Unterhaltsame Mörderjagd im Orient-Express

Plauen - Mit drei Vorstellungen seines Silvesterprogramms begeisterte das Theater Plauen-Zwickau am letzten Tag des Jahres das Publikum. Die Steigerung zum vergangenen Jahr war unübersehbar. Die Idee diesmal: Eine Fahrt im Orient-Express. Wir bestiegen den Zug um 17 Uhr.

 

Was wollen die Leute zu Silvester im Theater? Heiterkeit, Stimmung, Leichtigkeit und Schwung. Das alles bot das diesjährige Silvesterprogramm des Theaters Plauen-Zwickau. Das ausverkaufte Haus war anheimelnd warm und der Zuschauerraum hübsch dekoriert. Und als Operndirektor Stefan Bausch, der mit Hilfe eines Zettels, aber zunehmend sicherer durch den Abend führte, ironische bemerkte, dass im vergangenen Jahr zu Silvester das Programm unter einer gewissen Knappheit gelitten habe, hatte er die Lacher auf seiner Seite und die Sympathie der Besucher gewonnen.

Orient-Express hieß das Thema. Stefan Bausch trug zur Eisenbahneruniform keck eine Schirmmütze auf dem Kopf und zwei dem englischen Detektivroman entsprungene Herren in Knickerbockern und kariert gekleidet (Frank Siebers und Ole Micha Spörkel) taten viel Unsinniges, um einen Mord (!) im Speisewagen aufzuklären. Mit Sprachwitz und durchaus hemmungslos bei der Leibesvisitation ausgewählter Orchestermusiker gingen die beiden Kriminaler zur Sache. Selbst vor dem Dirigenten hatten sie keinen Respekt. Auch Friedemann Schulz, der das Philharmonische Orchester am Theater Plauen-Zwickau dirigierte, musste sich als Verdächtiger hochnotpeinliche Verhöre gefallen lassen.

Neben der vergeblichen Mörderhatz bildeten die Städte und Landschaften, die der Orientexpress auf seiner Reise nach Paris durchfährt, den roten Faden des vergnüglichen Abends. So waren ein ungarisches Volkslied zu hören (Ivan Mirtchev, am Akkordeon begleitet von Maria Kisowska-Löster), zeigte das Ballett hohe Tanzkunst und Solisten des Musiktheaters (Juliane Schenk, Judith Schubert und Martin Scheepers) gaben ihr Bestes. Dabei fehlte der unaufdringliche Hinweis auf aktuelle Produktionen des Hauses nicht. Immer wieder waren es die Damen und Herren des Opernchores, die stimmgewaltig und zum Finale selbst bei einem angedeuteten Cancan, vom Publikum mit starkem Beifall bedacht wurden.

Nach leicht verspätetem Beginn war das Programm dem Anlass entsprechend mit buntem Konfettiregen und glitzerndem Luftschlangengewimmel nach fünf Viertelstunden zu Ende und kam, so die Meinung vieler, bei den Besuchern sehr gut an. Ein gelungener Abschluss des Jahres 2010. Was bietet das Theater Plauen-Zwickau seinem Publikum in Plauen im Januar? Statistisch gesehen erwarten den Besucher im Großen Haus das Neujahrskonzert, zweimal das 4. Sinfoniekonzert und ein Sonderkonzert. Das Musiktheater ist mit zwei Aufführungen der Fledermaus präsent und hält am Monatsende die Premiere von Ein Maskenball bereit. Harry und Sally bietet das Schauspiel einmal; zweimal ist das Ballett mit Bernarda Albas Haus zu sehen. Hinzu kommen je einmal ein Musical: Irma la Douce und Der kleine Horrorladen. Lässt man Zahlen sprechen, ergibt das ein Angebot an zwölf Tagen. Was bietet die Kleine Bühne? Hier ist im Januar fünfmal das Puppentheater für die Kleinen im Spiel, findet zum letzten Male Der Kontrabass seine Besucher und dazu kommen noch je einmal vom Schauspiel Datscha Lambada, Lolita und Unter der Treppe. Eine Lesung und eine Matinee, ebenfalls im Angebot, sollen nicht verschwiegen werden.

Nun gibt es sicher Gründe für eine solche Programmgestaltung. Generalintendant Roland May klärt auf und bittet um Verständnis. Er sei froh, dass er im Januar überhaupt soviel anzubieten vermag. Könne er doch zum Beispiel die Schauspieler in den ersten 14 Tagen des neuen Jahres nicht einsetzen, weil der Freizeitausgleich greife. Weniger Geld für das Theater, der Haustarifvertrag, das führe auch zu einem verminderten Angebot. va