Vogtländerin berichtet über Stasi-Gefängnis

Sabine Popp wurde 1980 aus politischen Gründen im Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz inhaftiert.

Werdau - Am Donnerstag, 19 Uhr, geht es im Martin-Luther-King-Zentrum um das "Kaßberg-Gefängnis und seine Gesichter". Nach kurzer Filmvorführung über die größte Untersuchungshaftanstalt des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit wird Sabine Popp als Zeitzeugin über ihre Haftzeit im Kaßberg berichten.

Wegen "staatsfeindlicher Hetze" wurde sie zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt. Im Rahmen des Häftlingsfreikaufs gelangte Sabine Popp im Juni 1982 in die Bundesrepublik. Erst nach der politischen Wende 1989 kehrte sie in ihre Heimat und zu ihrer Familie zurück. Sie übernahm den Gärtnereibetrieb ihrer Eltern in Neumark.

Das Gefängnis auf dem Chemnitzer Kaßberg wurde durch die deutschen Diktaturen über das 20. Jahrhundert hinweg stark geprägt. Erbaut im Jahr 1886 als Königlich- Sächsische Gefangenenanstalt ist über seine genaue Nutzung bis 1933 wenig bekannt. Während der NS-Zeit wurden auf dem Kaßberg u. a. Juden und Regimegegner durch die Gestapo und den SS-Sicherheitsdienst inhaftiert und ermordet.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges nutzte die Sowjetische Besatzungsmacht das Gebäude als NKWDOperativgefängnis. Anfang der 1950er-Jahre wurde auf dem Kaßberg die Untersuchungshaftanstalt der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Karl-Marx-Stadt eingerichtet. Ab Ende der 1960er-Jahre wurde das Kaßberg-Gefängnis zur Drehscheibe für den deutsch-deutschen Häftlingsfreikauf.

Die Bundesrepublik erwirkte von 1963 bis 1989 auf diese Weise die Freilassung von über 33 000 Menschen. Fast 90 Prozent der für den Freikauf vorgesehenen Gefangenen ließ das MfS auf den Kaßberg verlegen. va