Verschlossene Tür verärgert Skater

Der neunjährige Dominik stand am Mittwochvormittag vergebens mit seinem Bord im Rucksack vor der Tür der "Alten Kaffeerösterei". Der Hallenser Drittklässler ist während der Ferien in Plauen bei seiner Oma zu Gast.

Von Ingo Eckardt

Eigentlich wollte Dominik im winterlichen Plauen rodeln, aber mangels Schnee hatte er sein langes Skateboard gepackt und war mit der Straßenbahn zur einzigen Skatehalle der Stadt gefahren. "Das ist schon blöd. Auf der Internetseite steht nix, wann die auf haben. Voll komisch, ich dachte, weil hier ja auch Ferien sind, könnte ich hier ein wenig Fun rumrollen", ärgert sich die Bursche und zieht unverrichteter Dinge ab in Richtung Tram-Haltestelle.
Das Erlebnis hatte er scheinbar nicht allein, denn schon vergangene Woche hatte Petra Rank von den Linken nachgehakt und das Thema der Öffnungszeiten der Skatehalle, die vom Post SV Plauen betrieben wird, öffentlich gemacht. Die Frage im Kultur- und Sportausschuss traf Sportbürgermeister Steffen Zenner ein wenig unverhofft. Er will nun eine schriftliche Antwort geben.
Thomas Hagners Handynummer ist beim betreibenden Post SV auf der Website hinterlegt, dazu der Name von Abteilungsleiter Albert Müller. Post SV-Vizechefin Ingrid Falcke nennt noch Moritz Grimm als weiteren Ansprechpartner. Letztlich ruft nach mehrfacher Rückrufbitte des Vogtland-Anzeigers unter verschiedenen Nummern Thomas Hagner zurück. "Unsere Öffnungszeiten sind von Ende Oktober bis Anfang März immer dienstags und donnerstags 18 bis 20 Uhr sowie am Samstag 15 bis 20 Uhr", sagt der junge Mann, der bedauert, dass man keine speziellen Öffnungszeiten in den Winterferien anbieten kann. "Wir sind alle berufstätig und können tagsüber keine Öffnungszeiten organisieren. Ich lebe selbst gar nicht in Plauen, möchte aber aus Verbundenheit zu Plauen, wo ich früher oft zum Skaten war, durchaus Verantwortung für unseren Sport übernehmen. Wir müssen immer eine Beaufsichtigung gewährleisten und können die Halle nicht einfach aufsperren und wieder gehen", sagt Hagner. Die Nachfrage sei ohnehin überschaubar, weil die Skateszene Plauens nicht mehr ganz so groß ist. Der Großteil der Besucher käme von außerhalb, Hagner spricht von 60 bis 70 Prozent. Die Halle werde zu den Öffnungszeiten gut genutzt, aber kaum von Plauenern. Grund dafür könnte sein, dass außer Skateboarden nur Scooterfahren in der recht kleinen Halle möglich ist. Die etwas größere BMX-Szene darf hier leider nicht fahren, wegen der Konstruktion der Rampen.
Der Post SV will nach Hagners Auskunft die Halle auch weiterhin betreiben. Andere denken darüber nach, dass man die Location vielleicht besser an den Betreiberverein der "Alten Kaffeerösterei" übergeben könnte, wo man gerade ohnehin die Vereinsstruktur neu zu gestalten gedenkt. "Aber die ‚Röste‘-Leute sind ja auch nicht immer da, haben vielleicht auch nicht die Affinität zum Thema Skateboard", ist Hagner nachdenklich.
Unsicher zeigt sich auf Nachfrage André Schäfer vom eher BMX-fokussierten Verein 2plus4macht1, Betreiber des Skateparks an der Elster, wie der richtige Weg wäre. "Wenn die ‚Röste‘ das personell und inhaltlich stemmen könnte, wäre es sicher sinnvoll, dies in die Überlegungen einzubeziehen. Natürlich ist es schwierig für die vielen BMX-Kinder unseres Vereines, dass die diese Halle generell nicht nutzen können", so Schäfer, der bemerkt, dass ein nicht unerheblicher sechsstelliger Betrag einst in die Halle gesteckt wurde, um der Szene einen festen Anlaufpunkt zu geben. So wartet man beim 2plus4macht1-Verein darauf, dass der Traum einer eigenen Freestyle-Halle für das Wintertraining zeitnah umgesetzt werden kann.
Post SV-Skateboarding-Abteilungsleiter Albert Müller zeigt sich über die Frage der Linken-Stadträtin irritiert. "Niemand kommt mal auf die Idee uns selbst zu fragen. Man redet über uns, statt mit uns. Und gleich blickt man negativ auf unseren Sport. Über unsere Facebook-Seite Skateboarding Plauen sind wir aber relativ aktuell erreichbar und man kann auch Anfragen nach speziellen Öffnungszeiten stellen", sagt Müller und macht keinen Hehl daraus, dass der Skateboarding-Sport nicht unbedingt zur Kernkompetenz des Post SV gehört und dort so ein wenig abseits der Mainstream-Sportarten betrachtet wird. Mehrfach habe er schon darum gebeten, die Öffnungszeitend er Halle auf der Internetseite des Vereins zu publizieren. Dies sei allerdings eben bislang nicht passiert.
Er würde sich wünschen, dass wieder mehr junge Menschen den Weg aufs Board finden. "Falls jetzt, wenn Skateboarding im Sommer erstmals als Olympia-Sportart auftaucht ein Hype entflammen würde, haben wir mit Marcel Zahn jemanden in den Startlöchern, der bereit wäre, aus Leipzig zurückzukehren und sich dem nachwuchs zu fördern", sagt Müller, der selbst mit einigen Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren derzeit eine kleine Trainingsgruppe aufgebaut hat, die zweimal die Woche die Freestyle-Sportart richtig trainiert.