Ursula Mattheuer-Neustädt gestorben

Die Grafikerin stammte aus Plauen und war seit 1952 mit Wolfgang Mattheuer verheiratet. Am 13. März starb sie in Leipzig.

Plauen/Leipzig - Es war das Vogtlandmuseum, dass nach dem überraschenden Tod von Wolfgang Mattheuer (am 7. April 2004) im Oktober 2004 eine Ausstellung für ihn einrichtete. Seine Witwe, Ursula Mattheuer-Neustädt, war nach Plauen gekommen, und der Kunstsammler Hartmut Koch regte an, auch das eigenständige Werk von Ursula Mattheuer-Neustädt hier der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nicht nur, dass ohne Frau Mattheuer-Neustädt der Künstler und Mensch Mattheuer nicht denkbar sei. Sie sei eine eigenständige Künstlerin von Rang. Im Bericht über die Ausstellung wurde in dieser Zeitung der Vorschlag gemacht, "ob der 80. Geburtstag der Künstlerin in drei Jahren nicht Anlass wäre, hier in Plauen, der Geburtsstadt von Frau Mattheuer-Neustädt, ihr Werk zu zeigen". Dies traf auf taube Ohren. So wie 1998, als eine Ausstellung mit Werken Ursula Mattheuer-Neustädts an Querelen im Plauener Kunstverein platzte. Die letzte Ausstellung der Künstlerin in ihrer Heimatstadt fand 1973 statt.
Ursula Neustädt besuchte die Schule in Plauen. Sie erlebte die Zerstörung der Stadt und half aktiv bei der Beseitigung der Trümmerschäden. 1946 begann sie ein Architekturstudium an der Bauhochschule Weimar. Noch im selben Jahr wechselte sie an die Kunstgewerbeschule Leipzig, wo sie Wolfgang Mattheuer begegnete. Beide studierten ab 1948 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Anfang der Fünfzigerjahre besuchte sie als Gasthörerin an der Universität Leipzig auch die Vorlesungen von Ernst Bloch und Hans Mayer. Nach dem Studium, ab 1952, war sie als Zeichnerin und Grafikerin tätig, gestaltete viele Bücher. 1972 erhielt sie den Kunstpreis der Stadt Leipzig. Die von ihr illustrierten Bücher wurden mehrfach als "Schönste Bücher des Jahres" gewürdigt.
2006 gründete sie die "Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer Stiftung" mit Sitz in Leipzig.
Im Buch von Klaus Eberhard "Zu Gast bei Mattheuer und Rauch", Tagebuch eines Leipziger Kunstsammlers (Seemann Verlag 2012), ist auch Privates über die Mattheuers zu entdecken. So ist zu lesen: "Mattheuers wohnen in einer der großbürgerlichen Wohnungen am Clara-Zetkin-Park im Hochparterre. Er führt mich ins Erkerzimmer, an einen runden Tisch mit einem herrlichen Blick in den Park. Nach wenigen Minuten gesellt sich seine Frau Ursula Mattheuer-Neustädt zu uns." Über sie sagte der Leipziger Schriftsteller und Freund der Mattheuers, Erich Loest: "Beide sind sehr unterschiedlich, sie die Intellektuelle, die Moralische, die Konsequente, auch in politischen Dingen, Er dagegen der Ehrgeizige, der einfach Strukturierte…"
Und über sie: "Ursula ist 1952 bei der Wiederbewaffnung der DDR aus der SED ausgetreten, weil sie keiner Partei angehören wollte, die eine militärische Aufrüstung betrieb." Wolfgang Mattheuer trat aus der SED kurz vor der Wende 1989 aus. Lutz Behrens