Vogtländische Berufsschulen kämpfen ums Überleben

"Wie viele Azubis braucht ihr in den nächsten Jahren?" richtete Lenk das Wort an die Handwerksmeister, die den Landrat zu ihrer gestrigen Ehrenamtsträgerkonferenz als Referenten zu Gast hatten. Legen die Handwerksmeister Zahlen vor, könne man planen. Momentan sieht es so aus, dass es im Vogtland je rund 4500 Azubis und Handwerksbetriebe gebe - rein statistisch auf jeden Betrieb ein Lehrling kommen müsste.

Derzeit könnten aber 340 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden - Lehrlings- und Fachkräftemangel seien nun im Vogtland angekommen. Lenk: "Wir bieten im Vogtland 348 Branchen an - so viele gab es nie zuvor. Aber nun fehlen uns die Leute dafür." Lenk und sein Dezernent Lars Beck versicherten den Handwerkmeistern, alle fünf Berufsschulstandorte (zwei in Plauen, je einer in Reichenbach/Oelsnitz, Rodewisch und Falkenstein) halten zu wollen. Zwei von ihnen - die Rede war bisher von Falkenstein und Rodewisch - müssten künftig aber Außenstelle werden.

Nächste Woche zur Kreistagssitzung haben die Abgeordneten über das neue Berufsschulkonzept zu entscheiden. Ziel sei, an allen Standorten die gymnasiale Ausbildung sowie Teil- und Vollzeitausbildung zu halten. Von der Erstausbildung bis zur Hochschulreife (Fachabi) wolle man alles anbieten. Vermeiden wolle man Doppelausbildungen - so sollen nicht mehrere Berufsschulen gleiche Berufe ausbilden.

Die Berufsschulen sollten sich nicht als Konkurrenz verstehen, vielmehr näher zusammenrücken, sich vernetzen. Dafür wolle man Schwerpunkte setzen. Beck: "Ziel ist, dass die jungen Leute im Vogtland bleiben, dass auch die Handwerksbetriebe zugreifen können auf ihre Azubis. Wenn wir keine Klassen mehr voll bekommen, zieht uns die Bildungsagentur die Schüler weg. Wir müssen die Abwanderungswelle stoppen."