Verfahren beendet: Frau überrollt Mann mit Auto

Eine 49-jährige Frau aus Markneukirchen muss 2000 Euro an den Verein für Bewährungs- und Jugendgerichtshilfe zahlen.

Markneukirchen - Das war der Preis für die Einstellung eines Strafverfahrens wegen Körperverletzung. Die Obervogtländerin hatte mit ihrem Auto einem Mann nicht mehr ausweichen können, der sturzbetrunken auf einer dunklen Straße lag. Selbst Richter Michael Rüsing schätzte den Schuldanteil der Frau als sehr gering ein: "Das Verschulden des Opfers liegt bei mindestens 98 Prozent."

Es geschah am 3. März 2012 auf der Erlbacher Straße bei Markneukirchen: Die Angeklagte war gegen 5.30 Uhr in Richtung Adorf unterwegs. "Ich habe plötzlich ein großes rundes Hindernis auf der Straße liegen sehen. Ich konnte nicht mehr ausweichen", beschrieb sie. Der Geschädigte wurde einige Meter mitgeschleift. Wegen der dabei erlittenen Verletzungen wurde er für etwa einem Monat arbeitsunfähig geschrieben. "Mir ist fast das Herz stehengeblieben, wie der angefangen hat zu schreien", erinnerte sich die Frau. Zugleich widersprach sie der Auffassung der Staatsanwältin, sie habe das Hindernis für "überfahrbar" gehalten und deshalb erst sehr spät gebremst. Seit dem Ereignis hat die Beschuldigte die Freude am Autofahren verloren: "Jetzt fahre ich fast immer mit Angst und langsam."

Das Opfer erschien erst mit Verspätung zur Verhandlung. Auf seine Vernehmung wurde verzichtet. Vermutlich hätte der Mittdreißiger aufgrund des seinerzeit hohen Promillewertes keine wesentlichen Erinnerungen mehr an das Geschehen gehabt. Ein Sachverständiger war zu dem Ergebnis gekommen, dass die Angeklagte nur dann den Unfall hätte vermeiden können, wenn sie mit unter 49 Km/h gefahren wäre. "Die Frage ist, wäre sie auf offener Landstraße dazu verpflichtet gewesen?", zweifelte der Richter.

Tatsächlich war die Beschuldigte wohl mit etwa 62 km/h unterwegs. "Wir wären wahrscheinlich alle so schnell gefahren", äußerte Verteidiger Heiko Schuster, der zugleich darauf verwies, dass seine Mandantin bisher frei von jeglichen straf- und verkehrsrechtlichen Vorahndungen gewesen ist. Die Staatsanwältin machte ihre Zustimmung zu einer Verfahrenseinstellung von der hohen Geldauflage abhängig. Und obwohl sie bei einer Entscheidung durch ein Urteil sogar gute Aussichten auf einen Freispruch gehabt hätte, stimmte sie der Einstellung zu. "Sie will die Sache endlich abgeschlossen wissen", so der Verteidiger.