Vier Männer aus Bad Elster überfielen Pizzaboten

Zwei Überfälle auf Pizzaboten, die sich bereits im Frühsommer 2003 in Rehau und Hof ereigneten, fanden jetzt am Amtsgericht Plauen ein juristisches Nachspiel. Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Wilhelm Gerhards verurteilte vier junge Männer (heute 24, 25 und zwei Mal 26 Jahre alt) aus Bad Elster wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Raub zu Jugendstrafen zwischen elf und 22 Monaten, die allesamt zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Die beiden Straftaten, die über fünf Jahre lang unaufgeklärt geblieben waren, hatten im Mai und Juni 2003 in Hof und Umgebung für große Beunruhigung insbesondere im Gastronomiegewerbe gesorgt. Erstes Opfer war der Inhaber der Pizzeria "Da Pippo" in Rehau.

Brutal niedergeschlagen Am Abend des 28. Mai 2003 waren die drei Angeklagten Michael, Samuel und Toni (Namen aller Betroffenen geändert) von Bad Elster aus in die oberfränkische Stadt gefahren. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie bereits den Entschluss zur Begehung der nachfolgenden Straftat gefasst. Angeblich kam die Anregung dazu von einem anderen, mehrfach vorbestraften Vogtländer.

Von einem öffentlichen Fernsprecher aus bestellten sie gegen 23 Uhr drei Pizzagerichte zur Anlieferung in die Eichelbergstraße. Dort warteten sie auf den Pizzafahrer. Beinahe wäre eine Angestellte Opfer des Überfalls geworden. Aufgrund der vorgerückten Uhrzeit übernahm aber der Chef selbst, der 48-jährige Italiener Lorenzo, die Tour. Kaum hatte er die gewünschte Ware ausgehändigt und wollte den Preis dafür kassieren, da wurde er von hinten niedergeschlagen und seiner Geldtasche beraubt.

 

Damit nicht genug: Auch nachdem sie sich bereits der Beute bemächtigt hatten, schlugen und traten die drei Räuber weiter auf Lorenzo ein. Als sie schließlich flüchteten, nahm der Geschädigte die Verfolgung zweier Täter auf. Vor einer Garageneinfahrt kam es zur erneuten Auseinandersetzung. Und noch einmal gingen Samuel und Toni über alle Maßen brutal zur Sache. Insgesamt 1.200 Euro erbeuteten die Elsteraner bei dem Überfall. Sie teilten die Summe zu gleichen Teilen unter sich auf. "Ich hatte die Geldtasche vom Lokal genommen. Es war ja nur 200 Meter von uns weg. Wer denkt denn da an so etwas?!", erklärte der Italiener, warum er einen so hohen Geldbetrag mit sich führte.

 

Die zweite Tat ereignete sich am 27. Juni 2003 in Hof. Diesmal war als Vierter im Bunde auch der Elsteraner Dirk mit dabei. Beim Ristorante "La Perla" bestellte man vier Pizzen zu einer Adresse in der Scheunenteichstraße. Der Angestellte Gülen (35) wurde ebenfalls von hinten niedergeschlagen. Obwohl der herzkranke Mann sofort das Bewusstsein verlor, droschen die Angreifer weiter auf ihn ein. Dies beobachtete von einem Fenster aus eine 22-jährige Frau, die sofort die Polizei informierte. Mit einer Beute von knapp 350 Euro konnte das vogtländische Gaunerquartett erneut entkommen.

Die vier Täter sind mittlerweile durchweg im bürgerleichen Leben angekommen. Dirk arbeitet als selbstständiger Druckereiunternehmer, Michael als CNC-Dreher, Samuel als selbstständiger Monteur und Toni ist als Angestellter bei einem Hausmeisterservice tätig.

Opfer leiden noch immer Zum Verhängnis wurde ihnen nach so langer Zeit der Umstand, dass die Polizei im Zusammenhang mit einer anderen Ermittlung eine DNA-Probe von Toni erhielt. Ein Querabgleich mit Spuren aus anderen ungeklärten Straftaten erbrachte die Übereinstimmung mit jener DNA, die an einer am Tatort in Hof weggeworfenen Zigarettenkippe sichergestellt worden war.

Von der Polizei im April 2008 mit dieser Tatsache konfrontiert, legte Toni sofort ein Geständnis ab. Und er nannte auch die Namen seiner zwei beziehungsweise drei Mittäter. So kam es, dass nach sechseinhalb Jahren Anklage erhoben werden konnte. Dass seit den Tatzeitpunkten bereits eine sehr lange Zeit ins Land gegangen ist, gereichte allen vier Beschuldigten jetzt zum Vorteil. "Wenn Sie gleich nach der Tat gefasst worden wären, so wären Sie wahrscheinlich sofort in der Untersuchungshaft gelandet und Sie wären damals schon allein aus generalpräventiven Gründen sicherlich zu Strafen ohne Bewährung verurteilt worden", führte Richter Gerhards den Angeklagten vor Augen.

Die beiden Geschädigten haben noch heute an den Folgen der Überfälle zu leiden. "Ich bekomme nachts oft schlecht Luft", beschrieb Gülen die Auswirkungen von zwei Rippenbrüchen und eines zertrümmerten Nasenbeins. Lorenzo liefert seit der Tatnacht prinzipiell nach 22 Uhr aus Furcht vor erneuten Straftaten nichts mehr aus. Damit hat der Überfall für ihn auch ganz konkrete wirtschaftliche Einbußen zur Folge. Alle vier Angeklagten drückten ihr Bedauern über das Geschehene aus und entschuldigten sich. Gülen wollte davon allerdings überhaupt nichts hören. Lorenzo akzeptierte die Entschuldigung von Samuel, sagte jedoch an Michael gerichtet: "Bei ihnen nehme ich das nicht an. Sie hätten mich fast totgeschlagen."

Urteil noch nicht rechtskräftig

Zur Auflage machte das Jugendschöffengericht den Verteilten die Zahlung von je 500 Euro an den Geschädigten Gülen sowie außerdem zur Zahlung von Beträgen zwischen 1500 und 2000 Euro an verschiedene gemeinnützige Vereine. Über weitere Schmerzensgeldforderungen wird in gesonderten Verfahren entschieden. Die Bewährungszeit beträgt für Michael, Samuel und Toni drei Jahre, für Dirk zwei Jahre und sechs Monate. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.