Vogtländische Knollen auf der Grünen Woche

Die ersten Kartoffel-Anbauer sollen gewitzte Vogtländer gewesen sein - und nicht der "Alte Fritz". Zur "Grünen Woche" verwiesen des Vogtlands Kartoffel-Freunde den Preußenkönig als Knollen-"Erfinder" ins Reich der Legenden. Da staunten nicht nur die Berliner.

Berlin/Oelsnitz - Rund um die "Vogtländische Knolle" drehte es sich am Montag in der Sachsenhalle am Vogtland-Stand (Halle 21 b). Der Tourismusverband Vogtland machte dort den vorbeiflanierenden Besuchern Appetit auf die Sehenswürdigkeiten im Land der Vögte. Was sofort die Blicke der Besucher magisch anzog, war das Regal mit den 40 Kartoffel-Sorten. Die erstaunten Worte "Wow, wusste gar nicht, dass es so viele Knollen-Arten gibt!" hat Bärbel Borchert, Marketingleiterin im Tourismusverband, viele, viele Male gehört.

Aufklärung zur tollen Knolle verschafften dazu dann die Familie Gündel vom Rotschauer "Kulturstall" sowie die Mitglieder vom "Vogtländischen Knollenring" aus Tirschendorf. Beide sind wahre Experten, was Geschichte, Anbau, Sorten und Rezepte anbelangt. Verkleidet als Kartoffel und mit Knollen-verzierten Hüten zogen Gunther Dittmann und Jannek Lippold sozusagen als Knollen-Botschafter vom Tirschendorfer Verein - den gibt es seit 2009 - die Aufmerksamkeit auf sich.

Wer es hören wollte, bekam die nach vogtländischer Lesart wahre Kartoffel-Geschichte serviert. "Der Nutzen der neuen Frucht war im Vogtland längst bekannt, da war Friedrich der Große noch nicht geboren", behaupten die Vogtländer. Der Alte Fritz erblickte 1712 das Licht der Welt - die feldmäßig angebauten Kartoffeln sollen jedoch schon anno 1675 aus dem Acker im vogtländischen Lottengrün gelugt haben. Innerhalb eines Gerichtsstreites, welcher schriftlich festgehalten wurde, sollen im Jahr 1697 fünf betagte Männer ausgesagt haben, die Kartoffel schon seit 1647 gekannt zu haben. Um diese Zeit soll Hans Rogler die Kartoffel aus dem böhmischen Roßbach in sein Heimatdorf Pilgramsreuth gebracht und dort kultiviert haben.

Er und der zur See gefahrene Zimmermann Hans Wolf Kummerlöw gelten in den Augen der Tirschendorfer Kartoffelfreunde als die Pioniere der essbaren Knolle. Nicht einig ist man sich, ob Kummerlöw den Erdapfel im Jahr 1637 aus der Hansestadt Stralsund oder aus England mitbrachte. Aber die Mitglieder des Vogtländischen Knollenringes wollen ja auch in Zukunft noch eine Rätselnuss zu knacken haben. Nach dem Geschichts-Exkurs durfte auch gekostet werden. Hoch her ging es über die im Kartoffeldämpfer weich gekochten Kartoffel-Häppchen - darunter auch lila und rote Exemplare traditioneller Sorten - sowie die Bambes, die mit Kartoffelroster von der Agrargenossenschaft Tirschendorf sowie Plauener Schlichting-Sauerkraut zu haben waren.

Dazu mundete das "Vogtländische Knollenbräu" vom Gasthaus Erlbach, ein starkes, dunkles Bier, dessen Fass Staatsminister Frank Kupfer gleich zu Eröffnung des Sachsentages anstach. Für Fröhlichkeit rund um den Vogtland-Stand sorgten auch die Musikanten von Gündels Kulturstall. Bärbel Borchert lobt den feinen, spritzigen Humor der Truppe, die mit handgemachter Musik aus Flöte, Gitarre und Trommeln förmlich die Halle rockte.

"Auf der Grünen Woche erwarten die Besucher, dass man ihnen etwas für Auge und Gaumen bietet. Und das ist uns mit dem Kartoffel-Thema ganz gut gelungen", resümiert Bärbel Borchert.