Vogtland-Cowboys in Texas ein Hit

Vor fast 15 Jahren war Eric O?Connell erstmals im Vogtland. Der studierte Anthropologe und begeisterte Fotokünstler ist seither oft hier gewesen und hat viel fotografiert - die Cowboyszene der Region vor allem. Seine "Fotomodels" kommen nun in Texas ganz groß raus.

Plauen - Er ist nicht unbedingt der "Klischee-Ami", dieser Eric O?Connell. Der 48-jährige sitzt im Karohemd am Wohnzimmertisch von Sandra Knippel. Die Betreiberin eines Zoogeschäftes hat dem Foto-Freak ein zeitweises Obdach in ihrem Haus in Tauschwitz angeboten. Man spricht englisch miteinander, denn obwohl Eric das Vogtland mittlerweile kennen- und lieben gelernt hat, tut er sich mit Deutsch noch ein bisschen schwer.

"Wir lernen ihm eher Vogtländisch", lacht Sandra Knippel. Wendungen wie "Ach, Du Schei?" und "Alter Franz" kommen ihm schon leicht über die Lippen - vor allem wenn er mit Thomas "Tommy" Wolf scherzt. Dieser war O?Connells erster Kontakt ins Vogtland.

Eric O?Conell wuchs im US-Bundesstaat New Mexico auf, war dort mit dem Leben der Cowboys auf den Ranches bestens bekannt. Mittlerweile lebt er seinen Traum von der Fotokunst in New York, aber so ein bisschen Cowboy steckt immer noch in ihm. In jedem Fall bekam er in den USA ein Buch über Plauen in die Hände - und bei einem Besuch seiner Schwester nahe Saarbrücken vermittelte eine Freundin aus Hamburg ihn an den Plauener Thomas Wolf.

Damals betrieb dieser einen Westernstore an der Neundorfer/Ecke Engelstraße in Plauen und war in der Country-, LineDance- und Cowboyszene der Region unterwegs. "Ich wollte damals rausfinden, wie diese Szene in der früheren DDR so drauf ist. Die Cowboys in Amerika sind ja Individualisten, sehr eigene Typen, die sich auch selbst ein wenig aus der Gesellschaft herauslösen", macht O?Connell seine anthropologische Herangehensweise deutlich.

Dabei hatte er von der Struktur der Landwirtschaft im Osten Deutschlands so gar keine Idee. Im Schlepptau von Tommy Wolf tauchte O?Connell damals mit einer vier mal fünf Inch-Vollformat-Faltkamera aus den 60-er Jahren in diese Szene ein. Er fertigte Porträts an, die er einmal ausstellen wolle. Allein sein Fotoapparat sorgte damals für dermaßen großes Aufsehen, dass ihn der Vogtland-Anzeiger am 19. Juni 2002 porträtierte. Damals sagte er, er hoffe auf eine Ausstellung, in der er diese rund fünf Dutzend weitere Bilder einmal zeigen könne.

"Das ist mir bisher noch nicht gelungen. Einige Fotos hatte ich mal 2006 in Leipzig bei einer großen Cowboy-Fotoschau in der Galerie für zeitgenössische Kunst gezeigt. Damals finanzierte die renommierte Wittliff-Collection die Rahmung und Rücksendung der Bilder in die USA, wo sie heute zu ihrer Sammlung der Texas-University gehören", erzählt der Fotograf, der auch schon in Galerien in New York seine Bilder zeigen durfte.

In jedem Fall besuchte O?Connell seit Jahren regelmäßig seine neuen Kumpels im Vogtland, so 2006 und 2010. Damals entstanden auch zwei Filme, die als Masterarbeit des Fotografen eine spezielle Aufgabe hatten. Zudem erlebten die Filme ihre Aufführung in der vogtländischen Country-Szene bereits häufiger. Und auch über Youtube kann man die Streifen anschauen.

Im letzten Sommer drückte O?Connell erneut auf den Auslöser, um neue Fotomodels aufzutun. "Mittlerweile fotografiere ich mit einer guten Digitalkamera, die meine Bild-Vergrößerungen auch zulassen. Denn endlich ist es soweit. Am 12. Januar eröffnet meine erste Personalausstellung mit 22 Ausstellungspanels und rund 50 Bildern aus der vogtländischen Cowboy-Szene.

Sie findet bis April in der Texas Folklife- Galerie in Austin statt. Ich hoffe, dass viele Besucher sich die Bilder anschauen. Tommy ist der einzige, der mit zwei Bildern dabei ist, auch ein Bild von Sandra - mit ihrem Pferd - wird gezeigt und viele andere Freunde aus dem Vogtland", freut sich O?Connell, der vor allem auch auf die in der Region Hill Country stark vertretene deutsche Auswandererszene hofft.

Interaktiv sei die Ausstellung auch - ein übergroßer Spiegel mit allerlei Cowboy-Accessoires lade zum Verkleiden ein. Und mit einem Tablet würden schließlich vor Ort Fotos gefertigt, die man ausdrucken oder in sozialen Netzwerken posten kann. Unter www.texasfolklife.org kann man sich derzeit bereits eine Vorschau auf die Ausstellung anschauen.