Untergangsstimmung im Diesterweg-Gymnasium

Plauen - Im Plauener Diesterweg-Gymnasium herrscht derzeit unter den 50 erwachsenen Absolventen eine regelrechte Untergangsstimmung. Ihre für dieses Schuljahr eingereichten Anträge auf BAföG sind abgelehnt worden, was ihre Fortbildung mit dem Erreichen des Abitures gefährdet.

 

Was passiert nun? Unser Mitarbeiter Frank Blenz unterhielt sich mit Ralf Ballman, Leiter des Diesterweg- Gymnasiums.

 

Ballmann: Im betreffenden Gesetzestext steht, dass man Schüler einer Klasse nur mehrheitlich einer Schulart zuordnen könne. In unserer Einrichtung gibt es indes neben den Kollegkursen auch Mischkurse, in denen sowohl Schüler bis zur 12. Klasse als auch Erwachsene lernen. Dies erachtet die Behörde der Landesdirektion Chemnitz in diesem Jahr plötzlich als nicht mehr förderwürdig. Dabei ist diese Lesart eine reine Auslegungssache und diese zieht nicht die gut begründete Intention für Mischkurse in Betracht.

Wie ist es zu diesen Misch-Kolleg-Kursen gekommen?

Ballmann: An unserer Schule haben diese Kurse eine lange Tradition. Seit 1997, als die Absolventenzahlen am Abendgymnasium/Kolleg zurückgegangen waren, stand die Entscheidung, entweder Auflösen oder die Integration ins Gymnasium. Im gleichen Jahr wurde so das gymnasiale Bildungszentrum formiert, fortan gibt es bei uns das Gymnasium und das Kolleg bis heute.

Was sagen die Betroffenen?

Ballmann: Für die betroffenen erwachsenen Schüler, es sind 50 an der Zahl, ist die Ablehnung der Anträge auf BAföG eine Katastrophe. Diese Menschen haben meist Familie und brauchen schlicht das Geld. Sie müssen jetzt schon ihre Reserven antasten. Noch hoffen sie auf eine Revision der Entscheidung, wir versuchen auch alles, um eine Änderung der Auslegung des Gesetzes zu errichten. Aber wie lange kann noch durchgehalten werden?

Was sagen die Stellen und Persönlichkeiten, die Sie um Unterstützung und eine Korrektur der Entscheide gebeten haben?

Ballmann: Ob Bürgermeister, BAföG-Stelle des Landratsamtes, Bildungsagentur Zwickau oder Bundestagsabgeordnete, alle verstehen die Handlungsweise der Landesdirektion Chemnitz/ Landesamt für Ausbildungsförderung nicht. Vielmehr könne man der Kursbildung mit Misch- und reinen Kollegkursen folgen, es ist eine sinnvolle Maßnahme zur Erhaltung des zweiten Bildungsweges für Erwachsene.

Was passiert, wenn die 50 Absolventen aufgeben müssen?

Ballmann: Die Erwachsenenbildung würde an unserem Gymnasium beendet sein. Es würde ein gutes Bildungsangebot verschüttet gehen und nebenbei würde Plauen einen weiteren Punkt für die Definition als Oberzentrum verlieren, ganz zu schweigen von den persönlichen Schicksalen.

 

Wer kann diese drohende Entwicklung noch aufhalten?

Ballmann: Da die Zuständigkeit in Sachen Bearbeitung von Förderanträgen durch die Verwaltungsreform statt bei Plauen nun beim Landkreis liegt, ist der Landrat gefordert. Er hat auch schon signalisiert, dass er reagieren wolle. Es geht darum, dass die Gelder an die Absolventen weitergezahlt werden. Punkt!

Ballmann: Es geht wie immer um das liebe Geld. Man hat darin schlicht Einspar-Potential gesehen und übersehen, dass es um Menschen, ihre Existenzen und Chancen geht. Wenn man bei dem Standpunkt bliebe, würde es unterm Strich sogar mehr kosten. Denn beizeiten stellen sich die Betroffenen an - bei der Agentur für Arbeit.