Viel Sonne für die Kunst

"Wer für etwas wirklich brennt, tut alles dafür, dass es in Erfüllung geht", sagt die Plauener Allgemeinärztin Dr. Andrea Horlomus, die sich ganz aktuell selbst einen Wunsch ermöglicht hat: Am Donnerstag weihten sie und ihr Mann Peter das malplus-haus ein. Ein Ort, in dem die Kunst zu Hause ist. Eine Galerie.

Plauen - Alles riecht noch ganz frisch. Nach Holz, nach Farbe. Noch (fast) keiner ist über den Fußboden gelaufen. In einem Handwerkerschränkchen liegen Farbtuben und Pinsel akkurat nebeneinander. Noch niemand hat einen Farbpinsel unter dem Wasserstrahl des kleinen Waschbeckens ausgewaschen oder vor einer Staffelei Platz genommen. Eine Vielzahl großformatiger Bilder warten nur darauf, entdeckt zu werden.

Gerne auch im Sitzen von dem knallroten Sofa aus, das der Plauener Raumgestalter Rico Kusche á la Salvador Dalís Kussmund-Kanapee gefertigt hat, und dass es in Sachen Blickpunkt mit den Kunstwerken von Andrea Horlomus aufzunehmen scheint. Da ist der Damenschuh mit dem megaspitzen Stiletto-Absatz, auf dem ein Golfball thront. Unterschrieben ist das großformatige Bild mit "Damenabschlag" und weist auf eine weitere Passion der malenden Ärztin hin, auf das Golfspielen in Franzensbad.

Auch im oberen Bereich der Galerie kommt der Golfball wieder. Diesmal sitzt ein Marienkäferchen darauf. "Das passiert manchmal auf dem Platz. Natürlich schlägt dann keiner mit dem Schläger zu", sagt Andrea Horlomus, die sich als große Naturfreundin zu erkennen gibt. Naturstudien in der Lasur-Maltechnik der alten Meister haben es der Plauenerin angetan, seitdem sie im Jahr 2009 intensiv zu malen anfing. Gezeichnet habe sie schon als Kind gern, und als Medizinstudentin in Halle sei im Studentenclub der benachbarten "Burg Giebichenstein" ein- und ausgegangen und künstlerlisch quasi zu Hause gewesen.

In den letzten Jahren hat die Medizinerin, die man auch als Plauener FDP-Stadträtin und engagierte Frau in der e.o.plauen-Stiftung kennt, zu Farbe, Pinsel und Leinwand zurück gefunden. "Mir kommt es manchmal vor, als hätte mein Tag 36 Stunden. Aber alles, was ich tue, macht mir Freude", sagt Horlomus, deren Leben sich immer mehr zwischen Arztpraxis und Malstudio abspielt.

Beides ergänzt sich, geht eine Symbiose ein - so wie Yin und Yang, die beiden chinesischen Kräfte, deren Symbol die Künstlerin auch im Logo ihrer Praxis, dem malplus-centrum, trägt und auf ihre Lebenseinstellung hin weist. Es ist die traditionelle chinesische Medizin, nach der Dr. Horlomus ihre Patienten behandelt. Dazu zählen Akupunktur, Ernährungslehre, Atem- und Bewegungsübungen nach Qi Gong und natürlich die fernöstliche Harmonielehre Feng Shui, nach der Familie Horlomus ihren Wohn- und Arbeitsmittelpunkt in der Jocketaer Straße 105-107 ausgerichtet hat.

Vier Gebäude sind es mittlerweile, die die Handschrift des Oberfränkischen Architekten Volker Peetz tragen und optisch ein Ensemble bilden. Angefangen hat alles im Jahr 1998 mit dem Bau der Produktionshalle für die Firma ihres Mannes - der "Horlomus präzision". Es folgten bald Wohnhaus, Praxis und nun das malplus-haus. "Klar, gibt es noch weitere Pläne, aber darüber rede ich noch nicht", sagt die Ärztin mit einem verschmitzten Lächeln, während sie aus den Galerie-Fenstern schaut - hinaus in den grünen Garten und zu dem Teich, in dem sich gescheckte Koi-Karpfen tummeln.

Im malplus-haus will die Künstlerin ab jetzt selbst an der Staffelei sitzen, vielleicht Kurse "Malen als Therapie" geben, zu Vernissagen und jährlich einem Atelierfest laden. Auftakt ihres Atelier-Lebens war nun am Donnerstag die Einweihung ihres künstlerischen Domizils - mit 50 geladenen Gästen.

Jedes der vier Horlomus-Häuser hat eines gemeinsam: Großzügige Fenster, Oberlichter, durch die das Sonnenlicht fluten kann. "Feng Shui heißt für mich, dass man sich beim Betreten eines Raumes gleich wohlfühlt, dass der Gesamteindruck stimmt. Und für mich sind Sonne, Licht und Luft ganz wichtig", sagt die Künstlerin.

An Helligkeit wird es also nicht mangeln, wenn zum heutigen "Tag der offenen Tür" dem Galerie-Gast die Erdbeeren ins Auge fallen - ein Stillleben, das in einem Malkurs bei Faber Castell bei Nürnberg entstand. Oder die Syra-Brücke, die Andrea Horlomus unter Anleitung des Plauener Künstlers Hermann Geyer malte. Seine Gedanken kann sich ein jeder auch machen, weshalb ein herunter fallender Apfel mit "Kartoffel" untertitelt ist oder warum Frau Horlomus den Titel "Stadtratssitzung" mit einem dichten Wald assoziiert.