Vogtland-Ballon geht bald die Luft aus

Der Abbau des Vogtland-Ballons an der Göltzschtalbrücke ist für die Betreiber beschlossene Sache. Die Bürgerversammlung am Samstag zum Erhalt des Ballons brachte keinen Erfolg. Schwacher Trost: Ein neuer, kleiner Ballon, könnte ab 2014 den Fahrgastbetrieb aufnehmen.

Netzschkau - "Alles was weg geht, ist ein Verlust für uns und die Region", konstatierte Netzschkaus Bürgermeister Mike Purfürst am Samstag beim Treffen der Ballonbefürworter in der Gaststätte "Bürgerstübel" in Netzschkau. Eingeladen hatte die Bildhauerin und Malerin Kerstin Körner, die sich seit Bekanntwerden des Rückzugs der Betreiberfirma GTG Göltzschtal Touristik GmbH und dem damit verbundenen Abbau des Ballons, für den Erhalt des Standortes einsetzte.

GTG-Geschäftsführer Peter Hufnagel verwies gleich zu Beginn der Veranstaltung auf die schlechte wirtschaftliche Lage des Unternehmens. "Um den Ballon am Ort zu halten, brauchen wir 30 000 Euro bis Monatsende, danach monatlich 5000 Euro an Zuschüssen." Obwohl den Vogtland-Ballon jeder lobt, sei die Situation hauptsächlich durch fehlende Unterstützung auf Kommunal-, Kreis- und Landesebene zurückzuführen. Auch sei es nicht gelungen, große Werbepartner seit der Wiederaufnahme des Fahrgastbetriebes im Jahre 2011 zu gewinnen, "obwohl der Ballon jährlich 40 Millionen Blickkontakte vorzuweisen hat". 450 000 Euro habe das Unternehmen in den letzten beiden Jahren in den Ballon und das dazugehörige Equipment investiert. Der Betrieb sei aus den Einnahmen schon allein durch die Witterungsabhängigkeit nicht mehr zu bestreiten, so Hufnagel.

Carl-Heinrich Freiherr von Gablenz, Aufsichtsratschef von CargoLifter GmbH, kritisierte, dass "alle uns gegenüber gemachten Versprechungen zur Steigerung der Attraktivität des Standorts, wie etwa die Illumination der Brücke, das Einrichten einer Fahrradstation und die Verbesserung der gastronomischen Situation nicht umgesetzt wurden". Beim Kauf von angrenzenden Immobilien, die CargoLifter als Seminar- und Schulungsgebäude ausbauen wollte, habe die örtliche Sparkasse sich gegen eine Finanzierung ausgesprochen. Zudem verweigere das Luftfahrtamt Sachsen eine im letzten Jahr beantragte Nachtfahrerlaubnis. "Mit der zeitlichen Verlängerung des Fahrgastbetriebes hätten weitere Einnahmen generiert werden können." Scharfe Kritik übte von Gablenz am Verhalten von Landrat Tassilo Lenk. "Selbst heute ist der Landrat oder eine Vertretung nicht anwesend. Bis auf den durch die Medien gegangenen Toilettengipfel hat sich Landrat Lenk am Ballon nicht sehen lassen."

Unter den derzeitigen Bedingungen sei es daher nicht möglich, einen Ballon dieser Größenordnung in Netzschkau weiter zu betreiben. Außerdem müsse in spätestens einem Jahr die Ballonhülle getauscht werden, die mit einer Investition von rund 500 000 Euro verbunden sei. "Wir bemühen uns als kleine Lösung im kommenden Jahr einen sogenannten Double Flyer zu installieren." Der Ballon für zwei Passagiere in Gleitschirmsitzen würde dabei bis zu 80 Meter aufsteigen. Stündlich könnten so acht Fahrgäste mit frei schwingenden Füßen den Ausblick in Brückenhöhe genießen.

Bürgermeister Mike Purfürst möchte am Ballonstandort festzuhalten und sprach gegenüber den Bürgermeistern angrenzender Gemeinden eine Einladung zu einem Treffen mit dem Ballonbetreiber und deren Gesellschafter aus. "Dabei muss ein gemeinsames, handfestes und wirtschaftliches Konzept erarbeitet werden."

Initiatorin Kerstin Körner resümierte das Treffen zwiespältig. "Der Ballon ist weg, daran ist nichts mehr zu ändern. Es war aber gut, alle an einen Tisch zu bringen. Solche Gespräche fanden anscheinend in der Vergangenheit nicht statt." Positiv sieht Körner, dass die Aussicht auf einen kleineren Ballon besteht.