Unternehmer, Mäzen, Theaterfreund

Heute, vor 100 Jahren, wurde Hans Löwel in Plauen geboren. Er machte mit spektakulären Spenden, vor allem für den Plauener Theaterförderverein, von sich reden. 1996 rief er die Löwel-Stiftung ins Leben. Als diese nach 15 Jahren auslief, gründeten sich mit dem anteiligen Kapital die Plauener Bürgerstiftung und die Stiftung des Theaterfördervereins.

Von Lutz Behrens

Plauen Hans Löwel wurde am 11. Juli 1920 in Plauen geboren; er starb am 3. April 1996 in einem Krankenhaus in Bamberg. Er wuchs in der Gottschaldstraße auf, das Haus steht nicht mehr. Das Adressbuch von 1940 gibt Auskunft: ein "Löwel, H. Vertr." ist im Haus Nummer 21 eingetragen.
Er besuchte die Karlschule, später die Oberrealschule, das heutige Lessing-Gymnasium. Wie so viele Jungen seiner Zeit war er fasziniert von der Fliegerei. Er wurde Segelflieger. Als der Krieg beginnt, Hans Löwel ist gerade 19 Jahre alt geworden, meldete er sich zur Luftwaffe. Das Ende des Krieges erlebte er als Testpilot der Firma Messerschmidt in Leipheim an der Donau. Während des Krieges wird er zweimal beurlaubt, um in Zwickau und Mittweida das begonnene Studium des Maschinenbaus fortzusetzen.
Edith Müller als Gast
Nach dem Krieg kehrte Hans Löwel nach Plauen zurück. Er begegnet Edith Müller. Frau Müller ist als Gast Sängerin am Theater in Plauen engagiert und wird vor allem in Operetten eingesetzt. In einer Kritik der Operette "Blumen für Gloria" (Spielzeit 1949/50) ist zu lesen: "Von Horst Arnsberg und Edith Müller als Pitty ging eine Vitalität aus, die alle anderen Kräfte mitriss."
Aus Edith Müller und Hans Löwel wird ein Paar. Hans Löwel, der schon in Plauen für die Amerikaner als Dolmetscher und Fahrer gearbeitet hatte, entschließt sich, in den Westen zu gehen. In Bamberg baut er sich ein Unternehmen auf. Er vertreibt Ware gegen Waren im Interzonenhandel. Für Gardinen, Plauener Spitze und Dekorationsstoffe aus Plauen liefert er Textildruckfarben und Garne in seine Heimatstadt. Später wird er Generalvertreter für Plauener Spitze und Gardinen in der Bundesrepublik. Er sagte: "Der Fleiß der Beschäftigten in der Plauener Textilindustrie hat mich wohlhabend gemacht."
Schon in den Jahren der deutschen Teilung führen Geschäftsreisen Hans Löwel nach Plauen, wo er auch gern gesehener Gast im Casino ist. Nach dem Fall der Mauer war es das ausdrückliche Anliegen Hans Löwels, seiner Stadt Gutes zu tun, ihr Geld für gemeinnützige Zwecke zukommen zu lassen.
"Wenig Lärm ums Geld"
Ich lernte Hans Löwel 1993 bei einem Termin im Rathaus kennen. Als berichterstattender Redakteur nahm ich im Zimmer des damaligen Beigeordneten Hansjürgen Fleischer an einer Scheckübergabe teil. 50.000 Mark übergab Hans Löwel, damit "etwas mit Kunst gemacht würde". Leider hörte der Mäzen danach lange nichts mehr. Nach 20 Wochen Schweigen im Walde kam er in die Redaktion des Vogtland-Anzeigers, und es war ihm eher peinlich, als er auf die Frage, was denn nun mit seinem Geld geschehen sei, nichts darüber gesagt werden konnte. So nahm sich der Vogtlandstreicher der Sache an. Die Glosse "Wenig Lärm ums Geld" hatte Folgen. Hans Löwel erhielt einen Dankesbrief vom Oberbürgermeister und