Verfolkst, verpopt, verbrezelt

Die letzten vier Kuhnert-Eulen wollen ihr neues Zuhause finden. Die für Kalenderblatt 22 fliegt zu Sebastian Wildgrube aus Arnoldsgrün. Er ist das, was man einen musikalischen Tausendsassa nennt.

Von Helmut Schlangstedt

Arnoldsgrün Bereits mit fünf Jahren begann seine musikalische Laufbahn, als er als Sänger in der Trachtengruppe Schöneck mitwirkte, die seine Mutter Doris leitete. Doch schon bald griff er zu seinem ersten Instrument, einer Blockflöte, die später durch eine Trompete ersetzt wurde. Er besuchte das Gymnasium in Markneukirchen, in dem es bis 2002 einmal eine Schulband mit dem Namen "Jazzy Six" gab, die für ihn Vorbild zur Gründung seiner eigenen Band "Die Drei swingenden Vier" war, eine Dixieland-Combo. "Jazz aus ökologischem Anbau", so beschrieb Sebastian damals den Musikstil, was heißen sollte, Jazztitel aus den 1930er und 40er Jahren an ihre Bedürfnisse angepasst und ungekünstelt präsentiert. Und ebenso umgekehrt, wie etwa den "Gruß aus Klingenthal" oder den "Sonderzug nach Pankow" verjazzt. Die Reaktion des Publikums auf diese Musik kann man durchaus begeistert nennen, wie bei einem Auftritt im Sommer 2009 am Walfischteich in Zwota. Bemerkenswert: Bereits damals hatte die Band 30 bis 40 Auftritte jährlich in ganz Sachsen.
Nach der Schule folgte für Sebastian ein Studium der Musikwissenschaft - und 2011 eine neue Band mit dem Namen "Brezel Brass". Es sei eine ungenierte Kombination aus allem für jedes Alter, beschreibt er den Musikstil, der zwei Wurzeln hat. Dixieland und Oberkrainer-Musik. Dabei würde alles "verbrezelt", mit dem Resultat "verfolkster Popmusik" sowie "verpopter Volksmusik" meint der Musiker verschmitzt. Und der Erfolg der Band gibt ihm Recht, die im Winter meist in der Region von Oberfranken über Vogtland bis zum Erzgebirge unterwegs ist. Im Sommer gibt es Auftritte in ganz Deutschland, wie in Frankfurt, Braunschweig oder Magdeburg. Und selbstredend ist die Band regelmäßig Gast im Fernsehen. Ein echtes und jährlich ausverkauftes Highlight gibt es seit 2015 am 8. März zum Frauentag in Bad Elster. "Von Beethoven bis Boogie" heißt die Veranstaltung mit einem Auftritt mit Streichern und dem Chor der Chursächsischen Philharmonie Bad Elster. Diesen Chor leitet er übrigens, und ebenso einen Gospel-Chor in Bad Elster. Neben der Arbeit mit Brezel Brass ist Sebastian Wildgrube noch vielfältig musikalisch aktiv und arbeitet ständig an seiner Weiterentwicklung. So erhielt seine Mutter 2012 einen Anruf von Hitradio RTL, bei dem sie zunächst dachte, sie würde verklapst. Man hätte erfahre, dass Sohn Sebastian 21 Instrumente spielen könne. Bereits 2011 zu den 4. Mundarttagen in Eubabrunn referierte er über die Vertonung von Gedichten. Und selbstredend tritt er sehr gern bei Veranstaltungen im Vogtland auf, etwa als musikalischer Part bei Mundartveranstaltungen.
Sein Erfolg und der seiner Band liegt auch darin begründet, dass er ein rechter Schelm ist und bei Auftritten stets Heiterkeit im Publikum herrscht. So komponiert er eigene Titel, oft mit ironischem Hintergrund. Dazu gehören etwa "Zehn Meter gehen, ja mei, ist das scheen" als Parodie auf "Germanys next Topmodel" oder "Wenn du dumm bist wie ein Brot, geh ins Dschungelcamp" oder auch "Mercedes kann nur große Kübel baun" als Anspielung auf den seinerzeit misslungenen Elchtest. Mit dem Ergebnis sich vor Lachen kringelnder Zuhörer. Bei seiner Vielseitigkeit braucht man sich nicht zu wundern, dass er 2105 zum Vogtländer des Jahres auserkoren wurde.
Über fünf CD's gibt es von Brezel Brass, und mit Blick auf das zehnjährige Jubiläum der Band 2021 wird es nicht nur eine weitere CD geben, sondern auch ein völlig neues Programm, mit neuen Titeln, weiteren Instrumenten und neuen Überraschungen.

Kalenderblatt 22

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