Unterschriften für ein warmes Essen

Plauen - Was haben Mitglieder der Tanzschule Swing und die Arbeitsloseninitiative (Ali), speziell die Plauener Suppenküche miteinander zu tun? Auf der einen Seite offensichtlich Menschen, die sich ihre tägliche Mahlzeit nicht unbedingt bei den Kolleginnen um Teamleiterin Annerose Söll in der Suppenküche besorgen müssen, auf der anderen Seite auf Unterstützung Angewiesene, deren Einkommen so niedrig ist, sich "Kultur" nicht leisten zu können?

 

Es geht um Unterschriften für beziehungsweise gegen zwei Vorhaben, wie sie auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten. Als der wochenlange Streit um das Parkett der Festhalle in vollem Gange war und es bereits beschlossene Sache schien, für etwa 100 000 Euro einen neuen Belag zu verlegen, protestierten Stammgäste und Gelegenheitsbesucher der Suppenküche, der Plauener Tafel und der Kleiderkammer gegen diese nicht unerhebliche Investition.

Von den 700 Unterschriften, die unter Regie der Tanzschule Swing gesammelt wurden, stammten etwa 120 aus besagten Einrichtungen. Unterm Strich wurde nun entschieden, das Parkett lediglich abzuschleifen, was mit einem Viertel der Summe, nämlich 25 000 Euro zu Buche schlägt. Eine Initiative, für die sich Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer ausdrücklich bedankt habe, wie Wieland Köppel, Mitglied der Tanzschule, bestätigt. Nun "revanchierten" sich die "Tänzer" gewissermaßen und sammelten selbst Unterschriften. Diesmal für den Erhalt der Suppenküche und der anderen sozialen Einrichtungen der Ali, die durch die Halbierung der Fördermittel aus Dresden in ihrer Existenz bedroht sind.

Am Donnerstag Mittag, einer Zeit, zu der nahezu alle Tische der Suppenküche besetzt sind, übergab Köppel die Unterschriftenlisten an Teamleiterin Annerose Söll. Fast 200 sind es, Köppel will sie als Zwischenergebnis verstanden wissen, denn die Listen liegen weiter in der Tanzschule aus. Weshalb man sich so engagiere? Weil es jeden treffen könne, in die Armut oder Bedürftigkeit abzurutschen und zwar schneller und gnadenloser als noch vor Jahren, sagt Köppel und inzwischen ist es ihm nicht mehr peinlich zu erwähnen, dass er selbst regelmäßig Lebensmittel von der Tafel bezieht. Überwindung habe es beim ersten Mal gekostet, gibt er zu, doch schließlich habe er seine Arbeitslosigkeit nicht selbst verschuldet. Fünf Euro müssen einem Hartz IV-Empfänger fürs tägliche Essen genügen. Viel zu wenig, erst recht für eine ausgewogene Ernährung, rechnet Teamleiterin Söll vor.

 

Deshalb, aber auch wegen der sozialen Kontakte, kommen viele regelmäßig in die Suppenküche. 40 Essensteilnehmer werden täglich versorgt, etwa 60 bis 70 Portionen gekocht, damit auch mal ein Nachschlag drin ist. Mit 2300 Euro wird die Einrichtung im aktuellen Jahr von der Kommune unterstützt, der Antrag an den Landkreis, sich ebenfalls mit etwa 3000 Euro zu beteiligen, wurde abgelehnt. Begründung: Die Einrichtung werde nur von Plauenern genutzt. Was so nicht stimme, wie Söll deutlich macht. Standen im Vorjahr für die Ehrenamtlichen noch 1440 Euro zur Verfügung, so sind es aktuell nur noch 1120. Eine vermeintlich verträgliche Reduzierung, doch das Problem greift tiefer. Bisher betrug das Jahresbudget der ALI 25 000 Euro, in diesem Jahr werden gerade mal noch 19 000 Euro überwiesen. "Da dauerts nicht lange, bis ein ganzer Bereich bedroht ist", sorgt sich Annerose Söll. Und Köppel wagt noch ein Zahlenspiel. Mit den 100 000 Euro für einen neuen Festhallen-Belag hätte man die Existenz der Tafel fünf Jahre sichern können.

Was mit den Unterschriften geschieht? Die werden zunächst der Ali-Chefin Konstanze Schumann überreicht und anschließend nach Dresden an die Landesregierung weitergeleitet, sagt Söll. Dabei habe die Bundestagsabgeordnete der Linken, Sabine Zimmermann, ihre Unterstützung zugesagt. Und ein ganz klein bisschen Hoffnung, dass steter Tropfen den Stein höhlt, klingt dann doch mit. tp