Vogtländisches Zentrum für Aphasiker im Aufbau

Plauen - Für Dr. Erich Rieger veränderte sich das Leben im November 1972 von einer Minute auf die andere grundlegend. An einem "Schwarzen Montag", wie der 75-Jährige heute sagt, erlitt der damals "aufstrebende Jurist" für Baurecht einen Reitunfall.

 

Dabei stürzte er vom Pferd und das Tier traf den Mann dabei so ungünstig, dass dessen linke Hirnhälfte schwer geschädigt wurde. Er musste operiert werden. In der Folge verlor er sein Sprachvermögen. "Ich musste wie ein kleines Kind das Sprechen erlernen."

Wer den agilen 75-Jährigen erlebt, vermutet nicht ein solch schweres Schicksal. Doch der eiserne Wille des Mannes, der seinen Beruf zwangsläufig aufgeben musste, und sein Einsatz für andere Leidensgefährten, das erhalte ihn jung. Solches Engagement mache auch anderen Mut mit erworbenen Hirnschädigungen, insbesondere Sprachstörungen, so genannten Aphasien, unterstreicht Elke Wohlrab.

Die Absolventin der Berufsakademie in Plauen soll gemeinsam mit Rieger ein Aphasiker-Zentrum im Vogtland aufbauen. Dazu wurde nun in Plauen ein Trägerverein gegründet. Es gebe dafür 15 Anmeldungen von Betroffenen, Angehörigen aber auch Freunden, denen das Schicksal dieser Menschen nicht gleichgültig sei. Dazu gehört übrigens auch der frühere Plauener Bau-Beigeordnete Dr. Erhard Fiebig.

Das geplante vogtländische Zentrum für Aphasiker wäre in Sachsen das dritte nach Bad Düben und Stollberg. Letzteres war bisher für den gesamten Bereich Südwestsachsen zuständig. "Doch wir wollen auch für die Aphasiker hier in der Region einen Anlaufpunkt bieten. Ebenso Ansprechpartner für die Angehörigen sein", unterstreicht Rieger, der für sein bundesweites Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde und zehn Jahre als Bundesgeschäftsführer des Aphasiker-Verbandes fungierte. Seine persönlichen Erfahrungen, die Möglichkeiten der Medizin und das Fachwissen der Ärzte möchte Rieger an die betroffenen Vogtländer weitergeben. "Ich habe nach dem Reitunfall zehn Jahre gebraucht, um wieder richtig aktiv werden zu können", gestand er unumwunden ein.

 

Und dieser kurze Augenblick des Innehaltens Riegers wird abgelöst von seiner motivierenden These: "Jeder Nichtbetroffene freut sich, wenn wir Aphasiker uns mit der wieder erlernten Sprache verständlich machen können." Im April wird in Plauen ein Aphasiker-Zentrum als Nachsorgeeinrichtung für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen entstehen. Das Büro wird sich im Kopfhaus, Albertplatz 1, befinden. Bundesweit gebe es schon zwölf Krankenhäuser mit solchen Zentren. Rieger kann sich eine Zusammenarbeit mit dem Vogtland-Klinikum vorstellen.

Das Engagement dieses Mannes hat sich bis nach Berlin herumgesprochen. Denn am 23. April sind Frau Wohlrab und er ins Bundeskanzleramt eingeladen. Doch vorher galt es gestern in der ersten Etage des Plauener Kopfhauses den vogtländischen Aphasikerverein aus der Taufe zu heben. So könnte für die vogtländischen Betroffenen dieser Tag zu einem "Goldenen Mittwoch" werden, um so den Weg ins gesellschaftliche Leben zurück zu finden.  B. Walther