Visionen von einer Stadt mit Flair

Wie sich Plauen in zwölf Jahren Besuchern darstellen könnte und welche Hausaufgaben bis dahin zu erledigen sind, darüber gibt das neue Tourismuskonzept der Stadt Auskunft.

Von Torsten Piontkowski

Plauen  Wenn einige Stadträte am Montag die Augen schlossen, dann musste das nicht unbedingt am fehlenden Kaffee gelegen haben, weil die Pausenversorgung aus coronahygienischen Gründen ausfiel. Sie könnten sich auch ins Jahr 2033 geträumt haben beim Vortrag von Hagen Melzer. Ihm oblag es, das von der Firma watt multisports erarbeitete Tourismuskonzept für Plauen vorzustellen, das das zwölf Jahre alte fortführen soll. Und darin spielte das Jahr 2033 als Vision immer wieder eine Rolle.

Was Melzer vortrug, ließ die Herzen der meisten Stadträte höherschlagen. Als strategisches Leitbild hatte der Experte fünf Begriffe gewählt: "inspiriert", "familiär", "natürlich", lebenswert" und "vogtländisch verwurzelt". Es gelte nach außen sichtbar zu machen, dass Plauen eine lebendige Tourismusstadt des Vogtlands sei, der er wiederum drei Facetten zuordnete; "Flair, Kreativität, Wandel". Aus der "alten" Spitzenstadt müsse eine stil- und niveauvolle Kultur-und Familienstadt werden - mit kurzen Wegen ins Grüne, in die Natur. Dass dies ohne Anstrengungen und Umdenken, aber auch ohne zusätzliche Mittel nicht möglich ist, daraus machte er kein Hehl. Hinsichtlich der Übernachtungen müsse man 2023 zunächst wieder auf den 2019er Wert kommen, als 135.000 Übernachtungen registriert wurden. Weitere fünf Jahre später solle sich das Wachstum auf 4,5 bis 5 Prozent einpegeln und "gehalten" werden, wobei er eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 2,3 Tagen als durchaus machbar ansah. Vor diesem Hintergrund brachte er die Wertschöpfung ins Spiel, die im Tourismusbereich 21,5 Millionen Euro beträgt und 1200 Arbeitsplätze sichert. Als unumgänglich sah er dabei die Aufstockung des zur Verfügung stehenden Budgets auf rund 65.000 Euro an und die Erhöhung der Mitarbeiterzahl in der Tourist-Info auf 4,5 Vollzeitstellen. "Tourist-Info" ist mehr als Schalterdienst, so Melzer. Um eine Touristenabgabe zu erheben, müsse zunächst das Angebot weiterentwickelt werden, mahnte er.

Im Wesentlichen benannte der Fachmann Leitlinien, deren jede einzelne mit Leben erfüllt werden müsse. Melzer sprach von einer Stadt-Umlandvernetzung per Rad, Wanderwegen oder ÖPNV, die dringende Erweiterung digitaler Angebote und der Barrierefreiheit.

Als Zielgruppen benannte er Kulturinteressierte, Familien und sogenannte "special interests" wie Kinder- und Jugendgruppen, Busreisende oder auch Fachpublikum. Dabei solle man sich vorrangig auf den drei-Stunden-Radius konzentrieren - das heißt die Zeit der Anreise. Zur Angebotsoffensive gehöre zum Beispiel die Organisation von perfekten Tagen für Familien, ein sogenanntes "Vogtland-Best off" unter Einbeziehung des Kulturwegs der Vögte. Sein Resümee: Plauen braucht sich keineswegs zu verstecken, es sollte aber auch nicht nach den touristischen Sternen greifen.

In der Diskussion regte Diana Zierold (SGI) an, auch die weichen Standortfaktoren in die Kampagne aufzunehmen, wie beispielsweise Weltoffenheit, Freundlichkeit der Menschen. Inwieweit die Visionen 2033 Wirklichkeit sind - das wird wohl nur ein Teil der jetzigen Stadträte in dieser Funktion noch erleben.