Vogtländer trauern um Briefmarken-Spezialisten

Die Gefahr, die von Corona ausgeht, begreifen manche erst, wenn sie an das Virus einen geliebten Menschen verloren haben. Das ist gerade in Auerbach geschehen. Der dort sehr bekannte Briefmarken- und Ansichtskartensammler Günter Feustel erlag einer Corona-Erkrankung.

Von Hagen Hartwig

Auerbach - Günter Feustel, der ersten Vorsitzender der Briefmarken- und Ansichtskartenfreunde Auerbach/Vogtland, verstarb in der Nacht vom Dienstag zu Mittwoch. Der weit über die Grenzen der Drei-Türme-Stadt hinaus bekannte Fachmann in Sachen Briefmarken und historischer Postkarten wurde nur 71 Jahre alt. Er verstarb im Klinikum Obergöltzsch an einer Corona-Infektion. Seit Mitte Dezember wurde er dort intensivmedizinisch behandelt, lag im Koma und am Beatmungsgerät. "Mein Mann war in den letzten Wochen nicht mehr ansprechbar. Wir durften ihn nur kurz besuchen und haben gemerkt, dass er sehr gekämpft hat. Bis zum Schluss haben wir gehofft", so Ilona Feustel, die Ehefrau des Verstorbenen.


Günter Feustel, gelernter Elektriker, hat sich seit seiner Jugend mit dem systematischen Sammeln von Ansichtskarten und Briefmarken beschäftigt. Diese wurden auch regelmäßig im Museum Auerbach, in Räumlichkeiten der Sparkasse Vogtland und im Archiv der Drei-Türme-Stadt präsentiert. Das Besondere an seinen Sammlungen waren die Themenkomplexe. Günter Feustel interessierte sich für historische Stadtansichten, Weltraumtechnik und den Eisenbahnverkehr. "Günter ist in seinen Sammlungen sehr systematisch vorgegangen und hat unzählige Stunden seiner Freizeit für sein Hobby verwendet. Ein großes Zimmer unserer Wohnung wurde dafür zum Archiv umfunktioniert. Da drin liegen wahre Schätze", berichtet Frau Feustel.


Auch bei allen im Freistaat Sachsen organisierten Briefmarken-Sammlern genoss Günter Feustel höchste Wertschätzung. Immer wieder kamen die Philatelisten nach Auerbach, um in den von Herrn Feustel organisierten Seminaren und Sammlertreffen zu fachsimpeln. Im Jahr 2006 wurde der Verstorbene mit der zweithöchsten Auszeichnung des Bundes deutscher Philatelisten geehrt.
"Ich habe meinen Vater wenigen Stunden vor seinem Ableben noch einmal sehen können. Laut Aussage der Ärztin war es bisher einer der schwersten Corona-Fälle im Klinikum Rodewisch. Das lange Koma und die intensive Beatmung waren zuviel für seine Kräfte", so Günter Feustels Tochter Jana.