Vier Damen machen Musik

Die Musikschule Rodewisch wächst auf 1000 Schüler - sie wird weiblicher und internationaler. Vier neu eingestellte Musikpädagoginnen bringen Musikalität, Schwung und das Flair von Italien, Litauen und Südkorea in die vereinsgeführte Einrichtung.

Von Cornelia Henze

Rodewisch-  Mit Akvile Kalinaite (33) ausLitauen, Sejin Kim aus Südkorea und der Italienerin Denisa Florina Petriccione (24) stockt die Musikschule ihr Angebot im Fach Klavier auf. "Klavier ist das beliebteste Instrument, ein Großteil unserer Schüler meldet sich dafür an und alle unsere Lehrer sind gut ausgelastet", begründet Musikschuldirektor Peter Wappler das erhöhte Augenmerk auf das Tasteninstrument. Ein Instrument - drei verschiedene Charaktere und Vorlieben, die eine jede der Pianistinnen an ihre Schüler weiterreichen möchte. Gäbe es einen Hauptpreis für Temperament zu vergeben, wäre die Litauerin Akvile Kalinaite eine rechte Anwärterin dafür. Klavier und Komposition an de Hochschule für Musik & Theater in Hamburg studiert, liegt ihre Präferenz beimjazzigen Klavierrepertoire sowie dem Gospelgesang. Mit einem C-Schein für Kirchenmusik bespielt sie auch dann und wann eine Kirchenorgel - und von dort ist es auch nicht weit zum spirituellen Repertoire afroamerikanischer Gospelsinger. Mit der aus Vilnius kommenden Musikerin hat die Musikschule eine Power-Frau bekommen, die das Haus ab September um einen Gospelchor bereichern wird. Der Liebe und ihres Mannes wegen - dieser ist Brauer bei Wernesgrüner - ist Akvile Kalinaite ins Vogtland, nach Rothenkirchebn, gezogen. "Ich fühle mich im Vogtland wie in Litauen, aber es ist etwas hügeliger", sagt die temperamentvolle Frau mit der warmen Soulstimme und dem Jazz im Blut.


Nicht minder temperamentvoll ist Denisa Florina Petriccione aus Verona, jedoch bevorzugt sie die melancholischen Klänge auf dem Klavier. E-moll ist ihr Lieblingston, Ravell und Chopins Nocturnes gehen der Italienerin mit rumänischen Wurzeln zu Herzen. "Ich bin ein sonniger Typ, aber spiele gerne traurig", sagt sie mit strahlendem Lachen. In Zwickau lebt sie privat mit ihrem Mann, einem Pizzabäcker aus Napoli - und in der Schumann-Stadt lebt seit 20 Jahren schon mit ihren Cousinen und ihrem Onkel, dem Hornisten im Schumann-Theaterorchester, ein Teil der musikalischen Familie. In Deutschland zu sein, wie ihre Cousinen, sei immer ihr Traum gewesen. Denn Deutschland sei das Paradies für Musiker mit vielfältigen Auftrittsmöglichkeiten für Berufsmusiker. Am Konservatorium in Verona hat Denisa Florina Petriccione mit 13 begonnen Musik zu studieren. Dort hat sie ihren Bachelor abgeschlossen und die Liebe zum Klavier von seiner technischen Seite her entdeckt. Ihre Schüler dürfen daher ein spielerisches Herangehen an Instrument, Musik und Technik erwarten. Selbst sagt sie von sich: "Ich liebe Kinder und bin manchmal auch noch etwas Kind."


Die Korrepetition ist das Spezialgebiet der Südkoreanerin Sejin Kim. Die heute in Hof mit Mann und zwei Kindern lebende Asiatin kann mit mehreren Abschlüssen an Musikhochschulen aufwarten. In Korea studierte sie klassische Korrepetition mit Hauptfach Klavier, an der Musikhochschule Hanns Eisler Berlin wurde sie Jazzpianistin und studierte Klassische Komposition. Mehrere Jahre lebte sie in der Hauptstadt, bis die Familie nach Oberfranken umzog, weil der Ehemann ein Engagement am Hofer Theater antrat. Abgesehen vom Klavierunterricht wird Sejin Kim junge Talente auf Soloinstrumenten und Sänger auf Wettbewerben am Klavier begleiten. Kennenlernen kann man die Koreanerin auch auf Youtube, wo sie für die Internetcommunity deutsche Kirchenlieder neu bearbeitet spielt und vorstellt.


Das Cello ist seit etwa 50 Jahren populär und gilt als cool - und es führt hinein in die Welt des Orchesters. Das nicht zu übersehende Streichinstrument ist die Leidenschaft der zierlichen Süditalienerin Francesca Fiore. Auf ihrem Weg vom sonnigen Cosenza bis ins klimatisch sehr durchwachsene Vogtland hat die 33-Jährige jede Menge Referenzen erworben, so einen Bachelor in Italien und den Master in Lugano in der Schweiz. Studiert hat Fiore an der Folkwang-Universität Essen und später in Leipzig. Mehrere Masterabschlüsse und ein Konzertexamen, nebenher Engagements in Orchestern und Kammermusik-Ensemble, geben Aufschluss darüber, dass die Cellistin viel in der Welt herumgekommen ist. "Ich habe viel studiert", konstatiert sie. In England hat sie ihren Freund, einen Geiger aus Polen getroffen. Heimisch geworden ist das Paar in Zwickau. Einen Tag pro Woche unterrichtet Francesca Fiore an der Musikschule Rodewisch. Der Rest ihres Musikerlebens gehört Gastauftritten in Orchestern in Milano, Rom und sonstwo in der Welt als freischaffende Cellistin.