"Verwunschene" Orte und Zeugen der Geschichte

Wer am Sonntag alle offenen Denkmäler in Plauen besuchen wollte, musste schon früh beginnen. Von Neundorf über Reusa bis in die Innenstadt hatten viele Sehenswürdigkeiten geöffnet.

Von Gabi Kertscher

Plauen Der Garten des Weisbachschen Hauses zeigte sich in seiner vollen Blütenpracht. Bernhard Weisbach ist Gartenarchitekt und kennt dieses Stück Erde seit seiner Kindheit. Er führte zu verborgenen Kellern, in denen einst das Obst gelagert wurde und erzählte von dem ersten Radio, das sich die Brüder in der großen Rotbuche gebaut haben. Viele besondere Pflanzen galt es zu entdecken. Neben ganz winzigen Bodendeckern konnten 110 Jahre alte Laubgehölze bewundert werden. Der Garten diente einst zum Bleichen von Leinentüchern. An diese Zeit erinnert eine in Streifen gemähte Rasenfläche.
Ein paar Meter weiter erinnert ein morscher Baumstumpf an einen großen Baum, der als Behausung von tausenden Insekten liegen bleibt. Immer wieder konnten die Gäste Kunstwerke bewundern. Holzfiguren, Metallschalen oder Wasserstellen, die im Einklang mit einer Feuerstelle aufgebaut sind. Der Garten der Familie Weisbach gehört zu den ältesten Parkgärten in Plauen. Einige Bäume haben die großen Bombenangriffe der letzten Kriegswochen überlebt und recken heute noch ihre Äste in den Himmel. Ein Mammutbaum von beachtlicher Höhe soll an den einstigen Schornstein der Hempelschen Fabrik erinnern. So habe jede Pflanze, jede Kunstfigur und jeder Strauch seine Bedeutung, erklärte Bernhard Weisbach.
Nur weinige Meter weiter begrüßten Steffi Müller und Matthias Berger ihre Gäste. Sie sind die Besitzer und Betreiber der neuen Walkmühle in der Walkgasse. Bereits 1497 wurde an diesem Ort von einer Mühle berichtet. Eine wechselvolle Geschichte kann der Besitzer erzählen. Bis 1945 stand hier die Pappemühle. Sie hatte einen Bombentreffer. Die dazugehörige Walkmühle auf der anderen Seite des Mühlgrabens bestand weiter. "Eine Woche lang haben wir hier Schutt rausgefahren", erzählte Berger. Dann ging der Aufbau los. Erst im Laufe des Wiederaufbaus und der ersten Monate der Öffnung entstand das heutige Konzept.
"Immer, wenn etwas los ist, wie Mühlentag, Plauener Herbst oder Frühling oder der Tag des offenen Denkmals, öffnen wir unsere Gaststätte." Dabei bäckt Steffi Müller Tage vorher Kuchen, es gibt Bowle, Kaffee und Kuchen. Es ist alles schick und sauber. Gastraum, Küche, Toiletten, nichts lässt zu wünschen übrig. Seit einiger Zeit dreht sich ein Mühlrad zwischen den Gebäuden. "Wir könnten dem Weisbachschen Haus Strom anbieten", erklärte Matthias Berger. Für die LED-Beleuchtung würde es reichen. Es müssten geringfügige Umbauten geschehen, aber machbar sei es auf alle Fälle. "Irgendwann wird auch das Gebäude der Walkmühle wieder genutzt, vielleicht dann für die früher geplante Fahrradpension", ließen die Besitzer noch wissen.
Ein weiterer Anlaufpunkt für viele Besucher und Einwohner von Plauen ist immer wieder der Meyerhof unterhalb der Schlossterrassen. Der Bergknappenverein Plauen unter Leitung von Gert Müller, zeigte den zahlreichen Interessierten den Luftschutzraum und das dazugehörige Museum. "Es ist immer wieder interessant, hier rein zu schauen", erzählten einige. Familie Schreiber war aus Chemnitz gekommen und hatte geduldig auf die Führung gewartet. "Meine Mutter hat auch hier unten gesessen, als die Flieger kamen", erzählte die Rentnerin und war ganz aufgelöst, als sie sich an die Erzählungen ihrer Mutter erinnerte. Es sei schon emotional, das alles dann zu sehen. Ein Relikt aus jener Zeit lag zum Anschauen bereit. Gert Müller erklärte, dass es der Zünder, der im Juni am Schlosshang gefundenen Bombe sei. Es sei das derzeit wichtigste Exponat des Bergknappenvereins. Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, wird der Eingang von einem Dach mit Glasverbau geschützt sein. Dann sollen die meisten Erinnerungsstücke und Funde aus den Kellern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.