Vernissage des Art Collektiv Plauen

Zur ersten Vernissage luden junge Künstler in ihre Atelierräume in der Friedensstraße 77 in Plauen ein. Neben frischer Kunst lockten Kräftig-Deftiges, um sich zu stärken, und handgemachte Musik. Das Schönste: die Begegnung mit sympathischen, kreativen, jungen Leuten.

Plauen - Sie vermeiden den modischen Begriff "Team", verwenden das vielen schon leicht anrüchige Wort Kollektiv, wenn auch orthografisch aufgehübscht: Art Collektiv Plauen. Seit einem halben Jahr erst hat sich die Künstlergemeinschaft zusammengefunden, bestehend vor allem aus Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule für Gestaltung am Beruflichen Schulzentrum "e.o.plauen". Willkommen jedoch ist jedermann.

Initiatorin der Künstlergruppe (und dabei kommen einem schon Erinnerungen an Kunst-Gemeinschaften der Vergangenheit wie "Die Brücke" oder "Der Blaue Reiter" in den Sinn, die Kunstgeschichte geschrieben haben, von sehr jungen Künstlern gegründet wurden und bescheiden anfingen) ist die Holzgestalterin und Lehrerin an der Fachoberschule für Gestaltung Anja Werner. Sie hat nicht nur als Künstlerin ihre eigene, unverwechselbare Handschrift gefunden. Für das Art Collektiv ist sie wohl die treibende Kraft, mit Ideen, guter Laune und einer großen Portion Organisationstalent.

Frau Werner stellte am Samstag den vielen, zur Vernissage gekommenen Gästen die Konzeption der 28 Jungkünstler vor. Anschaulich, anhand eines Tortendiagramms, das sie gleichsam aufblätterte. Da sei also als erstes der Kunstbetrieb. Dieses Segment diene vor allem dazu, Hilfe und Unterstützung für Bewerbungsmappen zu geben. Auch werden zeichnerische Grundlagen vermittelt. An zweiter Stelle stehe die Atelierbenutzung. Für "Schlüsselmitglieder" bestünde damit die Chance, die Räume Tag und Nacht zu nutzen, auch mal eine Arbeit liegenzulassen, um später weiter daran tätig zu werden. Drittens gebe es die Druckerei. Es werde die Technik des Siebdrucks vermittelt, aber auch mit Linol- und Holzschnitt könne gearbeitet werden. Vorgesehen sei, einen Drucktag im Monat einzuführen, wo jedermann die Presse nutzen könne.

An vierter Stelle stehe die Eigeninitiative jedes einzelnen; darunter versteht Anja Werner eine Binsenweisheit, die jedoch nicht oft genug wiederholt werden kann: Auch ein bildender Künstler müsse täglich etwas für seine Kunst tun (Nulla dies sine linea - kein Tag ohne Linie). Für Frau Werner heißt das, dass sie die jungen Künstler dringend auffordert, stets ihr Skizzenbuch dabei zu haben. Ausgelegte Skizzenbücher konnten besichtigt werden. Und schließlich fünftens habe man die Aktion "Malzeit" gestartet; in schöner Doppeldeutigkeit gehe es darum, mit Hilfe eines Kunst-Kochbuches nötiges Kleingeld hereinzubekommen. Habe man doch vergessen, dass ein Atelierbetrieb nicht nur Miete koste, sondern auch Nebenkosten für Heizung und Wasser verursache. Mit dem Kochbuch, das rustikale Rezepte mit künstlerischer Gestaltung vereine, hoffen die 28 jungen Künstler, das nötige Geld dafür zusammen zu bekommen.

Wer wollte, konnte die nach dem Kunst-Kochbuch zubereiteten und auf großen Tischen angerichteten Speisen und Getränke versuchen. Ab November soll das Buch dann auch zu kaufen sein. Ein solches Projekt wie die Arbeit des Art Collektivs Plauen ist nicht ohne Geldgeber möglich. Gedankt wurde für Spenden verschiedenen Einzelpersonen, Firmen und offiziellen Stellen wie dem Kulturraum und der Stadt Plauen. Bei Musik, vielen Gesprächen mit den Künstlern, gutem Essen, dem Blick auf unterschiedlichste Kunstwerke, einer Verlosung (jedes Los gewinnt!) und später einer erotische Lesung von Texten Isabell Allendes fand eine erste Vernissage ihr Ende, der unbedingt eine zweite und dritte folgen sollten.