Vogtland - in aller Munde

Oma Hilde ist lange tot, aber sie lebt weiter: In den Herzen - und in Supermärkten zwischen Dresden und der Ostsee. Ab heute soll sie für Aufmerksamkeit auf der Grünen Woche in Berlin sorgen.

Reichenbach/Berlin - "Oma Hildes Spezialitäten" ist eine Produktlinie der Reichenbacher Wurstfabrik Walter Schaller. Inhaber Ralf Schaller hatte 2001 die Idee gehabt, mit dem Namen seiner Großmutter typische Hausmannskost anzubieten - Suppen und Wurst, die an die gute alte Zeit erinnern. "Mittlerweile stellen wir rund eine Million Gläser pro Jahr her, die deutschlandweit in Supermärkten angeboten werden", sagt der 51-jährige Firmen-Chef.
Die Resonanz sei gut. "Deshalb ist der Handel auf uns zugekommen, die Spezialitäten auch in eingeschweißter Form für die Selbstbedienungstheken zu produzieren."
Laut Schaller läuft ab 7. Februar ein zusätzlicher Großversuch: In 130 "Kaufländern" zwischen Dresden und der Ostsee wird "Oma Hilde" angeboten, insgesamt 25 Tonnen.
Und "Oma Hilde" ist auch der Grund, warum sich die Wurstfabrik erstmals (und als einzige Vogtland-Firma) an der Grünen Woche in Berlin beteiligt, der größten Agrar- und Ernährungsmesse weltweit. "Wir wollen das Image der Marke stärken. Man sagt etwa 400 000 Besucher schreiten an den zehn Messetagen durch die Hallen", erklärt Fleischermeister Schaller. "Und wem unser Produkt dort auffällt, der erkennt es auch an der Selbstbedienungstheke wieder."
Die Wurstfabrik wurde 1892 gegründet. Die politische Wende 1989 bot die Chance, auf der Grünen Wiese neu zu bauen - mit größerer Produktpalette. Heute produzieren nach Schallers Angaben etwa 30 Leute täglich rund drei Tonnen Wurstwaren. "Hinzu kommen Fleisch und Feinkostartikel wie Mayonnaise und Fleischsalat." In diesem Jahr seien einige Neueinstellungen geplant.
Schallers Stand auf der Grünen Woche befindet sich in der "Sachsenhalle" (Halle 21 b) auf dem Messegelände unter dem Berliner Funkturm. "Wir haben 40 Quadratmeter gemietet: Hingucker sind zwei riesige Fotos der Göltzschtalbrücke - und von Oma Hilde." Messebesucher können Wurst kaufen, Soljanka und Kartoffelsuppe (mit Würstchen) probieren und sich über das Unternehmen informieren, das Schaller in vierter Generation führt. "Die fünfte Generation zeigt Interesse", sagt der Chef und freut sich, dass der 20-jährige Sohn, ein künftiger Groß- und Außenhandelskaufmann, auf der Messe für ein eigenes Unternehmen wirbt. "Schlemmer-Factory" ist ein Internethandel, der im Frühjahr an den Start geht. "Seine Flyer legen wir in Berlin aus."
Was erwartet Schaller von der Messe in der Hauptstadt? "Ehrlich gesagt, wissen wir nicht, was auf uns zukommt. Manche fragen, ob wir genug Wurst mithaben. Andere sind sich sicher, dass es nicht mehr so schlimm ist wie früher, was den Besucherandrang angeht. Wir betreiben Image-Pflege. Dazu sollen auch Gespräche mit Fachbesuchern dienen. Vielleicht bieten sich Chancen, Geschäftsbeziehungen in die südlichen Bundesländer anzubahnen." ufa