Vogtland-Cowboy bei US-Rodeo

Für "Cowboy" André Geßner geht ein Traum in Erfüllung. Er startet bei einem Rodeo. Das Besondere: Das Rodeo findet nicht im Vogtland, Sachsen, Deutschland oder Europa statt, sondern im Westen - im Wilden Westen der USA. Die Voraussetzungen bringt Geßner auf jeden Fall mit - als Besitzer der "Rising Sun Ranch" im Ort Wildetaube in der Nähe von Greiz. Dort können Interessierte alles in puncto Westernreiten lernen.

Doch ihr Lehrer sitzt derzeit auf gepackten Koffern. Am Mittwoch startet der Flieger. Von Frankfurt geht es über Detroit in den US-Bundesstaat Idaho. Dort wird noch eifrig trainiert, eine Tour durch die Rocky Mountains steht an, bevor es endgültig ernst wird. Vom 16. bis 20. Juni geht Geßner beim Rodeo in Elko im Bundesstaat Nevada an den Start. Zudem gibt es Auftritte bei Veranstaltungen im Spielerparadies Reno und in Cody (Wyoming) - die Stadt ist übrigens benannt nach einer der berühmtesten Personen des Wilden Westens - Buffalo Bill alias William Frederick Cody.

André Geßner wird bei den Rodeos im Team antreten mit Bryce Hall - einem mehrfachen Weltmeister im Westernreiten, der ab und an auch auf Geßners Anwesen Kurse gibt und in dieser Woche seinen 60. Geburtstag gefeiert hat.

Das olympische Motto "Dabei sein ist alles" gilt dabei für Geßners Start beim USA-Rodeo nicht. "Ich will gewinnen, schließlich habe ich die besten Trainer. Und die Amerikaner sollen auch mal sehen, dass es in Deutschland gute Cowboys gibt", sagt er selbstbewusst.

Während die absoluten Profis für ihre Auftritte fünfstellige Summen kassieren, liegt in Geßners Kategorie das Preisgeld für den Sieg bei etwa 500 Dollar. Mal schauen, ob der Vogtländer den Cowboys aus dem Mutterland die Schau stehlen kann.

Doch zuvor wird noch eifrig trainiert - nicht auf den eigenen Pferden, sondern mit denen seiner Gastgeber im Wilden Westen. Ist das ein Nachteil für den Wettkampf ? " Nein, eher das Gegenteil. Schließlich sind die Pferde deutlich erfahrener und besser ausgebildet als die im heimischen Stall", sagt der Fachmann. Das erleichtere auch die Eingewöhnung. Bis zu acht Stunden am Tag will Geßner vor seinem Auftritt in der Rodeo-Arena trainieren. Auf seinem rund einmonatigen Trip durch die USA wird ihn ein weiterer deutscher Cowboy mit Leib und Seele begleiten - Jörg Hielscher ist im bürgerlichen Leben Oberarzt an einem Chemnitzer Klinikum.

Seit Januar 2011 bietet André Geßner Kurse im Westernreiten auf seiner "Rising Sun Ranch" an. "Zuvor war es Hobby, mittlerweile versuchen wir nach und nach davon zu leben", so Geßner. Im Gegensatz zu Reitvereinen oder ähnlichen Ranches in der Region setzt Geßner voll und ganz auf das Cowboyleben - und die entsprechenden Disziplinen, die bei einem Rodeo-Spektakel zu sehen sind. Zum Beispiel das Lassowerfen (Roping) - vom Rücken eines Pferdes aus oder aus dem Stand mit beiden Beinen auf der Erde.

Die Grundkenntnisse des Lassowerfens könne jeder in vier Stunden lernen. "Wenn er auf seinen Trainer hört, trifft er nach vier Stunden von zehn Versuchen mindestens einmal das entsprechende Kuh-Dummy", ist Geßner überzeugt. Allerdings nicht vom Sattel eines Pferdes aus. "Das ist die Königsdisziplin. Dazu bedarf es langes Training", so Geßner. Der 39-Jährige arbeitet nach eigenen Angaben mit mehreren Trainern aus den USA zusammen. Unter anderem eben mit Bryce Hall.

Zehn Pferde stehen auf der "Rising Sun Ranch" im Stall. American Quarterhorses - das "typische Pferd eines Cowboys. Die äußerst geduldigen Tiere haben ihren Namen auf Grund ihrer Schnelligkeit auf einer Viertelmeile (Quarter)", erklärt der Experte. Vor zehn Jahren schaffte sich Geßner sein erstes Pferd an - die Liebe zum Cowboyleben und zum Wilden Westen trägt er schon länger in sich. "Ich bin ja wie viele andere DDR-Bürger auch mit den Winnetou-Filmen aufgewachsen", so Geßner.

Doch die Pferde auf Geßners Ranch sind auch im Einsatz, wenn Bauern aus der Region Hilfe benötigen - zum Beispiel, wenn es darum geht, eine Kuhherde geordnet in den Stall zu bringen. Einen solchen Vieh-Treck gab es laut Geßner im vergangenen Jahr im oberen Vogtland bei Bad Brambach. Dort wurde den Rindern Blut genommen. Geßner und seine Quarterhorses trieben die Herde zusammen. "Geduldig, geordnet und ohne Stress für die Tiere", versichert der 39-Jährige.

Geßner schätzt an den Cowboys vor allem ihren Fleiß, ihren Freiheitsdrang und ihre Härte - auch zu sich selbst. Und der eine oder andere Amerikaner kennt den deutschen Cowboy vielleicht bereits, denn über André Geßner und seine "East German Cowboys" (Die Rebellen aus dem Vogtland) wurde schon ein Film gedreht, der unter anderem im Internet auf Youtube zu sehen ist.