Unterricht aus der Ferne

Manchmal gibt es Vorahnungen. Etwa im Evangelischen Schulzentrum Oberes Vogtland in Schöneck. Denn schon vor recht langer Zeit befasste man sich dort im Lehrerkollegium unter Führung von Holger Weiss, Lehrer für Informationssysteme, mit der Schaffung von Voraussetzungen für einen Teleunterricht.

Allerdings ahnte damals wirklich niemand, dass das Thema urplötzlich brandheiß werden könnte. Und in weiterer böser Vorahnung aktualisierte man in der zweiten Märzwoche noch einmal sämtliche Kontaktdaten der Schüler, wie e-Mail-Adressen oder Handynummern. Ein weiser Schritt, denn seit Mittwoch, den 18. März, ist der "worst case" eingetroffen: In der Schule sind alle Schotten dicht und die Schüler "dürfen" zu Hause bleiben.
Einzig einige Lehrer sind gelegentlich in der Schule in geringem Umfang anzutreffen. Die meiste Zeit sitzen sie wie auch Schulleiter Markus Kugler vor dem heimischen Computer, im Home-Office also. Dort heißt es, den Lehrstoff in Form von E-Mails aufzubereiten, was für die Lehrer nicht nur eine ganz neue Erfahrung sondern zugleich eine besondere Herausforderung ist. Was im Unterricht einfach und wortreich erklärt werden kann muss nun kompakt und dennoch verständlich erläutert werden und etwa mit Lösungen zu Aufgaben sowie eigenen Erklärvideos oder Links zu solchen im Internet ergänzt werden. Das alles muss in den einzelnen Fächern bis 8 Uhr per E-Mail bei den Schülern aller Klassen sein. Später ist Zeit für die Beantwortung von Anfragen und die Durchsicht der von den Schülern gesendeten Lösungen reserviert. E-Mails erreichen die Schüler von allen Lehrern, sogar in Fächern, die das zunächst nicht vermuten lassen.
Im Fach Kunst etwa könnten Skizzen angefertigt werden, in Musik Fragen zu bestimmten Kompositionen beantwortet oder im Sport Gymnastikübungen oder Joggen "verordnet" werden.
Die Eltern seien dankbar für die Möglichkeit des Telelearnings, merkt Markus Kugler an und ist froh, dass alles von Anfang an wirklich gut funktioniert. Allerdings sei es für die Schüler nicht so leicht, ihren Alltag plötzlich in Eigenregie zu organisieren. Schließlich fehlt das Pausenklingeln als Taktgeber und die meisten Eltern sind berufstätig.
Bedingt durch Corona sitzen nun auch die acht Schüler der 11. Klasse der Fachrichtung Informationssysteme allein zu Hause und nicht nebeneinander auf ihren Schulbänken. Doch Dank der Computertechnik kann man aus der Not ja eine Tugend machen. So wird im Fach Informatik eine Videokonferenz per Skype genutzt, in der alle Schüler zusammen sind und sich gegenseitig und den Lehrer hören und bei Bedarf auch sehen. Sie können seinen Bildschirm übertragen bekommen und sitzen somit fast wie im Klassenzimmer und können mit Blick auf die "Tafel" arbeiten. Sie haben darüber hinaus eine ganz andere Aufgabe zu lösen. Sie sollen ein Projekt konzipieren, in dem letztlich durch jeden Schüler ein Teil für ein System programmiert werden soll, mit dem man über den PC auch Leistungskontrollen durchführen kann. Sich als Schüler zu überlegen, wie man da am besten trickst und dann knobelt, wie man genau das verhindern kann, ist mal ein ganz neues Lernerlebnis!
In dem Zusammenhang dankt Markus Kugler den Eltern für ihre Unterstützung und ihr Verständnis und seinem Lehrerkollegium für dessen Arbeit. Die Situation sei eine Herausforderung aber zugleich auch ein Chance für die Zukunft mit einer Steigerung der Unterrichtsqualität. Und nicht zuletzt würde es den Gemeinschaftsgedanken stärken. Helmut Schlangstedt