Vertrauen ist das Wichtigste

Dietgard Nekwinda ist die Koordinatorin des Kinder- und Jugendtelefons in Plauen. Sie weiß aus täglicher Erfahrung, wie junge Menschen in diesem Alter "ticken" und wie viel Fingerspitzengefühl nötig ist, ihr Vertrauen zu gewinnen.

Plauen Kinder und Jugendliche leiden ganz anders unter Enttäuschungen oder Ängsten als Erwachsene. Deshalb gibt es das Kinder- und Jugendtelefon, das Betroffene kostenfrei anrufen können. Eine, die im Wortsinne ein offenes Ohr für die Probleme der Kids hat, ist Dietgard Nekwinda, mit der sich Karsten Repert unterhielt.

Wie kamen Sie dazu, sich gerade für dieses Ehrenamt zu engagieren?
Bei meinem Fernstudium zur "Erziehungs- und Entwicklungsberaterin" habe ich viel Interessantes gelernt. Aber es war eben alles nur die trockene Theorie. Gern wollte ich das Gelernte in der Praxis anwenden. Darum machte ich noch die Ausbildung zur ehrenamtlichen Beraterin am Kinder- und Jugendtelefon. Das hat mich begeistert. Bald wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die Koordination zu übernehmen und ich habe gern zugesagt.

Was sind die häufigsten Anliegen der jungen Anrufer?
Es geht um Aussehen, um Streit und Ärger im Freundeskreis, um Infos zu Körper, Entwicklung und Sexualität. Aber auch die Eltern-Kind-Beziehung, Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen sind Themen. Kinder können anonym bei uns anrufen. Die Vertraulichkeit bietet ihnen die nötige Sicherheit, auch über für sie peinliche Themen zu sprechen.

Wie können Ehrenamtliche den Betroffenen überhaupt helfen?
Das erste ist immer, dass die Anrufenden einen Raum finden, um frei zu erzählen. Wer schon einmal erlebt hat, wie wohltuend es ist, sich auszusprechen, der weiß, dass das schon eine echte Hilfe ist. Unser Slogan heißt: "Darüber reden hilft!" Manche Kinder oder Jugendliche haben im Alltag niemanden, dem sie sich anvertrauen können. Im gemeinsamen Gespräch versuchen wir, eine Lösung für das jeweilige Problem zu finden. Wir haben also keine Patentrezepte, sondern überlegen gemeinsam mit dem Anrufer, was er tun kann, an wen er sich wenden kann. Dabei geht es immer um Hilfe zur Selbsthilfe.

Wie gehen Sie bei einem Anruf vor? Gibt es eine Anleitung?
Eine Anleitung in dem Sinne gibt es nicht, dazu sind die Gespräche viel zu individuell. Aber in der Ausbildung werden verschiedene Techniken zur Gesprächsführung gelernt. Zum Beispiel aktives Zuhören. Wie oft erleben die Kinder überlastete Erwachsene, die ihnen gar nicht richtig zuhören, sondern nur mit sich selbst beschäftigt sind. Außerdem sind Wertschätzung und Empathie wichtige Gesprächsgrundlagen.

Wie kommt es, dass das Telefon in Zeiten des Internets immer noch ein gefragtes Medium für die Beratung ist?
Am Telefon melden sich Kinder und Jugendliche, die sofort mit jemandem sprechen möchten. Sie wollen ihren Gefühlen Luft machen wenn sie traurig oder wütend sind. Ihr Handy ist immer griffbereit ;) Bei der E-Mail- oder Chat-Beratung bekommen sie die Antwort erst etwas später. Vielen Anrufern fällt außerdem das Sprechen leichter als das Schreiben.

Warum sollten Interessierte die Ausbildung zum Berater am Kinder- und Jugendtelefon machen? 
Natürlich braucht man eine große Offenheit für die Lebenswelt der Anrufenden. Es ist spannend, auf diesem Weg einen neuen Zugang zu jungen Menschen zu bekommen und zu dem, was sie beschäftigt. Außerdem können Man tut durch die Ausbildung aber auch etwas für sich selbst, man lernt sich selbst besser kennen. Gleichzeitig wird man Teil eines netten Beraterteams.

Was beginnt die nächste Ausbildung?
Am 8. September - jeweils ein Termin pro Woche. Interessenten können sich beim Deutschen Kinderschutzbund Plauen melden, unr 03741/7404889 oder per E-Mail (kjt@dksb-plauen.de. Bei Interesse wird der aktuelle Ausbildungsplan verschickt und anschließend ein Termin für ein Kennenlerngespräch vereinbart.