Unterhaltung hat mit Haltung zu tun

Sebastian Krumbiegel von den legendären Prinzen präsentiert am 12. Januar im König Albert Theater seine musikalische Lesung "Courage zeigen!". Was die Zuschauer erwartet und warum der Sänger auch auf Solopfaden unterwegs ist, verrät er in einem Interview mit unserem Mitarbeiter Steffen Adler.

Sebastian Krumbiegel ist bekannt als Mitglied der Prinzen. Was gibt es Neues bei den Prinzen und wie geht es mit der Band weiter?

Wir hatten ein richtig gutes Jahr mit vielen denkwürdigen Konzerten. Herausragend war sicher unsere Tour mit dem Orchester der Musikalischen Komödie der Oper Leipzig. Mit so einem riesigen Sinfonieorchester im Rücken kommen unsere Lieder auf eine ganz andere Ebene - das hat fast schon was Erhabenes. Wir haben in großartigen Häusern gespielt - Highlight war sicher das Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie - das vergisst du nicht, davon können wir irgendwann mal unseren Enkeln erzählen. Diese Tournee werden wir 2019 fortsetzen und daneben noch jede Menge andere Konzerte spielen - Open Airs, Hallenkonzerte und viele schnuckelige Konzerte in Kirchen. Das ist eine Niesche, die wir für uns entdeckt haben - sehr spezielle Konzerte. Und ganz nebenbei bereiten wir unser 30-jähriges Bestehen vor: mit einem neuen Album und einer großen Tour durch den deutschsprachigen Raum Europas - wir haben noch viel vor.

Welche Erinnerungen haben Sie noch an das Konzert im Jahr 2017 im König Albert Theater?
Dieses Theater ist eine Perle, ein wunderbares Kleinod mit einer eigenen, sehr intimen Atmosphäre. Es war ein denkwürdiges Konzert - ich erinnere mich an einen stürmischen, fast ekstatischen Abend. Außerdem haben wir natürlich in wacher Erinnerung, dass wir zu Ehrenkünstlern ernannt worden sind - das passiert auch nicht alle Tage. Ehrenkünstler - das klingt schon ziemlich cool, und mit Leuten wie Klaus Doldinger, Johannes Heesters oder Rolf Hoppe in einem Atemzug genannt zu werden - das ist schon was sehr Besonderes.

Sie sind zudem nicht nur als Sänger in der Band, sondern auch als Solokünstler aktiv. Wie kam es dazu?
Wir sind seit fast 30 Jahren in dieser Besetzung zusammen unterwegs, und der Großteil der Band kennt sich seit den Thomanerchor-Zeiten in der Kindheit. Es ist nicht selbstverständlich, es so lange mit einander "auszuhalten", und wir kümmern uns darum, dass das noch möglichst lange so bleibt, zumal wir genau wissen, was wir da mit- und aneinander haben. Dazu gehört auch, sich zwischendurch regelmäßig ab und zu mal in Ruhe zu lassen, über den Tellerrand hinaus was anderes zu machen und die Antennen nach neuen, anderen Dingen auszufahren. Dadurch bleibt die Liebe frisch und wir laufen nicht Gefahr, in lähmender Routine oder Langeweile zu versinken - das funktioniert so sehr gut!

Was erwartet die Besucher zu Ihrer musikalischen Lesung?
Es wird jede Menge Musik geben. Ich denke, dass die erste Aufgabe eines Menschen, der auf eine Bühne geht ist, die Leute im Saal zu unterhalten und nicht zu belehren oder gar zu langweilen. Musik ist dafür sehr praktisch, und in meinem Buch spielt Musik natürlich eine Hauptrolle. Dass allerdings in dem Wort Unterhaltung auch das Wort Haltung steckt, ist mir im Laufe der Zeit immer bewusster geworden, und diese Balance zwischen beidem ist eine Herausforderung, die ich mittlerweile ganz gut im Griff habe. Ich glaube, dass das ein sehr kurzweiliger, unterhaltsamer Abend wird - immer anders - ich habe kein festes Programm und lass mich in diesem kleinen, intimen Rahmen voll auf das Publikum ein - somit ist es auch für mich immer wieder spannend.

Wie kam es eigentlich zu der Idee, das Buch "Courage zeigen" zu schreiben?
 Freunde aus Hamburg waren mal in einem meiner "Solo am Piano"- Konzerte und sagten mir danach, dass sie es eigentlich ganz cool fanden, dass ich aber zwischen den Songs viel zu viel geredet habe. "Schreib doch diese ganzen Geschichten lieber mal auf und mach ein Buch draus!" - Naja, zuerst fand ich das doof, aber als ich angefangen habe, ergab eines das andere und es sprudelte nur so aus mir raus. Es ist spannend, was da auf einmal passiert, wenn du anfängst über Dinge nachzudenken, die du erlebt hast. du lernst dabei viel - vor allem über dich selbst.

Sebastian Krumbiegel ist auch ein "Prinz" mit Courage, der sich für das Musikfestival "Leipzig zeigt Courage" engagiert. Was war vor 20 Jahren der Anlass?
Wir haben damals, 1998, mit diesem Konzert einen Nazi-Aufmarsch verhindert. Das schien zunächst eine etwas blauäugige Aktion, aber es hat funktioniert, und daraus ist dann eine Tradition geworden: Jedes Jahr am 30. April, am Vorabend des ersten Mai, findet in Leipzig ein Open Air- Konzert statt, bei dem die Stadt zeigt, dass Rassismus und jegliche Form von Ausgrenzung bei uns nichts zu suchen haben. Wir leben heute in bewegten Zeiten, in denen es wichtig ist, sich zu positionieren. Wenn es "Leipzig zeigt Courage" nicht gäbe, dann müsste man es erfinden.

Im Dezember 2012 wurden Sie mit dem Bundesverdienstorden geehrt. Welche Bedeutung hat das für Sebastian Krumbiegel ganz persönlich?
Natürlich habe ich mich gefreut, als die Nachricht vom Bundespräsidenten kam, für meine Eltern war das aber, glaube ich, noch bedeutender. Sie waren dabei im Schloss Bellevue und haben es sehr genossen - so nach dem Motto: Jetzt ist ja doch noch was Anständiges aus dem Jungen geworden. Für mich persönlich sehe ich das Bundesverdienstkreuz eher als Ermutigung, weiter zu machen mit all den Sachen, die ich neben der Musik noch so mache. Ich denke in letzter Zeit immer öfter, dass ich noch viel mehr machen könnte, mehr machen müsste. Es bringt ja nichts, sich zu ärgern oder permanent zu schimpfen auf die Zustände oder auf "die da oben". Am Ende sind wir es doch selbst, die sich darum kümmern sollten, in was für einer Welt wir leben. Das ist gar nicht schwer, und vor allem macht es richtig Spaß, wenn du merkst, dass du wirklich was bewegst, dass was passiert, weil du aktiv geworden bist.