einen Termin für ein Gespräch. Am Ende verdoppelte Hans Löwel seine Spende. Mit 100.000 Mark finanzierte er die von Erik Seidel geschaffene Plastik "Vater und Sohn", die heute vor dem Erich-Ohser-Haus in der Nobelstraße steht. Eingeweiht wurde das Kunstwerk am 11. November 1995 vor der Städtischen Galerie "e. o. plauen" auf der Bahnhofstraße. Im Jahre 1995 war es auch, dass Hans Löwel zum Nikolaustag jedem der 570 Bewohnern der Plauener Altenheime eine Kiste mit Nürnberger Lebkuchen spendierte. Das Tierheim Kandelhof und der Tierschutzverein Plauen erhielten 1996 einen Betrag von 50.000 Mark. Und als Hans Löwel erfuhr, dass das Theater in finanziellen Schwierigkeiten war, spendete er eine halbe Million Mark an den Förderverein des Vogtlandtheaters. Damit wurde unter anderem die Titanic-Inszenierung mitfinanziert, die Ausgleichsschräge bezahlt, das Konzertzimmer sowie der Steinway-Flügel.
Entwurf für eine Stiftung
Im Frühjahr 1996 entschloss sich Hans Löwel, sein Vermögen in eine Stiftung zu überführen. Er hatte vor, das König-Albert-Denkmal, das bis 1945 auf dem Altmarkt stand, wieder errichten zu lassen. Dafür waren zwei Millionen Mark vorgesehen, Eine Million sollte dem Stadttheater zugutekommen, weitere 50.000 Mark dem Tierheim Kandelhof, eine Million der Kunstschule oder einer ähnlichen Einrichtung. Leider konnte Hans Löwel am 10. März 1996 (Datum des Stiftungsentwurfs) nicht ahnen, dass er keinen Monat mehr zu leben hatte. Als ich ihn am 1. April 1996 im Bamberger Krankenhaus besuchte, wusste ich, dass ich ihn nicht wiedersehen würde.
Die Löwel-Stiftung
Am 18. März 1996 wurde in Bamberg die gemeinnützige Hans Löwel-Stiftung gegründet. Ihr Stiftungszweck bestand in der Unterstützung der Stadt Plauen, des Plauener Theaters und der Plauener Kunstschule; außerdem unterstützte sie die Krebsforschung, die Universitätsstiftung der Stadt Bamberg, und Blindeneinrichtungen. Mit Mitteln der Löwel-Stiftung wurde auch ein Wissenschaftspreis der Universität Bamberg finanziert.
Die Stiftung funktionierte so, dass die Begünstigten jeweils anteilig einen jährlich ausgeschütteten Betrag erhielten, der sich aus den erzielten Zinsen des Stiftungskapitals ergab. So die Stadt Plauen jährlich die Zinserträge von 25 Prozent des Stiftungskapitals; der Förderverein von 12,5 Prozent und die Initiative Kunstschule ebenfalls von 12,5 Prozent. Da sich das Stiftungskapital nach dem Ableben von Edith Löwel weiter erhöhte, stieg auch die jährlich ausgeschüttete Summe der Zinserträge. Befristet wurde die Stiftung auf 15 Jahre; sie endete am 31. Dezember 2011.
Die Stadt Plauen beabsichtigte, wie geschehen, ihren Stiftungsanteil in eine Bürgerstiftung einzubringen. Mit dem Plan für eine eigene Stiftung ging sie einen Weg, der vom Förderverein des Vogtlandtheaters drei Jahre lang verfolgt wurde und dessen Ziel ebenfalls darin bestand, wie geschehen, eine eigene Stiftung zu gründen. So wurde die ab 31. Dezember 2011 zur Verfügung stehende Summe von rund 850.000 Euro in eine neue Stiftung überführt. Der Theaterförderverein gründete 2011/2012 mit seinen 12,5 Prozent des Stiftungskapitals die vereinseigene Hans-und-Edith-Löwel-Stiftung - Vogtlandtheater Plauen.