Vogtländer im US-Wahlfieber

Hillary Clinton oder Donald Trump? In der Haut der US-Amerikaner möchten viele Deutsche derzeit nicht stecken. Am Dienstag wählen die Amerikaner ihren neuen Präsidenten. Der Vogtland-Anzeiger hat mit Vogtländern gesprochen, die in den Staaten leben und arbeiten oder zwischen USA und Deutschland pendeln. Sie haben uns ihre Sicht auf Wahlrummel, Intrigen, Skandale, Ängste und Hoffnungen gegeben.

Dr. Peter Klose wählt meistens demokratisch, glaubt aber, wie die Republikaner, dass der Staat "zu groß und ineffizient" ist. Der Staat New Hampshire, wo Klose lebt, ist als "independent" registriert. Klose zu Trump: "Trump ist einer, der alles verspricht, wenig versteht und viel Schaden anrichten kann. Sein Thema ist, so viel zu lügen und zu wiederholen, bis alles geglaubt wird.

Wir haben gesehen, was ein nicht guter Politiker, wie George Bush, mit seinem Irak-Krieg anrichten kann. Trump wäre schlimmer. Mit Trump werden die radikalen Rechten, die Tea Party und radikalen Christen dann tun können, was sie wollen." Man glaubt auch, dass die US-Wirtschaft unter den Republikanern leiden wird.

Dr. Klose zur Stimmung im Land: "Die ist trüb. Alle wollen es hinter sich haben, der Hass zwischen Demokraten und Republikanern ist tief. Es wird eine Generation dauern, bis wir wieder richtig miteinander reden können." Seine Hoffnungen: "Wir hoffen sehr, dass Clinton gewinnen wird. Ich glaube, langfristig werden Clinton oder Trump die Weltwirtschaft wenig beeinflussen."

Kathi Stock aus Texas hat bereits am 25. Oktober per Briefwahl für Hillary Clinton gestimmt. Eine anderthalb Stunde stand sie deshalb in der Warteschlange. "Das Interesse ist groß und ich gehe davon aus, dass Texas sich für den Vertreter der Republikaner entscheiden wird. Meine Stimme für Clinton wird da wohl komplett untergehen", befürchtet Kathi Stock.

Derzeit erlebe sie einen Wahlkampf, der "bisher Gesehenes und Erlebtes komplett in den Schatten stellt, wo ethische Grenzen im Umgang mit Kandidaten sinken und beim Normalbürger nur Kopfschütteln hinterlässt." Den meisten Amerikanern sei dieser Wahlkampf aber nur peinlich und stelle die Ausgeburt eines kaputten Systems dar: Auf der einen Seite Hillary, die durch ominöse Spenden von den Saudis an die Clinton-Stiftung als korrupt und unglaubwürdig gelte, und Trump, der durch sein beleidigendes, unreifes Auftreten um keinen Deut besser sei. Auch habe er bis heute keine Steuererklärung veröffentlicht, es sei fragwürdig, aus welchen Quellen er seine Gelder ziehe.

Frau Stocks persönliche Wahl- Entscheidung richtete sich nach der Aufstellung eines möglichen Kandidaten für den Supreme Court, dem Obersten Gerichtshof. Dort werden wichtige Entscheidungen zu Abtreibung, Waffengesetz oder gleichgeschlechtliche Ehen getroffen. Ein Vorschlag einer demokratischen Präsidenten würde Frau Stock mehr zusagen.

Renate Stoever hat "den Zirkus ziemlich satt". "Da mir der letzte Weltkrieg noch in den Knochen sitzt, ist mein Wunschkandidat einer, der einen Weltkrieg vermeidet. Das wäre nicht die Hillary, das lässt nur Trump übrig." Für die frühere Plauenerin ist aber Trump "ein unbeschriebenes Blatt" und "kein aalglatter Politiker".

Trump rede frei von der Leber. "Das spricht viele Leute an". Frau Stoever glaubt jedoch nicht, dass Trump gewinnt, denn der habe viele Gegner. "Hillary hat so viel Dreck am Stecken, dass man blind sein muss, um das zu übersehen." Das Thema, was viele Gemüter errege, sei die Obama- Krankenversicherung (Obamacare), die sich viele nicht leisten könnten.

Wer sie nicht nehme, müsse Strafe bezahlen. Trump kündigte im Wahlkampf an, Obamacare wieder abschaffen zu wollen. Ob sie zur Wahl gehen werde, wisse sie nicht. "Die sollen doch ihren Mist ohne mich machen", meint die Ex-Plauenerin mit Augenzwinkern.

Hannes Zerner hat keine amerikanische Staatsbürgerschaft und darf nicht wählen. Dennoch beobachtet er den Ablauf mit gemischten Gefühlen. "Donald Trump ist gefährlich, da er mit der Angst der Menschen spielt und dies zu seinem Vorteil auszunutzen versucht." Der Wahlkampf drehe sich nur darum, Schmutz über den Gegner zu schleudern, egal, ob es der Wahrheit entspricht. Hannes Zerner würde Hillary Clinton wählen, da der Rechtsruck gestoppt werden müsse. Und dies nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland, seiner Heimat.

Toni Klemm kann den Wahlkampf, der mit harten Bandagen geführt wird, schwer ertragen. Die Fernsehwerbung sei voller negativer Werbespots über den jeweils anderen Kandidaten, ebenso die Nonstop-Berichten im TV sei sehr von Skandalen geprägt, statt politische Vorhaben kritisch zu beleuchten.

Die meisten Medien seien parteiverbunden, weniger neutral. "Hillary Clinton ist meiner Meinung nach die bessere Kandidatin. Ihr politisches Programm zu mehr sozialer Gerechtigkeit, strengerer Waffenkontrolle und besserem Klimaschutz gefallen mir besser als die von Trump", so Klemm, der sich vom rabiaten Auftritten Trumps und dessen Angriffen auf politische Gegner abgestoßen fühlt.

Dennoch habe Trump den interessanteren Wahlkampf gemacht. In Oklahoma, wo Klemm lebt, werde die Mehrzahl Trump wählen. Jüngere Leute, wie Studenten, mögen mehr Clinton. Außerdem gebe es in Oklahoma noch den Liberalen-Kandidaten Gary Johnson zu wählen - das werde aber in den Medien kaum verbreitet. Zu deutsch-amerikanischen Beziehungen hofft Klemm, dass diese unter Trump nicht den Bach runtergehen. Hillary klinge in vielem diplomatischer und scheine mehr Verständnis für internationale Beziehungen zu haben.

Der Wahldienstag verspricht (nicht nur) für Klemm lang und spannend zu werden, da er sich über sechs Zeitzonen erstreckt. Zur Wahl im Jahr 2012 hat der junge Mann den Abend mit Freunden bei Snacks und Süßem verbracht.