Vögel im Winter füttern?

Pro und Kontra

Der Plauener Hobby-Ornithologe Rudolf Rannacher  befürwortet das Füttern der Vögel - wenn es Winter wird. "Weil wir überall die Natur zurückdrängen, die Lebensgrundlagen der Tiere zerstören und die Vögel nicht genügend zu fressen finden", sagt der 73-jährige Textilmaschinenbauer in Rente.
Laut Rannacher ist der Sauberkeitswahn der Menschen ein Problem: "Mit Laubbläsern wird noch das letzte Blatt von den Grünflächen beseitigt. Damit bläst man auch den Igeln die Überwinterungsmöglichkeit weg. Sogar unter den Hecken bleibt kein Blatt liegen." Dabei bieten Blätter seit Jahrmillionen vielen Tieren Schutz gegen Kälte und halten im Sommer die Feuchtigkeit.
"Wer Glück hat, kann zu dieser Jahreszeit Amseln entdecken, die im Laub wühlen, weil sich dort Insekten verstecken; auch Rotkehlchen mögen solch weiches Futter." Allerdings wird man Rannacher zufolge solch eine Beobachtung wohl kaum in einer öffentlichen Grünanlage machen.
Rannacher ärgert sich auch über die Rasenroboter und ebenso über die - in manchen Bundesländern verbotenen - mit Zierkies abgedeckten Flächen in Vorgärten, damit man nicht mähen oder Unkraut zupfen müsse. "Garten- und Hausbesitzer haben eine Verantwortung der Natur gegenüber."
Laut Rannacher empfehlen manche Fachleute deshalb, die Vögel sogar im Sommer zu füttern: "Weil die Felder ausgeräumt sind und zuwenig Eiweiß-Nahrung für die Jungvögel zur Verfügung steht." Das ganze stehe im Zusammenhang mit dem Einsatz von Glyphosat.
Rannnacher begrüßt das Füttern auch aus umweltpädagogischer Sicht: Menschen, zumal Kinder, würden an Tiere herangeführt. Eines gefällt ihm allerdings nicht: Wenn Leute, ohne dass es extrem kalt sei, mit einem Sack voller Brot Enten füttern. "Das ist kein Füttern, das ist bald Mästen", sagt er. "Die Enten, die dabei in Scharen zu beobachten sind, zeigen kein natürliches Verhalten."
Rannacher kümmert sich seit Jahren um die Mauersegler in Plauen, insbesondere um ihre Nistmöglichkeiten, die manchmal verloren gehen bei Haussanierungen oder -umbauten - trotz gesetzlicher Bestimmungen. "Gute Erfahrungen gibt es in Plauen mit WBG, AWG und einigen großen privaten Vermietern", sagt er. ufa


Kein Füttern der Vögel im Winter. Das hatte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) vor 25 Jahren gefordert. In einem Zeitungsbericht Mitte der 1990er Jahre hatte der NABU drei wichtige Gründe dafür angeführt:
1. Durch verschmutze Futterhäuschen kommt es häufig zu Salmonellen-Infektionen.
2. Mit der Winterfütterung können auch Vögel überleben, die nicht lebenstüchtig sind. Sie geben ihr Erbgut weiter - die Art wird schwächer und anfälliger.
3. Viele Vogelarten, die im Winter eigentlich nach Süden ziehen würden, bleiben hier und besetzten im Frühjahr die Brutplätze der zurückkehrenden Zugvögel. Folge: Seltene Arten werden verdrängt.
Was sollten Leute tun, die auch währende des Winters Vögel im eigenen Garten beobachten möchten? Sie sollten Beeren tragende einheimische Sträucher pflanzen. Die locken als ideale Winternahrund nicht nur Vögel an.
Der NABU ist laut Internetlexikon Wikipedia eine nichtstaatliche Organisation mit dem Ziel, Natur und Umwelt zu schützen. "Der NABU setzt konkreten Naturschutz im In- und Ausland um. Dazu gehören der Erhalt von Flüssen, Meeren, Wäldern und vieler weiterer Ökosysteme sowie der Schutz einzelner Tier- und Pflanzengruppen und Arten. Er setzt sich als einer der großen Naturschutzverbände in Deutschland für ein Zusammenspiel von Mensch und Natur ein und ist die nationale Partnerorganisation von BirdLife International.
Die Organisation wurde 1899 als ,Bund für Vogelschutz‘ gegründet, benannte sich nach dem Zusammenschluss mit dem Schwesterverband der DDR in Naturschutzbund Deutschland um und erweiterte seine Naturschutzziele. Die Organisation führt konkrete Naturschutzprojekte durch, unterhält eigene Forschungsinstitute, betreibt Umweltbildung und informiert Medien und Bürger über wichtige Themen im Umwelt- und Naturschutz. Der NABU und alle seine Gliederungen sind ein staatlich anerkannter Umwelt- und Naturschutzverband und müssen daher bei Eingriffen in den Naturhaushalt angehört werden", heißt es. Den Angaben zufolge hat die Organisation zusammen mit dem bayerischen Partner LBV 720.000 Mitglieder und 50.000 Förderer (Stand: 2019). Sie sind in ganz Deutschland in etwa 2000 lokalen Gruppen organisiert - auch im Vogtland. ufa