Vogtländischer Vogelzug

Schwalbe, Star und Habicht machen sich auf den Weg in die Alpen, um am 6. Ötztaler Moped-Marathon teilzunehmen. Am Lenker sitzen Kerle aus dem Vogtland.

Plauen - Zehn Männer - Kumpels, Freunde und Kollegen - planen den Spaß: Wer hat, sitzt auf einem DDR-Moped der Simson-Vogelserie; die anderen müssen ausweichen - zur Not auf westdeutschen Produkte wie Zündapp und Herkules. Das berichtet Lars Dörfler, der Anführer der Gang (englisch für "Bande"), die sich "Simson-Stromer" nennt. "Der Name kommt nicht von E-Antrieb sondern von Herumstromern, Herumziehen."
Die Männer nehmen am 6. Ötztaler Marathon teil. "Das ist kein Rennen sondern ein Vergnügen", erklärt Dörfler, der das dritte Mal dabei ist. "Das Motto ist: Wer langsam fährt, hat länger Spaß."
Und so dürften sich nach seinen Worten erneut etwa 2000 Mopedfahrer am kommenden Samstag vergnügen - obwohl es nur 1500 offizielle Anmeldungen gibt: "Im vergangenen Jahr dauerte die Tour 13 Stunden über 240 Kilometer - immer hoch und runter und mit vielen Pausen - vom Startort Sölden in Österreich nach Italien und wieder zurück. Gegen 19 Uhr waren die meisten im Ziel, wo auf dem Festplatz bis in die Puppen gefeiert wurde. Wir freuen uns wieder auf solch ein Halligalli."
Der 43-jährige Plauener hat sich wieder in eine Pension im Wintersportort Sölden eingemietet: Am Mittwoch beginnt die Reise.
Diesmal nehmen einige der Männer ihre Frauen mit und Dörfler zudem die beiden Töchter: Die zehnjährige Marie darf sogar den Marathon als Sozia mitfahren; für die vierjährige Lilly wäre die Anstrengung im Kindersitz zu groß. "Aber beide sitzen mit auf dem Moped, wenn es am Tag zuvor eine Tour hoch auf den Gletscher am Ötztal gibt - gewissermaßen zum Warmmachen."
Apropos: Temperatur. Für die Mopeds sind die Alpen eine Herausforderung: Die Motoren können dabei leicht überhitzen. Das ist laut Dörfler der Grund, warum er seine Schwalbe vom Baujahr 1970 in vielen Stunden Arbeit auf den Marathon vorbereitet hat. "Alle Teile sind im Prinzip neu", sagt der Hobbybastler, der nach der Zimmermannslehre eine Mechatroniker-Lehre absolvierte und zudem einen Abschluss hat als staatlich geprüfter Fertigungstechniker. Heute ist er Chef der Firma LDM Tuning - und vertreibt Ersatzteile für Kraftfahrzeuge, die bis 1990 im Osten hergestellt wurden. 
Dadurch hat er beste Möglichkeiten für sein Moped-Hobby, zumal er auch auf enge Kontakte zur Plauener Firma TKM zurückgreifen kann, einem Betrieb, der sein Geld mit Moped-Ersatzteilen verkauft. Und wenn alles Stricke reißen, dann baut sich Dörfler seine Teile selbst: Mit den herkömmlichen Gußverfahren und seit jüngster Zeit mit einem supermodernen 3D-Drucker, einem Wunderwerk der Technik, der aussieht wie ein kleiner Backofen. "Ich fühle mich an den Film ,Star Trek - Raumschiff Enterprise' erinnert", sagt Dörfler. "Dort gibt es einen Replikator, der jedes gewünschte, noch so komplizierte Teil dupliziert." ufa