Vogtland rüstet sich für den Wolf

Die Hinweise häufen sich: Der Wolf wandert nach Westsachsen und trifft auf regionale Besonderheiten. Die vogtländische Wolfsbeauftragte Karin Hohl begleitet seit Jahren die Entwicklung.

Plauen - Karin Hohl ist viel unterwegs. Sie fährt zu Tierhaltern, hört ihre Sorgen und gibt Rat. Der Aufklärungsbedarf ist groß beim Thema Wolf. Die Expertin findet: Zwei extreme Ansichten schadeten dem Wildtier Die einen setzten es zum Kuscheltier herab. Und die anderen hassten den Wolf und ließen nicht mit sich reden. "Die Rückkehr der Wölfe ist holprig. Aber wir dürfen den Prozess begleiten", sagt Hohl. Sie ist die Wolfsbeauftragte für den südwestlichsten Zipfel Sachsens, arbeitet für das vogtländische Landratsamt.

Die Region stellt sich langsam auf die Rückkehr der Wölfe ein. Hohl erklärt die Besonderheit des Gebietes: Die Tiere benutzten es im Moment als eine Art Wanderkorridor. "Wir sind mittendrin zwischen zwei Populationen. Über Bayern wandert der italienische Bestand langsam nach Norden, aus dem östlichen Sachsen kommen die Lausitzer Wölfe. Wenn sich die Populationen irgendwann genetisch mischen, könnten sie widerstandsfähiger gegen verschiedene Krankheiten werden."

In den vergangenen Jahren häuften sich die Hinweise, dass vor allem der Lausitzer Wolf im Vogtland unterwegs ist - um weiter nach Thüringen zu kommen oder hinunter nach Bayern. Das hätten genetische Funde beispielsweise im nordbayerischen Fichtelgebirge oder im thüringischen Ohrdruf bestätigt. "Zu diesen Zeiten gab es bei uns im Vogtland mehrere Wolfs-Sichtungen von der Bevölkerung", so Hohl. Ob das Gebiet lediglich Durchzugs-Land bleibt, werde sich zeigen.

"Die Bedingungen sind nicht schlecht, dass er heimisch wird. Wild als Nahrung findet er im Vogtland genug. Außerdem ist er ein Rudel-Tier, es könnte sein, dass er hier Artgenossen trifft. Die Frage ist, ob er bei uns genug Rückzugsgebiete findet." Bemerken die Menschen Spuren oder sichten gar einen Wolf, ist Karin Hohl die erste Ansprechpartnerin. "Drei amtliche Riss-Begutachter gehören zum Team, wir rücken bei Verdachtsfällen aus, messen und dokumentieren die Spuren, nehmen Proben, wenn vorhanden", erklärt die Expertin.

Hohl stellt auch klar, dass der Wolf im Vogtland bisher keinen eindeutigen genetischen Abdruck hinterlassen hat. Aber allein 2015 gingen drei Sichthinweise ein, ein Blutfleck nach einem Autounfall wird momentan untersucht.

Nach den Worten von André Klingenberger, Wolfsmanager beim Sachsenforst, gilt inzwischen ganz Deutschland als "Wolfserwartungsland".

"Er ist noch nicht überall, könnte aber überall auftauchen. Der Bestand hat sich in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt." Deshalb werden ab diesem Jahr in ganz Sachsen Schutzmaßnahmen für Nutztiere gefördert. Karin Hohl plant ab Frühjahr Informationsveranstaltungen, um Wolfsgegner und -befürworter in Südwestsachsen frühzeitig an einen Tisch zu bekommen.