentrocken, das Wasser fließt an der Oberfläche sofort ab und erreicht gar nicht erst den Untergrund ", so der Experte des Staatsbetriebs Sachsenforst.

"Es müsste zwei, drei Tage lang kontinuierlich regnen", fügt Schmieder hinzu. In den vogtländischen Wäldern herrscht derzeit Waldbrandstufe vier - das bedeutet hohe Gefahr. Diese wurde erstmalig seit 2015 wieder ausgelöst. Damals aber nicht über einen so langen Zeitraum wie in diesem Jahr. "Wir appellieren vor allem an die Bevölkerung, die Waldeingänge nicht zuzuparken - damit im Falle eines Notfalls Feuerwehr und Rettungskräfte nicht behindert werden", so Schmieder. So dramatisch wie in Teilen Brandenburgs sei die Lage aber im Vogtland (noch) nicht.

Das liegt unter anderem daran, dass die dort vorherrschenden trockenen Kiefernwälder besonders gefährdet sind. Im Vogtland dominiert zwar ebenfalls Nadelwald, hier gibt es aber besonders viele Fichten. Besonders wohl fühlt sich heuer der Borkenkäfer: Bruchholz durch Herbst- und Winterstürme, ein trockenes Frühjahr und ein heißer Sommer. "Im Regelfall trifft eine Bedingung zu, in diesem Jahr sind es alle drei", so Schmieder. Die Schäden, die die in der Rinde eingenisteten Borkenkäfer anrichten, werden aber erst frühestens in vier Wochen sichtbar sein. In "normalen" Jahren können die Bäume viele Angreifer abwehren, indem sie diese mit Harz überschütten.

Durch die Trockenheit und den Wassermangel gestresst, fallen Abwehrreaktionen geringer aus - oder unterbleiben ganz. "Es ist wie beim Menschen. Ist der Organismus geschwächt, haben Grippeviren leichteres Spiel", vergleicht Schmieder. Die Auswirkungen der Sommerhitze und des Borkenkäfers lassen sich derzeit also nur vermuten. Hauptaufgabe der Sachsenforst- Mitarbeiter sei es, so viel Bruchholz wie möglich aus dem Wald zu schaffen und zu entrinden, um den Schädlingen nicht zusätzliche Brut- und Fraßbedingungen zu ermöglichen. "Der Einsatz von Chemikalien hilft da nicht", betont Schmieder. M.W.