VdK-Vogtland: Beratungszeiten reichen nicht mehr

Plauen - Sie liebt ihren Job, die junge und zierliche Katalin Hopf: "Da ich quasi in jedem Gespräch merke, dass ich helfen kann!" Die das sagt, ist Beratungsstellenleiterin im VdK-Vogtland seit September 2008, dem nach Mitgliedern zweitstärksten Verband in Sachsen.

 

Nur im Erzgebirge zählt der VdK im Freistaat noch mehr Frauen und Männer. Was vor 20 Jahren mit Manfred Knornschild an der Weststraße begann, ist heute in den Räumen an der August-Bebel-Straße 1 ein etablierter Verband geworden, der offene Beratung anbietet. Gefördert durch den Vogtlandkreis, wie die Gesprächspartnerin ausdrücklich hervorhebt.

Der Sozialverband VdK mit dem ellenlangen Namen ist vor allem dann gefragt, wenn Menschen insbesondere aus gesundheitlichen Gründen Gefahr laufen, durch alle sozialen Netze hindurchzurutschen. "Wir helfen dann, um diesen Absturz zu verhindern", unterstreicht die Beratungsstellenleiterin.

Dabei bilde das Sozialgesetzbuch, genau genommen sind es 14 Dokumente mit diesem Namen, die wichtigste Grundlage. Darin soll stehen, was zu tun ist, wenn ein Mensch plötzlich aus gesundheitlichen und anderen Gründen wirtschaftlich aus der Bahn geworfen wird. Aber bekanntlich liegt der Teufel im Detail. Besonders gefreut hatte sich Frau Hopf, als sie einer alleinstehenden alten Frau mit Mindestrente helfen konnte. Sie hatte wegen dieses geringen Altersruhegeldes vom Sozialamt einen Zuschuss erhalten. Doch plötzlich forderte das Amt 2000 Euro von der alten Dame zurück. "Wie sich später herausstellte, war das ein Versehen des Amtes", ergänzt die Gesprächspartnerin. "Solchen Menschen helfen zu können, das ist doch der schönste Beruf, den man haben kann!"

Die größte Beratungsgruppe seien behinderte Menschen mit Schwierigkeiten im Erwerbsprozess, wie es die Gesprächspartnerin nannte. Stark angewachsen ist die Zahl der Ratsuchenden mit Hartz IV. Ebenso schauten auch immer mehr Menschen mit psychischen Problemen, die sich durch verstärkten Druck am Arbeitsplatz ergäben, bei Frau Hopf an den Beratungstagen vorbei. Ansonsten reicht das umfangreiche Beratungsangebot vom Arbeitslosenrecht über Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung bis hin zu Fragen zum Wohngeld und der Sozialhilfe. Viele dieser Rechtsarten würden ineinander übergreifen, seien multipel, wie es die junge Frau bezeichnet. Die offene Beratung können aber nicht nur die 2150 VdK-Mitglieder nutzen.

Apropos Mitgliederzahl: Es habe Mitte der 1990er Jahre eine kleine Flaute gegeben, doch mit den derzeit 2150 Mitgliedern sei man in der Lage, im Landesverband ein entscheidendes Wort mitzusprechen. Die VdK-Mitarbeiterin berät aber nicht nur in Plauen, sondern auch an bestimmten Tagen in den Beratungsstellen des Vereins in Adorf, Auerbach und Reichenbach. In der Spitzenstadt selbst ist Frau Hopf immer dienstags von 9 bis 17 Uhr sowie donnerstags zwischen 9 und 12 Uhr ganz Ohr, wenn es um die Sorgen der Ratsuchenden geht. "Eigentlich bräuchte ich längere Beratungszeiten, aber das ist für mich nicht machbar", erwähnt abschließend die Beratungsstellenleiterin.

 

Fast jede Woche habe sie 16 Beratungsstunden und ist mal wieder eine "schlimme Woche" angesagt, dann werden es auch schon mal 20 Stunden, in denen sie sich auf die vielfältigsten Fragen und Probleme einstellen muss. Von der erforderlichen umfassenden Nacharbeit ganz zu schweigen. Aber trotzdem bereitet Katalin Hopf der Job große Freude, wie sie im Gespräch mehrfach betont. B. Walther