Verkehrter Verkehr auf der Ortsumfahrung Reichenbach

Die Ortsumfahrung Reichenbach nutzen nach Angaben der Grünen-Fraktion im säschischen Landtag in Dresden deutlich weniger Autofahrer als errechnet. Dies habe eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Eva Jähnigen, Verkehrspolitische Sprecherin ihrer Fraktion, ergeben. "Die Verkehrsprognose und -realität bei der fünf Kilometer langen Ortsumgehung Reichenbach fallen eklatant auseinander", sagt Jähnigen.

Nach Angaben von Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) befahren weit weniger Fahrzeuge als die bei der Planfeststellung prognostizierten rund 13 500 Fahrzeuge pro Tag die Ortsumgehung. Lediglich gut 5000 Fahrzeuge pro Tag, und damit 63 Prozent weniger als prognostiziert, wurden bei der letzten Straßenverkehrszählung erfasst.

"Die dramatischen Differenzen sind auf die völlig überholten Prognosen Anfang der 1990er Jahre zurückzuführen", erklärt Eva Jähningen. "Den aktuellen Planungen des Ministeriums liegen nach wie vor wachsende Bevölkerungszahlen zugrunde. Diese Politik der falschen Zahlen führt zu systematischer Geldvernichtung, das für die Sanierung des vorhandenen Straßennetzes fehlt. Ohne diese völlig überzogenen Verkehrsprognosen hätte man kaum ein derart teures und überdimensioniertes Projekt durchsetzen können."

Für den Bau der Ortsumfahrung Reichenbach waren laut Morlok über 31 Millionen Euro vorgesehen. Die realen Kosten gemäß Schlussrechnung würden nach Angaben des Ministers fünf Jahre nach Ende der Bauzeit immer noch nicht vorliegen, heißt es von der Grünen-Fraktion in einer Mitteilung.

"Der Straßenneubau auf Grundlage von Planung nach den alten Verkehrsbelegungen verschlingt einen Großteil des sächsischen Verkehrsetats. Deshalb braucht es neue, realistische Verkehrsprognosen und neue Kosten-Nutzen-Analysen für die sächsischen Straßen. Auch die Folgekosten für die Kommunen müssen endlich auf den Tisch", fordert die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. va