Vogtland: Mutmaßlicher Reichsbürger muss in Haft

Eine geladene Waffe, Unmengen an Munition und keine Einsicht: Das Landgericht Zwickau hat einen 63-Jährigen zu einer Haftstrafe verurteilt.

Der Richter lässt sich vom Auftreten des Mannes nicht provozieren. Zwickau - Nicht einmal während der Urteilsbegründung konnte er an sich halten. "Keine Sau erkennt hier, was Recht ist", schimpfte der Angeklagte. Das Landgericht Zwickau hat gegen den mutmaßlichen Reichsbürger am Dienstag in einem Berufungsprozess eine Haftstrafe verhängt.

Wegen einer ganzen Serie von Delikten mit unerlaubten Besitz von Schusswaffen im Mittelpunkt soll der 63-Jährige für zwei Jahre hinter Gitter. Die Kammer bildete eine Gesamtfreiheitsstrafe auf einem Urteil des Landgerichts Zwickau von einem Jahr und vier Monaten sowie zwei erstinstanzlichen Urteilen des Amtsgerichts Auerbach.

Der Verurteilte kann binnen einer Woche Rechtsmittel einlegen. Das Gericht sah es auch in zweiter Instanz als erwiesen an, dass der mehrfach vorbestrafte 63-Jährige unerlaubt ein Gewehr sowie mehrere tausend Schuss Munition besessen hat. Die geladene Büchse war bei einer Durchsuchung Ende 2016 in seinem Haus in Voigtsgrün sichergestellt worden.

In seinem Haus waren zudem mehr als 900 Patronen und in der Zweitwohnung seiner Frau in Augsburg mehr als 5.100 Schuss verschiedener Kaliber gefunden worden. Das schwedische Gewehr vom Typ Carl Gustav sei hochgefährlich, stellte Staatsanwalt Martin Bierlein fest. Dem früheren Sportschützen war bereits 2010 die Waffenberechtigungskarte entzogen worden.

Auch verbal hatte der Mann aufgerüstet mit einem Arsenal an unflätigen, beleidigenden oder antisemitischen Beschimpfungen. Dafür sprach ihn die Kammer ebenfalls schuldig. Überdies hat der Mann Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet und die Ärztin der JVA Zwickau angegriffen. Der 63-Jährige bezeichnete seine Verhandlung als "politisches Verfahren". va