Vogtländer reist für "Ring of Fire" in die USA

Heute morgen bin ich in den Zion-Nationalpark gefahren. Vom Virgin-River in den Fels geschnitten, ein grandioses Gebirge aus Sandsteinformationen. Im Gegensatz zu Grand Canyon und Bryce Canyon, wo man oben entlang läuft, bewegt man sich hier auf Flusshöhe und schaut zu Bergen mit Namen wie "Die drei Propheten" oder "Angels Landing" auf.

Es ist halt ein Nationalpark im Kernland der Mormonen. Schnell war klar, dass dies nicht der Beobachtungsort sein würde, da die Finsternis sich ja zum Sonnenuntergang abspielen würde. Der Park ist trotzdem sehenswert und auf 2 kleinen Wanderungen habe ich ihn diesmal alleine erkundet, nachdem ich 2006 schon einmal mit meiner Frau hier war. Die Suche nach einem geeigneten Beobachtungsplatz gestaltete sich schwieriger als erwartet. Am Kolob-Stausee störten die Berge und im Kolob-Canyon begegnete ich unfreundlichen Rangern.

Irgendwo hatte ich von einem Ort names Karnaville gelesen, der direkt auf der Zentrallinie gelegen sein soll. Man genießt in solchen Fällen die Annehmlichkeiten eines Navis. Das kleine Städtchen lebt von der Landwirtschaft. Stolz ist man, In den 60iger Jahren die bisher einzige rein weibliche Feuerwehr besessen zu haben. Ausserdem leben hier heute nur ca. 280 Menschen. Heute, ca. 16 Uhr, beherbergt der Ort über 5000 Menschen und es werden minütlich mehr. Ich frage später einen Sheriff und der schätzt um die 10000 Finsternishungrige.

Zu Wahl stehen Beobachtungsplätze auf diversen Ackern, die extra eingezäunt wurden oder am Straßenrand des Highways 91, der die Ortschaft durchzieht. Ich entscheide mich für die Straße.

Nachdem ich mein mühsam transportoptimiertes Equipment aufgebaut habe, brauche ich nicht lange auf Interesse zu warten. Ich finde zwei sehr angenehme amerikanische Familien, die unglaublich wissbegierig sind. Byron und April sind mit ihrem Vater aus Salt Lake City extra die 250 Meilen herunter gekommen und Bob und Sue aus New Hampshire erleben die Finsternis auf ihrer Rundreise durch die Nationalparks. Um uns die Zeit zu vertreiben bastele ich mit den Kindern eine kleine Lochkamera, verteile ein paar Finsternisbrillen und beantworte Fragen.

Ganz langsam schiebt sich der Mond vor die Sonne und das Landschaftsbild verändert sich. Die Farben werden intensiver, was besonders an den Sandsteinformationen der Cedar Breaks auf der gegenüberliegenden Talseite auffällt. Dann ist es soweit, der Mond wandert komplett in die Sonne und es ist für mich erstaunlich, wie schnell die letzte Phase sich vollzieht und sich die Hörner der Sonnensichel immer mehr annähern und dann verschmelzen.

Für einen kurzen Moment blitzen die Strahlen der Sonne in kleinen Segmenten in den Mondtälern auf, bevor der Ring komplett ist. Für viereinhalb Minuten staunen alle über den "Ring of Fire". Viel zu schnell vergeht die Zeit und die Sonne wird wieder zur Sichel. Für die Mehrzahl der Beobachter heißt es schnell zusammenpacken und innerhalb von wenigen Minuten lehrt sich der Straßenrand erheblich.

Ich bleibe noch bis zum Sonnenuntergang und mache mich dann auf zurück ins Hotel. Morgen geht es dann weiter in den Yosemite-Nationalpark.