Vogtländer ziehen in die Schlacht

6000 Soldaten aus zig Regimentern stellen diesen Sonntag in Markkleeberg die Völkerschlacht zu Leipzig anno 1813 nach. Mit dabei im Schlachtgetümmel sind der Ruppertsgrüner Nico Baumgärtel und noch fünf Vogtländer. Sie tragen das Gewand schottischer Grenadiere - und kämpfen stilecht im Kilt.

Ruppertsgrün/Leipzig - Welcher Vogtländer kennt sie nicht, die Mannen vom MacKays Regiment of Foote, oder besser: Das "Haus- und Hof"-Regiment des Treuener Schlosses. Jährlich kämpft diese schottische Truppe aus Ruppertsgrün unter Captain Nigel Munroe alias Nico Baumgärtel um die Eroberung des Schlosses - eine Kampfdarstellung aus dem Dreißigjährigen Krieg. Speziell für die Völkerschlacht tritt nun die Truppe aus dem Vogtland die Zeitreise an und tauscht die Uniformen aus dem 17. Jahrhundert mit denen zu napoleonischer Zeit üblichen. Aus dem Regiment MacKays of Foote wird die 92nd Gordon Highlanders Grenadier Company. Nur der Schottenrock - der bleibt.

Die Gordon Highlanders habe es wirklich gegeben, und zwar vom 18. bis 20. Jahrhundert, erzählt Nico Baumgärtel. Heutzutage leben diese Kämpfer im Kilt weiter in britischen, aber auch niederländischen und deutschen Traditionsvereinen. So haben die Vogtländer in Sachen Völkerschlacht Kontakt mit den Gordon Highlanders aus Nordrhein- Westfalen aufgenommen - so manche Uniform wurde von dort entliehen. Eine 16 Mann starke Truppe kämpft am Sonntag unter dem Befehl von Corporal Nigel Munroe, der im wahren Leben als Anwalt verbale Kämpfe für Mandanten ausficht. Schon diesen Donnerstag bezieht seine Truppe das Lager im Dorf Liebertwolkwitz bei Leipzig.

"Das ist schon genial: Da wird ein ganzes Dorf ins Jahr 1813 zurückgesetzt, mit Lagerleben, Händlern, Live-Musik. Autos dürfen da nicht rein", schwärmt Baumgärtel. Seine Truppe nächtige im Zelt auf freiem Feld. Einziger Luxus aus der Neuzeit: Wärmende Bundeswehr-Schlafsäcke. "Die Soldaten von vor 200 Jahren schliefen auf Stroh oder dem Soldatenmantel. Sie lagen in der Kälte, und viele waren krank. Die Menschen von heute sind da nicht mehr so widerstandsfähig - und wir alle wollen ja die Völkerschlacht gesund überstehen", sagt Baumgärtel. Das gilt auch für die Schlacht selbst, die am Sonntag, 14 Uhr, in der Weinteichsenke Markkleeberg ihren Anfang nimmt.

Geschossen werde mit Schwarzpulver - nur eben die dazugehörigen Kugeln fehlen. Baumgärtel: "Alle, die hier mitkämpfen, müssen eine Schwarzpulverberechtigung haben. Und es gilt strikt, nur auf den Boden und über die Köpfe der Gegner zu schießen, um niemanden zu verletzen." Sein Regiment ist bewaffnet mit britischen Infanteriemusketen und Bajonett. Fest steht für Baumgärtel, dass seine Männer am Ende zu den Siegern zählen werden, kämpfen sie doch auf der Seite der Alliierten gegen die Truppen Napoleons. Zu ihnen zählen die Österreicher, Russen, Preußen, einige Schweden und ein buntes Häufchen unterschiedlicher Völker - auch die Schotten.

Das ist freilich nicht ganz wahr. Denn: 1813 befanden sich die Gordon Highlanders nicht auf dem Schlachtfeld in Leipzig, sondern in einem ebensolchen napoleonischen Krieg in Spanien. Weshalb der Veranstalter, der Interessenverein "Völkerschlacht bei Leipzig 1813", die Schotten aus dem Vogtland trotzdem mit dabei haben wollte: "Man lobte uns, dass wir eine gute Truppe seien", sagt Baumgärtel nicht ohne Stolz. Bekannt gemacht in der Szene hat sich das Regiment auf verschiedenen, der napoleonischen Zeit nachempfundenen, Schlachtfeldern, so in Jena-Auerstädt und dem belgischen Waterloo.

"2015 sind wir noch einmal in Waterloo - danach enden erst einmal die großen Jubiläen um die napoleonischen Kriege", so Baumgärtel. Weil sich die schottische Truppe bewährt hat, und weil wohl auch die roten Uniformjacken, die karierten Kilts und die mit Straußenfedern geschmückten Bonnets optisch ein Hingucker sind, darf sie an der Flaggenparade vor gekrönten Häuptern - einer internen Festveranstaltung am Freitag - mittun. So marschiert Corporal Munroe auf vor Prinzen und Prinzessinnen aus solch namhaften Häusern wie Romanow, Wittgenstein, Hannover und Sachsen. Baumgärtel: "Für uns eine große Ehre."

Dass in diesen Tagen auch kritische Stimmen die nachgestellte Völkerschlacht als sinnlos und heroisierend abtun, damit kann der Vogtländer leben. "Wir Deutschen tun uns schwer mit Militärdarstellungen, wegen unserer jüngeren Geschichte herrscht eine regelrechte Rechtfertigungsmentalität. Wir verherrlichen den Krieg nicht, möchten nur aufzeigen, wie es gewesen sein könnte."